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Vermögensschutz Gold - das bessere Geld

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Grafik: Wo das bisher auf der Welt geförderte Geld steckt

Im Leihgeschäft könne sie Einnahmen erzielen und somit einen Beitrag zur Deckung der Lagerkosten generieren, sagt die Bundesbank. Der Anteil des verliehenen Goldes an den gesamten ausgewiesenen Goldbeständen – zuletzt gut 3400 Tonnen mit einem Marktwert von 90 Milliarden Euro – bewege sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Nachprüfen lässt sich das nicht: Der IWF hat den Notenbanken geraten, in ihren Bilanzen Gold und Goldforderungen nicht zu trennen. Dabei unterscheiden sich Goldforderungen aus verliehenem Gold in ihrer Qualität ganz erheblich von Goldeigentum. Gold bleibt, Goldforderungen aber können Not leidend werden. Die Notenbank von Portugal etwa verlor in den Achtzigerjahren 17 Tonnen Gold, als ihre Vertragspartnerin, die US-Investmentbank Drexel Burnham, in Konkurs ging.

Steckt also hinter den Aktionen der Notenbanken mehr als nur das Management der Reserven und die Finanzierung der Lagerkosten? Man muss nicht zu den für Verschwörungstheorien anfälligen Goldfanatikern gehören, um zu erkennen, dass ein steigender Goldpreis nachlassendes Vertrauen in Papierwährungen signalisiert – und dass weder Regierungen noch Zentral- und Geschäftsbanken daran ein Interesse haben.

Systematische Eingriffe in den Goldmarkt

Verkäufe und Leihgeschäfte sollten vor allem einen Anstieg des Goldpreises verhindern – oder ihn zumindest abschwächen, sagt Dimitri Speck. Der Entwickler von Handelssystemen für institutionelle Anleger trägt in seinem gerade erschienenen Buch mit dem Titel "Geheime Goldpolitik – Warum die Zentralbanken den Goldpreis steuern" Fakten zusammen, die belegen, dass seit den Neunzigerjahren systematisch in den Goldmarkt eingegriffen wird.

Zur Praxis der Goldleihe als Instrument zur Preisbeeinflussung äußerte sich zum Beispiel der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan am 30. Juli 1998 vor einem Senatsausschuss: "Auch können private Kontraktpartner das Angebot von Gold, einer weiteren Ware, die oft im Interbankenhandel gehandelt wird, nicht beschränken, denn die Zentralbanken sind bereit, Gold in steigender Menge zu verleihen, sollte sein Preis steigen."

Fed intervenierte gegen Gold

Fünf Jahre zuvor, am 18. Mai 1993, hatte Greenspan auf einem Treffen der US-Notenbank Fed über Goldverkäufe gesprochen, die einen Goldpreisanstieg verhindern sollten. Fed-Treffen werden protokolliert, die Protokolle nach fünf Jahren veröffentlicht. Im Protokoll des besagten Treffens entdeckte Speck ein Zitat von Greenspan über ein Gespräch mit seinem Vize David Mullins, der im Jahr darauf beim späteren Pleite-Hedgefonds Long Term Capital Management anheuerte. Von diesem Gespräch berichtete Greenspan den übrigen Kollegen: „Wenn wir es hier mit Psychologie zu tun haben, dann hat das Thermometer, das man zum Messen verwendet, einen Einfluss. Ich habe die Frage am Rande des Treffens mit Gouverneur Mullins aufgeworfen, was passieren würde, wenn das Schatzamt etwas Gold in diesem Markt verkaufte.“

Wenn der Goldpreis im aktuellen Umfeld nach oben ausbrechen würde, so Greenspan weiter, „wäre das Thermometer nicht nur ein Messgerät. Es würde fundamental die zugrunde liegende Psychologie beeinflussen“. Die Fed stand damals vor dem Problem, dass in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld die Inflationsrate zu steigen drohte. Steigende Goldpreise hätten zunehmende Inflationserwartungen signalisiert und so der Fed ihre Aufgabe – Inflation in Grenzen zu halten – zusätzlich erschwert. Speck: „Die Interventionen gegen Gold wurden eingeleitet, damit das Thermometer niedrige Werte aufweist – und kein Fieber.“

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