WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Vorsorge Die günstigsten privaten Krankenversicherungen im Tarifcheck

Seite 3/5

Ein Arzt läuft über Quelle: AP

Einen weiteren Knackpunkt sieht Brauch in der Erstattung von Arzthonoraren. In der Regel erstatten die privaten Krankenversicherungen bis zum 2,3-Fachen des Satzes der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Einige Tarife decken darüber hinaus noch besonders schwierige und aufwendige medizinische Leistungen ab, die bis zum 3,5-Fachen des GOÄ-Satzes kosten. Wer sich für einen Tarif mit einem niedrigeren Erstattungssatz entscheidet, sollte vor dem Eingriff klären, dass der Arzt nicht mehr abrechnen darf. Sollte der sich weigern, muss sich der Patient unter Umständen mit einer kostengünstigeren Lösung zufriedengeben oder den Arzt wechseln. Zum Vergleich: Gesetzliche Kassen erstatten umgerechnet lediglich etwa den einfachen Satz der GOÄ.

In das PKV-Rating der WirtschaftsWoche gehen nur Tarife ein, die folgende Mindeststandards erfüllen: Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus, Erstattung von mindestens 50 Prozent der Kosten für Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie. Der Selbstbehalt wird auf bis zu 5000 Euro pro Jahr begrenzt.

Da Männer und Frauen, alte und junge Versicherte unterschiedlich hohe Prämien zahlen müssen, hat Softfair alle PKV-Tarife für vier verschiedene Musterversicherte durchgerechnet: jeweils ein 30- und 50-jähriger Mann sowie eine 30- und 50-jährige Frau. Alle sind Angestellte, ausgewiesen sind immer nur die Beiträge, die der Versicherte selbst zahlen muss, also ohne Arbeitgeber-Anteil.

Wie gut ein Tarif wirklich ist, zeigt erst sein Preis-Leistungs-Verhältnis. Beraterin Baumeister rät, vor der Suche nach einem besonders günstigen Tarif zunächst den gewünschten Leistungskatalog festzulegen. Dazu gehören etwa der Erstattungssatz für Arzthonorare und das Leistungsniveau beim Zahnschutz.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Tarife im Check

    So bewertet Softfair beispielsweise die Tarifkombinationen von Axa (KG2 (EL)-N, EL-N) und HanseMerkur (PS2, VKE, PS3, ASZG) für 30-Jährige mit einem ähnlich guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Auf den ersten Blick ist die Tarifkombination der Axa deutlich günstiger: Eine 30-jährige Frau etwa zahlt monatlich nur 163 Euro, bei HanseMerkur wären es 244 Euro. Dank großzügiger Leistungen ist der Aufschlag allerdings berechtigt: So bekäme die Versicherte mit dem HanseMerkur-Tarif Psychotherapien bezahlt, bei Axa dagegen nicht. Zudem soll die Privatpatientin im Axa-Tarif bei Krankheit zuerst ihren Hausarzt zu Rate ziehen. Geht sie direkt zu einem Facharzt, muss sie 20 Prozent der Kosten selbst tragen. Auch diese Einschränkung fehlt bei HanseMerkur.

    Deutlich umfangreicher sind die HanseMerkur-Leistungen auch beim Zahnschutz. So würde HanseMerkur 80 Prozent der Kosten übernehmen, wenn die Versicherte eine Zahnkrone braucht, Axa nur 60 Prozent. In den ersten vier Versicherungsjahren deckelt Axa zudem die übernommenen Zahnarztkosten. HanseMerkur zieht zwar bis zum vierten Versicherungsjahr ebenfalls Obergrenzen ein, zahlt aber deutlich mehr. Zudem gilt das Limit, anders als bei Axa, nicht für normale Zahnarztbehandlungen.

    Wichtiges Kriterium ist auch die langfristige Stabilität der Beiträge. Die WirtschaftsWoche hat daher für den Tarifvergleich nur Tarife ausgewählt, die in der heutigen Form oder in einer ähnlichen Vorgängerversion mindestens zehn Jahre auf dem Markt sind. Unter den besten 25 Tarifen für 30-jährige Frauen liegt die Spanne für Beitragserhöhungen in den vergangenen zehn Jahren immerhin zwischen 1,1 (Deutscher Ring, Victoria) und 6,1 Prozent (Universa).

    Wer sich für eine private Krankenversicherung entscheidet, sollte sein Budget für den Beitrag nicht auf Kante nähen. Derzeit spricht vieles dafür, dass die Prämien in Zukunft eher stärker als schwächer steigen werden. Laut Iges Institut sind die Altersrückstellungen der PKV zu niedrig, Versicherungen werden die Prämien vor allem für ältere Versicherte kräftig erhöhen.

    Versicherte könnten kaum nachweisen, dass eine Prämienerhöhung überzogen ist, sagt der Frankfurter Versicherungsmathematiker Peter Schramm: „Die Versicherungen sind nicht verpflichtet, ihre Kalkulationen gegenüber dem Kunden offenzulegen.“ PKV-Kunden müssten schon einen Sachverständigen und einen Anwalt einschalten, um zu ihrem Recht zu kommen.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%