WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Vorsorge Projekt Sicherheit

Wer Risiken klug absichern und sein Kapital mehren will, braucht passende Instrumente. Wie Sie die besten Versicherungen finden, optimal sparen und ein eigenes Depot aufbauen. Machen Sie Sicherheit zu Ihrem Projekt!

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Versicherungen Quelle: MH - fotolia.com

Mit ihren Eltern versteht sich Lisa Hube (Name geändert) blendend – eigentlich. Doch als die Berliner Jura-Studentin für 70 Euro im Monat eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, setzt sie den Familienfrieden aufs Spiel. Ihre Eltern finden es „völlig unwahrscheinlich“, dass Huber berufsunfähig werden, wegen einer Krankheit ihren späteren Job nicht mehr ausüben könnte. „Die Versicherung ist rausgeschmissenes Geld“, meint ihre Mutter. Sie rät zu einer Rentenversicherung. Da seien die Beiträge wenigstens nicht verloren.

Die Studentin gibt nach. Ein Fehler: Rentenversicherungen bringen oft nur magere Renditen. Anleger, die eigenständig sparen, können mehr herausholen. Schutz gegen Berufsunfähigkeit sollte sich dagegen jeder so früh wie möglich sichern. „Viele bekommen sonst später wegen Vorerkrankungen gar keine Versicherung mehr“, sagt Versicherungsberater Karl Eberhardt aus Stuttgart.

Falsche Prioritäten bei der Absicherung

Grafik: Lücke bei Berufsunfähigkeit

Rund 55 Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich allein für Schaden- und Unfallversicherungen aus. „Oft werden bei der Absicherung von Lebensrisiken aber falsche Prioritäten gesetzt“, weiß der Hamburger Versicherungsberater Rüdiger Falken. Fehler Nummer eins: Viele sichern sich gegen anschauliche, aber tragbare Risiken ab: Fahrrad und Reisegepäck sind versichert, eher abstrakte und viel teurere Risiken wie Berufsunfähigkeit dagegen nicht.

Zweiter Kardinalfehler: Das Sparen fürs Alter wird mit der Risikovorsorge vermengt. Anleger schließen Lebens- oder Rentenversicherungen mit Zusatzkomponenten ab, sodass die eigentlich zur Kapitalbildung dienenden Policen auch bei Unfällen einspringen. „Geldanlage und Versicherungsschutz sollten aber immer voneinander getrennt werden“, rät Florian Overbeck vom Bund der Versicherten, „nur dann können die einzelnen Bestandteile flexibel und passend ausgewählt werden.“

Erst Risiko-, dann Altersvorsorge

So bekommt ein 30-Jähriger eine Risikolebensversicherung, die im Todesfall 300.000 Euro an Angehörige auszahlt, schon für 20 Euro monatlich. Will er die gleiche Todesfallleistung in Kombination mit einer kapitalbildenden Lebensversicherung, bei der er zusätzlich noch fürs Alter spart, müsste er 600 Euro zahlen. Unser großer Vorsorge-Check hilft beides – Risiko- und Altersvorsorge – geschickt aufzubauen. Zuerst sollte jeder die großen Lebensrisiken absichern. Danach können Sparer sich Gedanken um ihre Altersvorsorge machen und in Eigenregie ein Depot aus Aktien, Anleihen und Gold aufbauen.

Tabelle: Gesamtsieger

Die Auswahl von Versicherern und Policen erleichtert eine Analyse des Deutschen Instituts für Service-Qualität. Es hat die 15 größten deutschen Filialversicherer und neun Direktversicherer, die ohne Filialnetz per Internet und Telefon beraten, untersucht. Testkunden verschickten dazu Hunderte E-Mails, führten 240 Telefonate und ließen sich in 75 Gesprächen in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt zu den wichtigsten Risikopolicen beraten.

