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Vier Millionen Verträge betroffen Generali stößt Lebensversicherungen ab - das müssen Kunden wissen

Was bedeutet der Generali-Deal für die Kunden? Quelle: imago

Generali verkauft vier Millionen Lebensversicherungen an einen Abwickler. Das sind die wichtigsten Vor- und Nachteile aus Kundensicht.

Fast zwei Jahre lang hat der Versicherer Generali Deutschland darüber nachgedacht, ob er seine vier Millionen Lebensversicherungsverträge verkauft oder doch lieber intern abwickelt. Das Neugeschäft ruhte bereits seit Jahresanfang, Neukunden konnten also keine klassischen Lebensversicherungen mit Garantiezins mehr abschließen. Nun ist die Entscheidung gefallen. Der Abwickler Viridium, hinter dem Finanzinvestor Cinven und die Hannover Rück stehen, wird die Verträge kaufen, sofern die Finanzaufsicht BaFin wie erwartet mitspielt.

Das Echo fällt gespalten aus. Selbst Verbraucherschützer sind sich nicht einig, ob der Verkauf für Kunden eine gute, eine schlechte oder einfach eine neutrale Nachricht ist. Das liegt daran, dass ein solcher Verkauf verschiedene Vor- und Nachteile für Kunden mit sich bringt. Welche am Ende überwiegen, hängt davon ab, wie die weitere Entwicklung der Lebensversicherungs-Branche gesehen wird. Je kritischer die Lage gesehen wird, desto eher überwiegen die Vorteile für Kunden. Wir analysieren die wichtigsten Vor- und Nachteile im Überblick. 

Vorteil: Konzentration aufs Wesentliche 

Die Abwickler wollen möglichst viele Lebensversicherungsverträge im Bestand managen. Je mehr, desto effizienter - so die Hoffnung. Da sie kein Neugeschäft haben, fällt der aufwendige Vertrieb weg. Sie können alle Anlage- und Geschäftsentscheidungen danach ausrichten, wie sie besonders effizient die weiterhin bestehenden vertraglichen Ansprüche der Kunden erfüllen und die Kosten gering halten. Vor allem Letzteres nützt den Abwicklern: Lebensversicherer müssen zusätzliche Kapitalerträge nämlich zu 90 Prozent an ihre Kunden ausschütten. An Überschüssen, die entstehen, weil Kosten geringer als erwartet sind, müssen sie die Kunden nur zur Hälfte beteiligen. Kostensenkungen sind für sie also eine gute Einnahmequelle. 

Vorteil: Niedrigere Kosten 

Genau das ist wesentlich: Die andere Hälfte von Kostensenkungen dürfen die Investoren behalten. Das klingt aus Kundensicht vielleicht nicht so toll, kann im Ergebnis aber hilfreich sind. Denn im aktuellen Niedrigzinsumfeld müssen Lebensversicherer das Geld ihrer Kunden ohnehin sicher anlegen, um irgendwie noch deren vertraglichen Ansprüche von bis zu vier Prozent Zins auf den Sparanteil (also auf die um Kosten geminderten Beiträge) erfüllen zu können. Der Spielraum bei der Kapitalanlage ist daher begrenzt, zusätzliche Kapitalerträge sind kaum drin. Der Spielraum für Kostensenkungen hingegen ist deutlich größer. Damit haben die Abwickler einen großen Anreiz, da etwas zu bewegen, wo sich auch etwas bewegen lässt: bei den Kosten. Und davon dürften letztlich auch die Kunden profitieren. 

Nachteil: Mieser Kundenservice 

Effizientes Vertragsmanagement bedeutet in der Regel, dass viele Prozesse automatisiert werden. Es gibt weniger direkte Ansprechpartner für Kunden. Die haben daher Sorge, dass der Kundenservice durch den Vertragsverkauf leiden könnte und sie zum Beispiel bei Anpassungen ihrer Verträge Schwierigkeiten haben. Tatsächlich ist das ein reales Risiko. So zeigte die jüngste Beschwerdestatistik  der Finanzaufsicht BaFin für das Jahr 2017, dass Run-Off-Gesellschaften - als solche werden die von Abwicklern gemanagten Vertragsbestände bezeichnet - besonders viele Kunden mit Beschwerden hatten. Im Mittel aller Lebensversicherer kam auf etwa 63.000 Verträge eine Beschwerde. Bei Skandia Leben, deren Bestand bereits von der Viridium-Gruppe gemanagt wird, gab es hingegen pro knapp 3900 Verträge eine Beschwerde. Auch Heidelberger Leben und Athene zählten zu den Anbietern mit den höchsten Beschwerdequoten, auch hier sind Abwickler am Ruder. 

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