Umstellung auf Unisex-Tarife Krankenversicherer verbessern Leistungskatalog

Ab dem 21. Dezember dürfen Versicherer bei Vertragsabschluss nicht mehr zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Davon profitieren Privatversicherte - sie erhalten künftig bessere Verträge.

Ab dem 21. Dezember gelten die neuen Unisex-Versicherungstarife. Private Krankenkassen nutzen die Neuerung, um ihren Leistungsumfang auszuweiten. Quelle: dpa/dpaweb

Die privaten Krankenversicherer nutzen die Einführung der Unisex-Tarife, um ihre Vertragsbedingungen zu verbessern. Das meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer neuesten Ausgabe. Mit den neuen Policen würden viele Anbieter den Leistungsumfang vergrößern. Davon profitieren vor allem Patienten mit psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen: Die meisten Anbieter planen, die Stundenzahl für eine ambulante Psychotherapie von 30 Stunden auf mindestens 50 Stunden zu erhöhen. Bei Suchterkrankungen würden drei, statt bislang nur einer Entgiftungskur zum Standard.

Das geben Krankenkassen zurück
Es ist ein Achtungserfolg für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP): Als erste der großen Krankenversicherungen gibt die Techniker-Krankenkasse seinem Drängen nach und zahlt bis zu 720 Millionen Euro an ihre Versicherten zurück. Die anderen Kassen mauern - noch... Quelle: dapd
Der neue Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, sagte den sechs Millionen Mitgliedern jeweils zwischen 60 und 120 Euro an Rückzahlungen zu. Bislang waren allenfalls kleinere Kassen mit insgesamt einer Million Mitgliedern dem Aufruf von Bahr gefolgt. Die anderen verschränkten die Arme über dem Bauch. Auch gestern blieben viele Kassen bei ihrer negativen Haltung gegenüber Rückzahlungen... Quelle: dpa
DAK: Kein Zusatzbeitrag mehrDie Deutsche Angestelltenkrankenkasse kommt aus einem tiefen Tal. Als eine der ersten Kassen musste die DAK vor über zwei Jahren einen Zusatzbeitrag fordern. "Bei uns redet niemand über Prämien an unsere Versicherten. Wir haben unsere Prämie längst gezahlt, indem wir zum ersten April 2012 diesen Zusatzbeitrag von acht Euro wieder abgeschafft haben", kommentiert denn auch ein Sprecher die Ankündigung der Techniker Krankenkasse. Quelle: dpa
DAK: Kein Zusatzbeitrag mehrTatsächlich war das ein großer Erfolg für die Kasse, die wegen des Zusatzbeitrags mehrere Hunderttausend Mitglieder verloren hat. Viele Experten hatten Zweifel, ob die DAK das laufende Jahr ohne neue rote Zahlen überstehen würde. Diese Befürchtung hat sich nicht bestätigt. Nach einem Plus von 344 Millionen Euro 2011 schloss sie auch das erste Halbjahr 2012 mit einem Plus von mehr als 100 Millionen Euro ab. Ihre Rücklagen liegen damit jedoch weiter weit unter der Grenze, ab der das Sozialgesetzbuch eine Prämienausschüttung erlaubt. Quelle: dpa
Barmer GEK: kein Geld für PrämienDie Barmer GEK gehört wie die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) zu den großen Kassen, die sich umfangreiche Filialnetze und eine intensive Betreuung ihrer Versicherten leisten. Dies ist neben Verzerrungen im Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen ein Grund, warum die Barmer trotz des Geldregens, der seit fast zwei Jahren über das Gesundheitssystem niedergeht, keine soliden Rückladen bilden kann Quelle: dpa
Barmer GEK: kein Geld für PrämienDie Kasse ist grundsätzlich wenig geneigt, ihren Versicherten Boni zu zahlen. Dabei gehe es am Ende nur um wenige Euro, die der einzelne Versicherte kaum spüren würde, sagte Barmer-Sprecher Athanasios Drougias. "Das ist weniger als die Zwiebeln auf einem Döner." Der Barmer sei ein attraktives Leistungsportfolio wichtiger. Quelle: dpa
KKH-Allianz: Finanzausgleich funktioniert nichtNach einem Einnahmeüberschuss von 140 Millionen Euro 2011 war es schon mutig von der KKH Allianz, ihren zwei Jahre lang geforderten Zusatzbeitrag von acht Euro zum 1. März aufzuheben. Zwar liegen die Reserven der ehemaligen Kaufmännischen Krankenkasse Halle deutlich über der gesetzlichen Mindestreserve von einer viertel Monatsausgabe. Aber für Prämien langt das Geld nicht. Quelle: dpa
KKH-Allianz: Finanzausgleich funktioniert nichtZur Entscheidung der TK sagte KKH-Chef Ingo Kailuweit: "Das Thema Gesundheit ist zu wichtig, um es auf die Frage nach Prämienausschüttungen von einigen Euro pro Monat zu reduzieren. Für uns steht nach wie vor an erster Stelle die hohe Qualität der medizinischen Behandlung und ein breit gefächertes Serviceangebot." Wie andere Kasse setzt die KKH zudem auf Bonusprogramme für gesundheitsbewusstes Verhalten. Das sei besser, als Geld per Gießkanne zu verteilen. Quelle: dapd
Techniker Krankenkasse: Schwerreicher VorreiterMit 2,7 Milliarden Euro Rücklagen ist die Techniker Krankenkasse (TK) die reichste Kasse der Welt. Dennoch trotzte sie bis gestern dem Drängen des Gesundheitsministers und des Bundesversicherungsamts, einen Teil der Summe als Boni auszuschütten. Stattdessen setzte der Vorstand auf Leistungsverbesserungen. So beschloss der Verwaltungsrat noch vor kurzem, die Zahlungen für Versicherte, die an Programmen zur Gesundheitsförderung teilnehmen, auf bis zu 200 Euro zu erhöhen. Auch die Zuschüsse für die Teilnahme an Ernährungs- oder Sportkursen wurden erhöht. Quelle: dpa
AOK Rheinland/Hamburg: Kundennähe ist wichtigerDie AOK Rheinland/Hamburg leidet unter einem besonderen Handicap: Ihre Versicherten leben in den Ballungszentren Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Dort gibt es besonders viele Ärzte und Kliniken. Da für das beitragsfinanzierte Gesundheitssystem anders als für funktionierende Märkte die Regel gilt, dass die Nachfrage nach Leistungen mit dem Angebot wächst, hat die Kasse von jeher Probleme. Denn solche Unterschiede werden im Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen nicht ausgeglichen. Quelle: dpa
AOK Rheinland/Hamburg: Kundennähe ist wichtigerUm ihre Versicherten bei der Stange zu halten, setzt die größte Kasse in NRW deshalb auf Kundennähe sowie Leistungs- und Servicequalität. Zusatzleistungen für die Versicherten, die bei anderen gesetzlichen Krankenkassen unbekannt sind, bieten den Versicherten konkrete Unterstützung und praktische Hilfe im Krankheits- oder Pflegefall. Außerdem plant die Kasse, ihre Leistungen für Schwerstkranke auszuweiten und die Öffnungszeiten ihrer Filialen zu verlängern. Die Kasse wisse aus Umfragen, dass die Versicherten Investitionen in die Qualität der Versorgung und Extraleistungen wichtiger finden als Prämien, sagte AOK-Chef Günter Wältermann. Quelle: dpa
AOK Plus: Prävention statt BoniDie AOK Plus gehört für Gesundheitsminister Daniel Bahr zu den heißen Kandidaten für eine Prämienausschüttung unter den Ortskrankenkassen. Den Überschuss für 2011 gibt die Kasse mit 354 Millionen Euro an. Betriebsmittel und Rücklagen lagen damals bereits bei 730 Millionen Euro. Inzwischen könnte die Grenze für eine Prämienausschüttung von 1,5 Monatsausgaben - im Fall der AOK Plus 900 Millionen Euro - erreicht oder überschritten sein. Quelle: dpa
AOK Plus: Prävention statt BoniRolf Steinbronn, Vorstandschef der AOK Plus, lehnt das aber grundsätzlich ab: "Wir haben eine längerfristige Strategie und investieren in Prävention und Vorsorge. Deswegen verbrennen wir unsere Überschüsse nicht in einem kurzfristigen Strohfeuer in Form von 100-Euro-Prämien. Das halten wir für den falschen Weg." Quelle: AP

