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Vorsorge Die günstigsten privaten Krankenversicherungen im Tarifcheck

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Eine Hand hält Quelle: dpa

Der Gesetzgeber gewährt Versicherern viel Spielraum: „Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2004 müssen die Versicherungen lediglich nachweisen, dass ihre Ausgaben für medizinische Leistungen in dem betreffenden Tarif über mehrere Jahre hinweg überdurchschnittlich gestiegen sind“, sagt Norman Wirth, Anwalt für Versicherungsrecht in Berlin.

„Dass die Beiträge im Alter stark ansteigen, davon ist im Beratungsgespräch aber kaum die Rede“, sagt ThyssenKrupp-Pensionär Kuntz. Stattdessen habe ihn die DKV in jungen Jahren mit niedriger Prämie gelockt. Der Schritt in die PKV ist in der Regel zwar endgültig, bedeutet aber nicht, dass der Versicherte sich ewig an einen Tarif kettet. Wem beispielsweise die Prämie zu hoch ist, der kann auch in einen anderen Tarif wechseln.

Laut Gesetz müssen die Versicherungen jedem Neukunden sowie allen Bestandskunden über 55 Jahre einen Wechsel in den Basistarif ermöglichen, der lediglich das Niveau der gesetzlichen Kassen absichert. Nur etwa 10 000 Versicherte haben diesen Weg im vergangenen Jahr gewählt – meist weil sie die bisherige Prämie nicht mehr finanzieren konnten. Der Monatsbeitrag im Basistarif ist derzeit bei 581,25 Euro gedeckelt, dem Höchstbeitrag in der GKV.

Versicherte, die 65 Jahre und älter sind und zuvor zehn Jahre in der PKV waren, können auch in den meist noch günstigeren Standardtarif wechseln, eine leistungsschwächere und damit günstigere Alternative zum Basistarif. Manfred Schmeltz, 72, musste 2003 bei Eintritt in den Ruhestand auf den Standardtarif umsatteln. Als selbstständiger Elektromeister in Berlin zahlte er noch 452 Euro monatlich für den voll ausgestatteten PKV-Tarif der Allianz (ehemals Vereinte). Im Standardtarif konnte er die Prämie zunächst auf 234 Euro drücken. Inzwischen sind es nach mehreren Beitragserhöhungen schon wieder 343 Euro.

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    Neuer Tarif beim alten Anbieter

    Versicherer machen einen unerwünschten Tarifwechsel so schwer wie möglich. „Private Krankenversicherungen haben kein Interesse daran, dass Versicherte den Tarif wechseln“, sagt Gutachter Schramm. Ihnen sei daran gelegen, ältere und krankheitsanfälligere Versicherte von neuen Tarifen fernzuhalten. Wenn zu viele kranke Senioren in die neuen Tarife drängten, müssten die Versicherungen die Prämien für Neukunden erhöhen – ein Wettbewerbsnachteil im Kampf um junge Versicherte.

    Besonders kreativ beim Abschrecken wechselwilliger, älterer Versicherter zeigt sich die Allianz Versicherung. Sie kassiert einen Tarifstrukturzuschlag, wenn der Versicherte auf die 2007 eingeführten neuen Tarife umsattelt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verbot der Allianz, den Zuschlag bei Versicherten zu erheben, die keine Vorerkrankungen haben. Die Allianz klagte und gewann in erster Instanz. Am vergangenen Mittwoch aber urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig: „Die Erhebung eines pauschalen Risikozuschlags aus Anlass des Tarifwechsels ist unzulässig.“ 

    Sträubt sich die Versicherung gegen einen Tarifwechsel, bleibt den PKV-Kunden noch die Option, zu einem anderen Anbieter zu gehen. Bis Ende 2008 lohnte sich der Wechsel von einer PKV zur anderen nicht, weil die Versicherten ihre Altersrückstellungen komplett einbüßten. Seit Januar 2009 können zumindest Neukunden beim Wechsel ihrer privaten Krankenversicherung einen Teil ihrer Altersrückstellungen mitnehmen. Den nicht übertragbaren Teil ihrer Rückstellungen können Wechsler aber retten, indem sie Zusatz-Policen beim alten Versicherer abschließen.

    Alle bereits vor 2009 privat Krankenversicherten konnten nur von Januar bis Juni 2009 beim Anbieterwechsel einen Teil ihrer Altersrückstellungen mitnehmen. Wer das Zeitfenster verpasst hat, kann nur noch ohne Rückstellungen wechseln. Das aber lohnt sich nicht, weil die Prämienaufschläge zu hoch wären. Neukunden können dagegen jederzeit auf einen Top-Tarif umsatteln.

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