Versicherungen EU-Forderung nach Einheitstarifen nützt niemandem

Gleiches Recht für alle, fordert die EU einmal mehr. Das unterschreibt jeder ausgeschlafene Europäer. Bei gleichen Preisen für alle lohnt ein zweiter Blick.

Ein Stidt und ein Taschenrechner liegen vor einem Ordner mit der Aufschrift


In Brüssel wird diskutiert, die Gleichbehandlungsrichtlinie auch auf weitere Versicherungsprodukte anzuwenden. Soll heißen, alle Versicherte bezahlen für dasselbe Produkt denselben Beitrag, unabhängig zum Beispiel von Alter und Geschlecht. Die Autoversicherung kalkulieren die so genannten Unisex-Tarife schon. Männer und Frauen zahlen nun gleich viel, wobei ihre fahrerischen Fähigkeiten nicht meilenweit auseinanderliegen.

Anders sieht das aus bei der Kalkulation zum Beispiel von Renten. Mathematisch einleuchtend muss ein Fünfzigjähriger mehr Geld in eine private Altersvorsorge einzahlen, wenn er nach 17 Jahren beim Renteneintritt mit derzeit geplanten 67 Jahren 1000 Euro monatlich extra haben möchte, als ein Dreißigjähriger, der schon als Jungspund beginnt anzusparen.

Über diese Versicherungen informieren sich die Deutschen im Netz

Die Versicherungswirtschaft nennt das sachgerechte Differenzierung und die ist bislang auch von Brüssel erlaubt. In der Gleichbehandlungsrichtlinie heißt es: „Für Versicherungs- und Bankdienstleistungen ist zusätzlich eine besondere Bestimmung vorgesehen, da anzuerkennen ist, dass Alter und Behinderung bei bestimmten Produkten wesentliche Elemente der Risikobewertung und damit des Preises darstellen können. Wird Versicherern völlig untersagt, die Faktoren Alter und Behinderung zu berücksichtigen, müssten die zusätzlichen Kosten vollständig vom übrigen ’Pool’ der Versicherten getragen werden, was höhere Gesamtkosten und geringere Deckung der Verbraucher zur Folge hätte.“

Wohl wahr. Zumal sich die Versicherungswirtschaft bislang nicht durch den Hang zu Prämiensenkungen oder höheren Ausschüttungen ausgezeichnet hat, wenn sie die Gelegenheit gehabt hätte.

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Wem also nützte der Einheitstarif? Den Alten vermutlich, den Jüngeren sicherlich nicht. Sie müssten höhere Prämien überweisen. Und es dürfte ihnen nur ein schwacher Trost sein, dass sie dereinst mit grauen Haaren und Jahrzehnte später die Begünstigten der Neuregelung sein könnten.

Immer vorausgesetzt die EU-Vorschriften drehen sich bis dahin nicht noch drei Mal. Und die Versicherer stecken nach der nächsten Finanz- und Anlagekrise nicht wieder in neuen Finanznöten und fordern von allen Kunden höhere Beiträge.

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