Im Anschluss daran wertete das Analyseunternehmen Franke und Bornberg für die WirtschaftsWoche die Konditionen aus. Das Ergebnis beider Testläufe zeigt, wo es die besten Policen für die Risikovorsorge (Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits-, Unfall- und Risikolebensversicherung) gibt und welche Versicherer neben passendem Schutz zu günstigen Preisen auch noch guten Service bieten.

Filialassekuranz schwächelt bei Beratung

Tabelle: Haftpflicht-Angebote

Den Sieg unter den Direktversicherern holte die Europa Versicherung, bei den Filialversicherern gewann Zurich. Europa punktete sowohl mit Policen als auch mit der Kundenbetreuung. Unter den Direktversicherern bot nur CosmosDirekt besseren Service. Filialsiegerin Zurich überzeugte beim Service nicht, hier schnitt die Gothaer noch am besten ab.

Insgesamt schwächelte die Filialassekuranz bei der Beratung. 60 Prozent der Kundenbetreuer erkundigten sich nicht nach den Versicherungen, die der Kunde bereits abgeschlossen hatte. Oft hatten die Berater es vor allem auf den Verkauf von Rentenversicherungen abgesehen – die bringen ihnen die höchsten Provisionen. So erkundigte sich ein Testkunde bei der Axa nach einer Risikolebensversicherung. Den Berater interessierte das kaum. Er errechnete ohne viele Fragen einen Beitrag und bot im gleichen Atemzug eine Rentenversicherung an. „Damit sorgen Sie für die Zukunft viel besser vor“, behauptete er – blanker Unsinn.

Durchschnittsnote drei plus

Die Direktversicherer taten sich mit der Beantwortung von E-Mail-Anfragen schwer. Im Durchschnitt antworteten sie erst nach 35 Stunden, jede zweite Mail enthielt Rechtschreibfehler, was zumindest auf mangelnde Sorgfalt hindeutet. Alles in allem hat die Assekuranz bei Service und Leistung noch Luft nach oben: Mit 80 von 100 Punkten erzielte der beste Direktversicherer Europa gerade noch ein sehr gutes Ergebnis, der beste Filialversicherer Zurich musste sich mit 69 Punkten, sprich mit Schulnote 3+, begnügen. Die Gesamtsieger waren auch nicht in allen Kategorien top. Oft schnitten bei einzelnen Produkttests andere Versicherer besser ab. Kunden sollten also nicht alle Policen bei einem Anbieter abschließen.

Unentbehrliche Haftpflicht

Die Haftpflichtversicherung bietet Schutz, wenn Versicherte Schäden anrichten und diese ersetzen müssen. Außerdem helfen die Anbieter, wenn zu Unrecht Ansprüche gegen den Versicherten gestellt werden. „Spätestens mit Abschluss der ersten Ausbildung braucht jeder eine eigene Police“, sagt Overbeck vom Bund der Versicherten.

Wer beispielsweise Brandschäden verursacht, muss schon mal 300.000 Euro an Schadensersatz zahlen, wer als Radfahrer einen Passanten über den Haufen fährt, muss nicht nur Behandlungskosten, sondern auch einen möglichen Lohnausfall tragen. In schlimmen Fällen droht Schadensersatz in Millionenhöhe.

Tabelle: Berufsunfähigkeitsversicherung

Versicherte erhalten über eine Haftpflichtpolice Schutz für wenig Geld. Im Test boten die Direktversicherer Huk24, Asstel und CosmosDirekt die besten Policen für unseren Musterfall. Einen Basis-Schutz, der wenigstens drei Millionen Euro pro Fall abdeckt, bekommen Versicherte bei ihnen schon für 50 Euro im Jahr. Bei den teuersten Anbietern, Nürnberger und Allianz, müssten sie dafür rund 130 Euro bezahlen. Eine Selbstbeteiligung gibt es bei diesen Policen nicht. Im Einzelfall kann die sinnvoll sein, um den Beitrag weiter zu drücken.

