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Überversicherte Deutsche So vermeiden Sie unnötige Versicherungen

Vor manchen Risiken sollte sich jeder schützen, doch nicht jede Versicherung lohnt sich. Warum die Deutschen zu viele Versicherungen haben - und welche sie wirklich brauchen.

Diese Versicherungen können Sie sich schenken
Platz zehn: Die GlasbruchversicherungEine Glasbruchversicherung lohnt sich eigentlich nur, wenn Sie einen Wintergarten besitzen oder ihr gesamtes Haus verglast ist – womöglich noch mit verspiegeltem Spezialglas. Andernfalls ist es deutlich günstiger, wenn Sie eine kaputte Scheibe selber bezahlen, als jeden Monat ein paar Euro dafür zu zahlen, dass Sie vielleicht einmal eine Scheibe ruinieren. Quelle: Bund der Versicherten e.V. Quelle: dpa
Platz neun: Die BrillenversicherungWer eine Brillenversicherung abschließt, bekommt den Wert seiner Brille im Schadensfall nicht vollständig ersetzt. Die Versicherung zahlt ein neues Gestell, wenn die Brille zerbrochen oder beschädigt oder mindestens zwei Jahre alt ist. Einfache Gläser gibt es nur bei Beschädigung oder einer deutlichen Sehstärkenveränderung (mindestens 0,5 Dioptrien). Wer spezielle Gläser oder eine schicke Fassung statt des Kassenmodells will, zahlt kräftig dazu. Also ganz so, wie beim Brillenkauf an sich auch. Quelle: dpa
Platz acht: Die KrankenhaustagegeldversicherungOb die Krankenhaustagegeldversicherung die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, ist mehr als fraglich. Mit diesem Argument bieten jedenfalls Versicherer solche Policen an. Quelle: dpa
Platz sieben: Die ReisegepäckversicherungWer sein Reisegepäck gegen Diebstahl und Schaden versichern will, muss es trotzdem hüten, wie seinen Augapfel. Sonst zahlt die Versicherung nämlich nicht. Koffer dürfen nicht unbeaufsichtigt sein, Wertgegenstände sind in der Regel nur unzureichend mitversichert. Grundsätzlich werfen die Versicherer ihren Kunden gerne vor, grob fahrlässig mit dem Gepäck umgegangen zu sein. Der Geschädigte muss das Gegenteil beweisen können. Quelle: dapd
Platz sechs: Die Handyversicherung Wer ein Handy versichern möchte, sollte wissen, dass er bei Verlust oder Diebstahl nur den aktuellen Wert, nicht aber den Kaufpreis zurückerstattet bekommt – und den auch nicht vollständig. Ein neues Handy zu kaufen, dürfte nervenschonender sein. Quelle: AP
Platz fünf: Die Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung Wenn eine Hochzeit platzt, ist das für alle Beteiligten schon unschön genug. Eine Versicherung, die die Stornokosten für Partylocation, Hochzeitstorte und Kleid anteilig übernimmt, macht es auch nicht besser. Schon gar nicht, wenn sie nur dann greift, wenn Braut oder Bräutigam schwer erkranken oder die Wohnung des Brautpaares am Hochzeitsmorgen in Flammen steht. Quelle: dpa
Platz vier: Die Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ Sie haben sich ausgesperrt? Ihre Heizung ist ausgefallen? In solchen und anderen Fällen werden Sie vermutlich einen Notdienst rufen. Zwar kostet das mehr als der Handwerker üblicherweise, aber in finanzielle Not geraten Sie damit sicherlich nicht. Deshalb wird sich eine Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ kaum für Sie auszahlen. Denn die träte auch nur begrenzt ein. Mieter müssen ohnehin nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben. Quelle: dpa

Adam Fletcher hat in Großbritannien und Neuseeland gelebt, ein Unternehmen in Leipzig gegründet und zuletzt in Berlin gearbeitet. Seine Erfahrungen mit den Deutschen haben ihn dazu veranlasst, einen Leitfaden zu schreiben, wie Ausländer typische Deutsche werden.

Besonders wichtig sei es, sich Versicherungen zuzulegen gegen alles, was man nicht planen könne. Fletcher ist sich sicher: Würde jemand eine Versicherung erfinden, die immer dann greift, wenn man gerade nicht die richtige Versicherung hat (insurance-insurance), würden 80 Millionen Deutsche vor lauter Glück tot umfallen.

