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Währungen Flucht in den Franken

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Geringer verschuldet

Denn die Schweizer erzielen regelmäßig Haushaltsüberschüsse – 2009 immerhin 2,7 Milliarden Franken. Die Gesamtverschuldung von Bund, Kantonen und Gemeinden macht nur rund 41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus; in Deutschland sind es mehr als 70, in Japan 120 Prozent. Zudem ist die Schweizer Konjunktur stabil: Die Arbeitslosigkeit liegt bei vier Prozent; für 2010 erwartet die OECD 2,3 Prozent Wachstum.

„Auf lange Sicht hat eine relative Stärke einer Volkswirtschaft noch immer zur Aufwertung der Währung geführt“, sagt Redeker. Die Schweizer Industrie könne mit dem harten Franken leben, meint Robin Brooks, Devisenstratege von Goldman Sachs: „Aber die strukturellen Zuflüsse in den Franken, die das politisch und wirtschaftlich stabile Land auch weiter anziehen wird, sollte man nicht unterschätzen.“

Bleibt die Frage nach dem „Wie?“. Größter Vorteil von Staatsanleihen in Fremdwährung ist die hohe Liquidität: Der enorme tägliche Umsatz sorgt dafür, dass man Staatsanleihen bei Bedarf schnell wieder los wird und außerdem günstige Spannen zwischen An- und Verkaufskursen gestellt bekommt.

Anleihen, Konten, Aktien

Währungskonten kommen in Mode; sie sind bequem und kosten kaum Gebühren. Für zinslose Konten gibt es nach einem Jahr ein Schmankerl: „Außerhalb der Spekulationsfrist sind eventuelle Währungsgewinne steuerfrei“, sagt Tobias Teufel von der Kanzlei Freshfields, Bruckhaus, Deringer. Bekommt man Zinsen, fallen auf diese Steuern an. Nachteil: Die Auswahl der Währungen beschränkt sich meist auf ein knappes Dutzend Länder, bei einigen Online-Banken gar auf drei – Franken, Dollar und japanischer Yen.

Unterschätzt wird meist der Währungseinfluss auf Aktien. „Viele Anleger haben über ihre Aktien enorme Währungsrisiken im Depot und schlummern sanft“, sagt Vontobel-Banker Bader. Umgekehrt bieten internationale Aktien wie Nestlé, Unilever oder Siemens einen guten Währungsschutz, weil in solchen Firmen Umsätze und Kosten in verschiedenen Währungen anfallen, spricht man von einem „natürlichen Hedge“: Die Schwankungen der Währungen gleichen sich untereinander zum Teil aus.

Wer über Konten oder kurz laufende Anleihen direkt in Währungen investiert, sollte dringend auf mehrere streuen. Profis tun das längst. Ray Dalio etwa, Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, setzt vor allem auf asiatische Währungen (siehe Seite 96). „Wir kaufen verstärkt Asien-Anleihen in lokaler Währung, der Markt ist reif für eine Währungsaufwertung“, sagt auch Matthieu Louanges, Geschäftsführer von Allianz Global Investors. Grund: Die Schwellenländer sind kaum verschuldet, die Bevölkerung ist jung, die Kosten für Rentenkassen und Gesundheitssysteme sind niedrig. Anders als in Europa und den USA dürfte die Wirtschaft in den meisten asiatischen Ländern zudem weiter kräftig wachsen. Die Analysten der Deutschen Bank rechnen sogar mit sinkender Staatsverschuldung in den Schwellenländern; von im Schnitt 46 Prozent des BIPs 2010 könne die Quote bis 2020 auf 35 Prozent sinken.

Viele asiatische Währungen sind zudem unterbewertet, weil sie über Jahre von den heimischen Zentralbanken künstlich niedrig gehalten wurden. Die Asian Development Bank geht davon aus, dass der Aufwertungsdruck auf Asiens Währungen sich „mit den anhaltenden Kapitalzuflüssen aber intensivieren wird“. Für eine Aufwertung der asiatischen Währungen spricht auch die neue Politik Chinas: Die Zentralbank kündigte an, ihre Wechselkurspolitik für den Renminbi flexibler zu handhaben. Einer Aufwertung kommt das nicht sofort gleich – erhält der Euro mehr Gewicht im neuen Währungskorb, könnte der Renminbi zum US-Dollar zunächst sogar abwerten. Langfristig kommt China aber kaum an einer Aufwertung vorbei; Teile der Wirtschaft überhitzen, die Inflationsgefahr steigt. Die Arbeiter fordern mehr Geld – ist der Export billig, zahlt das Volk für teure Importe und braucht mehr Geld.

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