Zweite Priorität: Berufsunfähigkeitsversicherung

Tabelle: Unfallversicherung

Wer mehr Schutz will, bekommt eine Top-Police bei den drei besten Anbietern für etwa 80 Euro. Dann springt der Versicherer auch ein, wenn der Versicherte selbst Opfer eines Schadens wird, der Verursacher dafür aber nicht aufkommen kann – etwa, weil er selbst keine Haftpflichtpolice hat. „Es ist sinnvoll, diese Forderungsausfallschäden abzudecken, da etwa ein Viertel der Deutschen keine Haftpflichtversicherung hat“, sagt Versicherungsmakler Stefan Koziol aus Jena.

Schäden an geliehenen Gegenständen übernehmen die Haftpflichtversicherer selbst bei den Top-Tarifen meist nicht. Als eine Testkundin sich danach erkundigte, rief ein Telefonberater der Versicherungskammer Bayern sie lachend zum Betrug auf: „Ich sag immer, das ist eine Sache, wie man das Schadensformular ausfüllt.“

Nach der Haftpflicht ist die Berufsunfähigkeitsversicherung am zweitwichtigsten. Wer nach 1961 geboren wurde, bekommt bei Berufsunfähigkeit nur in besonders schweren Fällen Geld vom Staat. Wer älter ist, darf im Fall der Fälle zwar eher auf eine staatliche Rente hoffen – meist aber auch nur auf ein paar Hundert Euro pro Monat. Umso wichtiger ist es, privat vorzusorgen, zumal der erzwungene Job-Ausstieg keine Seltenheit ist: Nach Zahlen des Bundes der Versicherten muss jeder dritte Arbeiter und jeder fünfte Angestellte seinen Beruf wegen Krankheit oder Verletzungen vorzeitig aufgeben.

Rentenhöhe am Bedarf orientiert

Die Berufsunfähigkeits- versicherung springt dann ein und zahlt dem Versicherten eine Rente. Die Rentenhöhe sollte sich am Bedarf orientieren. Vorsicht: Neben den laufenden Ausgaben für den Alltag sollten Interessenten auch ihre Altersvorsorge-Beiträge berücksichtigen. „Weniger als 1000 Euro Rente pro Monat sollte keiner versichern“, sagt Berater Falken.

Beim Abschluss müssen Versicherte einen Fragenkatalog zu Gesundheit und Vorerkrankungen beantworten. Auf keinen Fall sollten sie etwas verschweigen. Selbst scheinbar unbedeutende Krankheiten müssen angegeben werden. „Nirgendwo sonst verweigern Versicherer so oft die Leistung, weil Antragsfragen falsch beantwortet worden sind“, sagt Makler Koziol. Innerhalb von zehn Jahren kann der Anbieter vom Vertrag zurücktreten – wenn bewusst falsch geantwortet wurde.

Tabelle: Risikolebensversicherung

Wer Vorerkrankungen hat, bekommt oft nur eine Police, die diese als Grund für eine Berufsunfähigkeit ausschließt. Je früher ein Versicherter die Police abschließt, umso eher kann er das vermeiden. Länger Versicherte zahlen meist auch niedrigere Beiträge als Neueinsteiger und müssen bis zum Rentenalter, trotz längerer Vertragslaufzeit, unter dem Strich weniger für ihre Police aufbringen.

Im Test hatten Ontos, Hannoversche Leben und AachenMünchener die besten Angebote für den Musterkunden, einen kaufmännischen Angestellten, der sich eine Rente von 1000 Euro sichern möchte. Er zahlt niedrige Beiträge und bekommt gute Konditionen. Franke und Bornberg gibt der AachenMünchener die Bestnote. Wer sich schon früh Berufsunfähigkeitsschutz sichert, muss auf die Versicherungsdauer achten. Ontos bietet maximal 35 Jahre; für Kunden unter 30 zu kurz. Sie sind bei Hannoversche Leben oder AachenMünchener besser aufgehoben.

