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Vorsorge Erfolgreiche Geldanlage in Eigenregie

Vorsorgesparen mit Wertpapieren im selbststrukturierten Depot ist einfacher, als viele denken. Das Risiko ist dabei nicht höher, als wenn die Bank das Geld verwaltet.

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Geldanlage an der Börse Quelle: RRF - fotolia.com

Beim Thema Geldanlage winkt Ludger Borchert* resigniert ab. „Damit bin ich durch; das bisschen, was mir geblieben ist, habe ich als Tagesgeld angelegt.“ Vor zehn Jahren ging der Ingenieur in Pension, vertraute seiner Sparkasse 350.000 Euro aus dem Verkauf seiner Firma an. Borcherts einzige Vorgabe an die Bank: kein hohes Risiko. Schließlich war er nicht mehr der Jüngste, das Geld müsste im Alter notfalls für ein Pflegeheim reichen, denn als Selbstständiger hatte er nie viel in entsprechende Versicherungen eingezahlt.

Zehn Jahre später ist er zum Glück kein Pflegefall – aber die Hälfte seines Vermögens los. 1999 steckte die Sparkasse allein drei Viertel des Vermögens in drei Aktienfonds, Deka Telemedien, Deka Internet, Deka Technologie. Als Borchert nach zwei Jahren lautstark einen Verlust von 70 Prozent beklagte, schichtete der Filialleiter hektisch um, verkaufte die Aktienfonds nahe dem Tiefpunkt und nahm dafür Geldmarktfonds ins Depot. So stellte er unfreiwillig sicher, dass sich Borcherts Depot trotz der Rally von 2003 bis 2008 nicht erholen konnte.

Geldanlage selbst in die Hand nehmen

Ein schwacher Trost, dass Borchert nicht der einzige Anleger ist, dessen Geld von Profis schlecht angelegt wurde. Als Michael Heliassos, Professor an der Universität Frankfurt, 33.000 Privatdepots untersuchte, kam heraus: Anleger, die auf eigene Faust agierten, schnitten im Schnitt nicht nur besser ab als jene, die von einer Bank betreut wurden; sie hatten auch ein geringeres Verlustrisiko.

Grund genug, die Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen. Man muss dazu weder Finanzprofessor sein noch ein Naturtalent der Spekulation. Wer sein Depot vernünftig zwischen Risiken und Renditechancen austariert und nicht hektisch von einem Extrem ins andere verfällt, kann jährlich fünf bis zehn Prozent Rendite schaffen – ohne Gefahr eines schweren Substanzverlusts am Vermögen.

Risiken streuen

Die grundsätzliche Verteilung des Vermögens auf die fünf Anlageklassen Aktien, Gold, Bargeld, Zinspapiere und Rohstoffe ist langfristig für die Wertentwicklung entscheidend, nicht die oft überschätzte Auswahl der Einzeltitel. 90 Prozent des Renditeunterschieds zwischen guten und schlechten Depots gehen auf die grobe Aufteilung des Geldes auf die Anlageklassen zurück, nur zehn Prozent stammen aus der Wahl der einzelnen Titel, so Studien des Finanzwissenschaftlers Gary Brinson, der in den Achtzigerjahren 91 US-Pensionskassen untersucht hat.

Was aber ist eine vernünftige Mischung? Gern empfohlen wird ein abnehmender Aktienanteil mit steigendem Lebensalter. Das ist nicht ganz verkehrt, reicht aber als Strategie nicht aus. Selbstständige etwa brauchen einen größeren Sicherheitspuffer als Angestellte oder Beamte. Weitere Parameter: Muss eine Familie abgesichert werden oder nicht? Verfolgt der Anleger ein fix terminiertes Ziel, etwa den Kauf einer Immobilie in zehn Jahren, oder will er nur ein möglichst dickes Vermögen irgendwann vererben?

* Name geändert

Depotmischung

Auch die subjektive Risikotoleranz ist verschieden. Der eine sieht prinzipiell mehr die Chancen, der andere kann schon nicht mehr schlafen, wenn das maximale Verlustrisiko 15 Prozent beträgt. Ein Trick, um die wahre Risikobereitschaft zu erproben ist, die Wertentwicklung eines Depots mit 25, 50 und 75 Prozent Aktienanteil in Crashszenarien wie 2008 zu simulieren. „Dabei zeigt sich, dass die meisten Leute weniger risikofreudig sind, als sie zunächst angeben“, sagt Vermögensverwalter Joachim Schäfer.

Depot neutral aufteilen

Eine neutrale Depotaufteilung sollte ungefähr zu gleichen Teilen aus Liquidität (Tagesgeld), Gold und Rohstoffen, Anleihen und Aktien bestehen (siehe Grafik); Anregungen für geeignete Einzelinvestments finden Anleger in der Tabelle. Aktien bringen die Rendite. Wegen ihrer Wertschwankungen sind sie aber ein Langfristinvestment – der Anteil im Depot, der flüssig bleiben muss und auf keinen Fall verloren gehen darf, sollte nie in Aktien investiert werden. Egal, wie solide diese erscheinen. Ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis zwischen Aktie und Tagesgeld haben Unternehmensanleihen. Zwar sind deren Kurse seit dem Herbst 2008 schon stark gestiegen. Vier bis fünf Prozent Rendite lassen sich aber noch herausholen – 3,5 Prozentpunkte mehr als mit Tagesgeld. Eine Streuung auf zehn Bonds ist sinnvoll; denn im Falle einer Insolvenz des Unternehmens wäre das in seine Anleihe gesteckte Geld teilweise futsch.

Ein Viertel sollten Anleger als Tagesgeld flüssig halten, trotz der aktuellen Niedrigzinsen. Das letzte Viertel – aber auch nicht mehr – sollte in Gold und Rohstoffe investiert werden. Generell gilt: Wer sein Depot strukturiert, darf sich nicht von der aktuellen Stimmung an den Märkten leiten lassen. Denn „90 Prozent der Privatanleger bauen ihre Aktienpositionen immer nur in langen Hausse-Phasen aus“, beobachtet Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau, der 20.000 Privatdepots analysiert, „besonders gegen Ende dieser Haussen“. Das kostet viel mehr Rendite, als statt der besten nur die zweitbeste Dax-Aktie im Depot zu haben.

„Gerade beim Gold fallen viele von einem Extrem ins andere“, kritisiert sogar der erklärte Goldfan Schäfer, „sie haben erst vor wenigen Monaten alle Aktien verkauft und alles in Tagesgeld gesteckt; jetzt lösen sie diese Konten schon wieder auf und tauschen alles in Gold.“ Das genießt zwar einen glänzenden Ruf als Krisenabsicherung, weil es in der Vergangenheit oft stieg, wenn andere Anlageklassen versagten. Doch Gold ist selbst nicht vor heftigen Kursschwankungen gefeit. Vom letzten Crash 1981 haben sich viele Goldfans bis heute nicht erholt.

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