Ein Drittel hat keine Haftpflichtversicherung

Die Statistik gibt ihm Recht: Laut des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt jeder Deutsche pro Jahr 2219 Euro für Versicherungen aus. Das liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 1843 Euro pro Jahr, den der europäische Versicherungsverband Insurance Europe (IE) ermittelt hat. Im Schnitt besitzt jeder Deutsche sechs Policen, wie eine Umfrage des Bundes der Versicherten (BdV) zeigt.

Nur: Die richtigen sind oft nicht dabei. Da wird die Brille versichert, das Smartphone, das Fahrrad und die Ausbildung der Kinder, aber nicht die existenziellen Risiken. So geht die Versicherungswirtschaft davon aus, dass ein Drittel der Deutschen keine private Haftpflichtversicherung besitzt.

Wer dann mit einer Silvesterrakete den Bauernhof nebenan abfackelt und einen Millionenschaden verursacht, muss aus eigener Tasche zahlen. Aber Hauptsache, bei Verlust des neuen iPhones gibt es noch 80 Euro von der Handyversicherung.

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Überversicherte Deutsche

Die vielzitierte Überversicherung der Deutschen rührt von all diesen kleinen zusätzlichen Versicherungen her, die letztlich mehr kosten als sie bringen. Dabei erscheint nichts zu unsinnig. "Man weiß ja nie", denkt der Vollkasko-Deutsche und schließt vorsichtshalber noch eine Glasbruch- oder Insassenunfallversicherung ab.

Selbst vor Hochzeitsrücktritt-Kostenversicherungen schrecken manche nicht zurück. Diese Versicherungen machen laut BdV knapp ein Drittel des gesamten jährlichen Versicherungsvolumens aus.

Die Versicherungen, die keiner braucht

Selbst die zahlreichen Versicherungen, die für junge Eltern beziehungsweise deren Kinder konzipiert sind, können besorgte Verbraucher getrost vergessen, wie die Stiftung Warentest bewiesen hat. "Die Finanzbranche kennt die Ängste der Eltern und weiß, dass sich mit Spezialprodukten für die Jüngsten gut verdienen lässt", heißt es bei den Testern.

Das gilt auch für Ausbildungsversicherungen, die den lieben Kleinen später ein Studium ermöglichen sollen. Diese seien zwar bequem, aber teuer und unflexibel. Mit einem guten Aktienfonds ließe sich die Ausbildung der Kinder wahrscheinlich deutlich besser finanzieren als mit einer solchen Art der Kapitallebensversicherung.

Die Assekuranzen bieten die Sinnlos-Policen gerne auch mit Beitragsrückgewähr an, was sich bei genauerem Hinsehen als mies verzinster Sparvertrag entpuppt. Und beim aktuellen Zinsumfeld will das schon etwas heißen. Deshalb solle man Prioritäten setzen, findet Bianca Boss vom BdV. "Wer sich gegen existenzielle Risiken absichert, kann eine Überversicherung vermeiden", sagt sie. Dazu gehören in jedem Fall eine private Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitspolice.

Kosten einer Berufsunfähigkeits-Police

Wer eine Immobilie besitzt, brauche außerdem eine Wohngebäudehaftpflicht. (Ehe-)Partner sollten sich beispielsweise durch eine Risikolebensversicherung gegenseitig absichern, empfiehlt Boss. Alles andere sind Kann-Versicherungen, die im Zweifelsfall nur Geld kosten.

Deutsche sind nicht gut aufs Alter vorbereitet

Es gibt jedoch einen Versicherungsbereich, in dem die Deutschen ihren europäischen Nachbarn hinterherhinken: Im Schnitt gibt jeder Deutsche pro Jahr 1067 Euro für die Altersvorsorge aus, beispielsweise in Form von Lebensversicherungen. Das zeigt ein Bericht des IE.

Damit rangiert Deutschland zum Beispiel weit hinter den Briten (2740 Euro). Auch in Belgien (1925 Euro), Frankreich (1728 Euro), Italien (1146 Euro) und den Niederlanden (1135 Euro) geben die Menschen mehr für private Altersvorsorge aus als in Deutschland.

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