Unfallversicherungen sind deutlich günstiger als Berufsunfähigkeitspolicen, sodass Kunden im Zweifel oft Erstere abschließen. Doch Unfälle sind nur selten Ursache von Berufsunfähigkeit. Über 90 Prozent der Betroffenen müssen ihren Job krankheitsbedingt aufgeben. Die Unfallpolice ist also kein vollwertiger Ersatz. Zumal sie meist nur eine Einmalzahlung und keine Rente vorsieht. Die Höhe der Zahlung orientiert sich am Ausmaß der Verletzung. Unfallopfern hilft das Geld etwa dabei, ihr Haus behindertengerecht umzubauen. Einkommensverluste lassen sich so aber meist nicht auffangen.

Wichtig für Familien

Wer trotzdem eine Unfallversicherung abschließen will, sollte die Versicherungssumme nach Alter und Einkommen wählen. Ein 30-Jähriger ohne Berufsunfähigkeitspolice sollte etwa das sechsfache, ein 40-Jähriger das fünffache und ein 50-Jähriger das vierfache Bruttojahreseinkommen absichern, rät Overbeck. Für Kinder gehört die Unfallpolice – anders als bei Erwachsenen – zum Basis-Schutz. Sie bekommen noch keine Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Unfallversicherung ist meist die einzige Chance, sie zu einem günstigen Preis etwa für eine lebenslange Behinderung nach einem Unfall abzusichern.

Versicherungsberater Falken rät in diesem Fall zu einer Versicherungssumme von rund 250.000 Euro. Sobald das Kind eine eigene Berufsunfähigkeitspolice hat, kann die Versicherung gekündigt werden. Unserem Testkunden, der eine Unfallpolice mit einer Versicherungssumme von 50.000 Euro suchte, machten Gothaer, Zurich und HDI-Gerling die besten Angebote. Für die Basis-Police müsste er bei ihnen weniger als 70 Euro im Jahr zahlen.

Ein wichtiger und kostengünstiger Schutz für Familien mit Kindern oder Paare mit einem Alleinverdiener ist die Risikolebensversicherung. Sie zahlt im Todesfall eine feste Summe an Partner oder Kinder aus. Das Kleingedruckte spielt kaum eine Rolle: Neben der Leistung zählt vor allem der Beitrag. Versicherungsberater Falken rät, eine Todesfallleistung vom vier- bis fünffachen Bruttojahreseinkommen zu wählen, wenn die Familie abgesichert werden soll. „Wichtig ist aber, auch den Nebenverdiener mit etwa 150.000 Euro abzusichern“, sagt er. Dann könne sich der Hauptverdiener eine Auszeit nehmen und das Familienleben neu regeln, wenn der Partner stirbt. Für Familien empfiehlt er als Vertragsende der Police das 22. bis 25. Lebensjahr des jüngsten Kindes.

Schutz schon ab fünf Euro

Unser Testkunde erhält eine Risikolebensversicherung über 50.000 Euro schon ab fünf Euro im Monat. Bei den teuersten Anbietern wäre der vierfache Beitrag fällig.

Mit wenigen, aber richtigen Policen erhalten Versicherte den passenden Schutz. „Jeder sollte nur das versichern, was ihm wirklich weh tun würde“, sagt Versicherungsberater Eberhardt. Alle -anderen Policen sind Luxus, keine Notwendigkeit. Wer das bei seiner Vorsorge berücksichtigt und die günstigsten Policen auswählt, spart eine Menge Geld – und kann es in die eigene Altersvorsorge stecken.

Zu oft aber wollten die Berater der Versicherungen unsere Testkunden von ihren guten Vorsätzen abbringen. Statt zum reinen Risikoschutz rieten sie zu Mischpolicen, etwa der Kombination mit einer Rentenversicherung. Wer seine Vorsorge in Eigenregie meistern will, braucht deshalb auch eine Portion Standfestigkeit. Doch die zahlt sich aus.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%