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Von wegen Enteignung Reich, reicher, Pensionäre

Immer mehr Studien belegen die Enteignung der Sparer. Grund sind niedrige Zinsen und wachsende Inflationsraten. Nur eine Bevölkerungsgruppe ist davon befreit: die Pensionäre.

Nicht alle deutschen Sparer werden enteignet - Pensionären geht es besonders gut. Quelle: dpa

In ihrer aktiven Zeit fordern Beamte regelmäßig mehr Geld. Zuletzt erklärte der Deutsche Beamtenbund (DBB), für seine Schützlinge in Nordrhein-Westfalen für 2013 und 2014 ein Gehaltsplus von 5,6 Prozent von der Landesregierung fordern zu wollen. Der Landeshaushalt dürfe nicht auf Kosten der Beamten saniert werden.

Bei allem Pessimismus über die Gegenwart wird dabei oft die rosige Zukunft vergessen. Wie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, sind gerade die Pensionäre die vermögendsten Deutschen. Laut der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, welche die Statistiker unter fast 55.000 Haushalten durchgeführt haben, verfügte die Gruppe der Pensionäre 2013 im Schnitt über ein Nettovermögen von 298.700 Euro. Damit liegen sie deutlich über den Rentnern mit einem Durchschnittsvermögen von nur 127.000 Euro. Alle Haushalte insgesamt kommen sogar lediglich auf ein Nettovermögen von durchschnittlich 123.500 Euro. Insbesondere die Gruppe der Arbeitslosen liegt mit 18.200 weit unter dem Durchschnitt.

Das gute Abschneiden der Pensionäre hat mehrere Ursachen. Zum einen besitzen die Ruheständler überdurchschnittlich oft Immobilien in den gefragten Lagen, deren Wert aufgrund der steigenden Preise in den letzten Jahren angewachsen ist. Der Verkehrswert der Pensionärs-Immobilien liegt laut der Untersuchung weit über dem der anderen Berufsgruppen.

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Zum anderen haben Pensionäre kräftig von den boomenden Börsen der letzten Jahre profitiert. Im Gegensatz zu Angestellten, Arbeitern oder Beamten haben Pensionäre überdurchschnittlich viel Geld in Wertpapiere investiert, nämlich im Schnitt 35.100 Euro. Über alle Haushalte betrachtet sind es dagegen nur 12.200 Euro. Ein Großteil der Wertpapierinvestments der Staatsdiener a.D. steckt in Aktie und Investmentfonds. Gerade Pensionäre dürften also enorm von der Börsenhausse der letzten Jahre profitiert haben. Allein der deutsche Leitindex Dax hat im vergangenen Jahr um rund 25 Prozent zugelegt und ist von einem Rekord zum nächsten geklettert. Viele haben davon nicht profitiert, weil Aktien als Geldanlage von vielen weiterhin als äußerst riskant eingestuft werden.

So zeigt die Einkommens- und Verbrauchsumfrage, dass bei Beamten und Angestellten Lebensversicherungen einen deutlich höheren Stellenwert haben als Wertpapiere. Insbesondere Selbständige sichern sich mit den Lebenspolicen ab. Sie halten im Schnitt rund 47.600 Euro an Bruttovermögen in Form von Lebensversicherungen. Bei den Pensionären sind es dagegen nur 22.700 Euro. Durch die Niedrigzinsphase haben Lebensversicherungen in Sachen Vorsorge einiges an Attraktivität eingebüßt, sie rentieren deutlich niedriger als vor der Krise. Außerdem gelten sie aufgrund der hohen Gebühren und Provisionen für die Vermittler als teuer.

Die Niedrigzinsphase ist auch der Grund, warum regelmäßig von der Enteignung der Sparer die Rede ist. Viele Finanzinstitute trommeln regelmäßig gegen die Tagesgeld- und Sparkontenliebe der Deutschen, um an deren Erspartes zu kommen. Zuletzt erklärte die Allianz erneut in einer Studie, dass die Niedrigzinsen die Deutschen im Jahr rund 67,60 Euro kosten. Dabei verglichen die Allianz-Ökonomen die Zinsen auf der Einlagenseite mit den Gewinnen durch niedrige Kreditzinsen. Und dabei ist der Wertverlust durch Inflation noch gar nicht berücksichtigt. So wird die Enteignung messbar.

Das Brisante: ausgerechnet die vermögenden Pensionäre konnten in den letzten fünf Jahren ihr Vermögen deutlich steigern - stärker als die Inflation. Ihr Vermögen ist zwischen 2008 und 2013 um über 21 Prozent angestiegen. Das ist deutlich mehr, als der Inflationsanstieg in diesem Zeitraum. Die Preise haben in dieser Zeit um mehr als sieben Prozent zugelegt. Von Enteignung kann bei den Pensionären daher keine Rede sein.

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Ganz anders bei den anderen Bevölkerungsgruppen. Wie die "Welt" berechnet hat, kommen selbst Angestellte lediglich auf ein mageres Vermögensplus von 3,8 Prozent und bleiben damit deutlich hinter dem Inflationsanstieg zurück. Noch schlechter sieht es bei Arbeitern und Beamten aus. Letztere haben sogar 0,1 Prozent ihres Vermögens eingebüßt. Am schlimmsten trifft es die Gruppe der Arbeitslosen. Ihr Vermögen ist im Vergleich zu 2008 um fast die Hälfte geschrumpft.

Beamte mögen im Berufsleben zwar nicht immer die höchsten Gehaltssteigerungen zu verzeichnen haben. Im Ruhestand dürfen sie sich allerdings auf ein schönes Leben freuen. Während die meisten Angestellten die gesetzliche Rente deutlich aufstocken müssen und schon früh darüber nachdenken müssen, wie sie privat vorsorgen können, um ihren Lebensstandard einigermaßen halten zu können, liegt die Pension weiterhin bei über 70 Prozent der jeweils aktuellen Bezüge. Das gilt, wenn 40 Jahre voll gearbeitet wurde. Klagelieder dürfen die Pensionäre folglich nicht anstimmen.

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