Versicherungen Unisex kommt - wie Sie jetzt handeln sollten

Vom 21. Dezember an gibt es nur noch Unisex-Tarife. Worauf sollten Versicherte achten und was sollten sie jetzt schon tun? Die Wirtschaftswoche gibt Antworten auf die dringendsten Fragen.

Die 10 größten Versicherer Europas
AllianzDie Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager. Quelle: Handelsblatt Quelle: dapd
AxaDer größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten. Quelle: Reuters
GeneraliDer Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn. Quelle: dpa/dpaweb
AvivaDie britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern. Quelle: Reuters
Zurich FinancialLängst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich. Quelle: Reuters
Munich REDer weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro. Quelle: dpa
CNP AssurancesDer Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus. Quelle: Screenshot
Credit AgricoleDie französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufen sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro. Quelle: dpa
INGDie Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel. Quelle: AP
PrudentialDer britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus. Quelle: AP

Versicherungsvertreter lieben Stichtage. Kaum ein Verkaufsargument zieht so gut. Das diesjährige lautet: Nur noch bis 20. Dezember dürfen Versicherer Frauen und Männern für Neuverträge unterschiedliche Tarife anbieten, wie der Europäische Gerichtshof 2011 entschieden hatte (C-236/09). Danach darf der kleine Unterschied keiner mehr sein: Männer und Frauen zahlen künftig gleich viel. Die Auswirkungen sind drastisch: In einzelnen geschlechtsunabhängigen Tarifen (Unisex) werden Neukunden des bislang begünstigten Geschlechts 30 Prozent mehr zahlen. In anderen Fällen sparen die bislang benachteiligten Männer oder Frauen 20 Prozent, wenn sie erst nach dem 20. Dezember abschließen.

Wann sich Abschlüsse am besten rechnen

Bestandskunden müssen aufpassen

Bestandskunden sind eigentlich nicht betroffen, sie zahlen weiterhin ihre alten Tarife. Nur bei wesentlichen Änderungen von Vertrag oder Beitrag müssen die Bestandskunden aufpassen: So kann zum Beispiel eine bei einer Lebens- oder Rentenversicherung vereinbarte automatische Beitragssteigerung dazu führen, dass spätere Leistungen aus diesen erhöhten Beiträgen dann nach den neuen Unisex-Regeln erfolgen. Konkret wäre das bei der Altersvorsorge für Männer nachteilig. Sie sollten bei solchen Verträgen gezielt nachfragen und sich beraten lassen.

Bislang haben die Versicherer das Geschlecht bei der Tarifberechnung genutzt, da die Risiken von Männern und Frauen oft unterschiedlich sind. So verursachen Frauen weniger Unfälle; vor allem in jungen Jahren mussten sie daher bislang deutlich weniger als Männer für ihre Kfz-Versicherung zahlen. Für eine private Rentenversicherung zahlten die Frauen hingegen mehr, da sie dank längerer Lebenserwartung im Durchschnitt auch ihre spätere Rente länger als die Männer kassieren werden. Im Dezember wird damit Schluss sein.

Versicherer nehmen Zuschläge

Dabei sind die neuen Tarife aber nicht einfach der Mittelwert aus den alten Männer- und den alten Frauen-Tarifen. Die Versicherer arbeiten mit Sicherheitszuschlägen. So wollen sie ausgleichen, dass die Policen nun für das Geschlecht mit den größeren Risiken, also etwa Männer in der Kfz-Versicherung, attraktiver werden. In der Regel werden die Beiträge für das bislang benachteiligte Geschlecht deshalb weniger stark sinken, als die Beiträge für das bislang begünstigte Geschlecht steigen. Das hatte sich schon bei Riester-Rentenversicherungen gezeigt, die seit 2006 nur noch als Unisex-Tarife angeboten werden dürfen. Verbraucherschützer unterstellen den Versicherern auch, dass sie die Umstellung nutzen, um ihre eigene Gewinnmarge zu steigern.

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