Auch soll es in der Zukunft einfacher werden, in eine private Krankenversicherung aufgenommen zu werden. So will der Marktführer Debeka künftig jeden Arbeitnehmer ungeachtet seines Gesundheitszustands aufnehmen. Voraussetzung: Der Antrag soll innerhalb von sechs Monaten gestellt werden, nachdem die Versicherungspflichtgrenze überschritten wird. Die Versicherung erstreckt sich auch auf die Familienangehörigen. Dabei soll der Risikozuschlag für diese Kunden auf höchstens 30 Prozent begrenzt werden. Leistungsausschlüsse soll es nicht geben.

Die neuen Tarife unterscheiden sich im Detail: So hatte der Deutsche Ring zum Beispiel knüpft die Aufstockung der Psychotherapie ab der 31. Stunde an eine Prüfung und eine neue Leistungszusage. Eine Zusage ist auch für ausgeweitete Entziehungskuren erforderlich. Hilfsmittel von über 1000 Euro würden über die Versicherten bezogen. Die Hallesche erhöht den Umfang ohne Einschränkung in allen ihren Tarifen und führt für alle Policen den offenen Hilfsmittelkatalog ein.

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Trotz ausgeweiteter Leistungen: Die neuen Unisex-Tarife treiben die Versicherungsbeiträge in die Höhe - weil die Versicherer mit einem niedrigeren garantierten Rechnungszins von 2,75 statt 3,5 Prozent rechnen müssen. Dieser Effekt wird aber begrenzt, weil es für Inhaber einer alten Police somit weniger attraktiv würde, vom alten, zum neuen Tarif zu wechseln. Die Hallesche senkt deshalb diesen Zins sogar auf 2,5 Prozent. Hanse Merkur und die Bayerische Beamtenversicherung haben signalisiert, dass sie den Rechnungszins von 3,5 Prozent beibehalten wollen.

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