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Währungen Flucht in den Franken

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Hongkong – am Tropf des Dollar

Zum Aufwerten

Tim Haaf, Fondsmanager bei Allianz Global Investors, sieht bei einer Aufwertung des Renminbi Folgen für die gesamte Region: „Wenn China den Renminbi aufwerten lässt, werden die anderen asiatischen Länder darauf folgen.“ Denn starke, anhaltende Kapitalzuflüsse heizen in vielen asiatischen Staaten die Inflation an. Eine Währungsaufwertung könnte die Kapitalzuflüsse bremsen und helfen, des Preisauftriebs Herr zu werden.

So kaufen viele Fondsmanager Anleihen aus Hongkong. Investoren hängen mit dem Hongkong-Dollar jedoch am Tropf des US-Dollar. Mittelzuflüssen tut das keinen Abbruch: Den Analysten der Commerzbank zufolge ist „in Hongkong jede Menge Liquidität vorhanden, was zwar zu steigenden Preisen für Vermögenswerte, jedoch noch nicht zu einer anziehenden Verbraucherpreisinflation führt“. Global Inside zufolge beschleunigte sich der Verbraucherpreisindex im Mai aber um 2,5 Prozent. Die Regierung setzt derzeit auf eine expansive Haushaltspolitik, unter anderem erhöht sie die Ausgaben um 8,9 Prozent. Hongkongs Exporte legten im April den sechsten Monat in Folge zu und lagen mit 31,1 Milliarden US-Dollar knapp 22 Prozent höher als im Vorjahr. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal um 8,2 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

Commerzbank-Ökonomin You-Na Park sieht „weiteres Potenzial für eine Aufwertung“ im Singapur-Dollar, malaysischen Ringgit und dem Taiwan-Dollar. Vor allem setzt sie auf den Südkoreanischen Won: Die Währung litt in den letzten Wochen unter den Spannungen mit Nordkorea, Investoren zogen Kapital ab. So fiel der Won gegenüber dem Euro seit Mitte Mai um gut sechs Prozent.

Bis Ende des Jahres sieht Park den Won aber stärker, bei 1300 Won pro Euro statt bei aktuell rund 1500. Die wirtschaftliche Entwicklung spricht dafür: Südkorea erzielte 2009 einen Leistungsbilanzüberschuss von 5,1 Prozent. Für 2010 rechnet die OECD mit moderaten 36,2 Prozent Schulden, gemessen am BIP, die Arbeitslosenquote fiel auf 3,2 Prozent.

Besser mit Fonds

Ein Problem ist aber, dass die meisten asiatischen Währungen politisch beeinflusst werden. Devisenverkehrskontrollen etwa könnten Investments bald erschweren. Schon jetzt begrenzen Südkorea, Taiwan und China Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Indonesien will nachziehen. Denkbar sind zum Beispiel Haltefristen, um rapide Mittelabflüsse zu kontrollieren. Liberaler ist Singapur. Es strotzt vor Kraft: 15 Prozent Leistungsbilanzüberschuss sowie 9 Prozent BIP-Wachstum erwarten die Ökonomen der Citigroup für 2010. Mit Temasek und GIC verwalten zwei Staatsfonds 502 Milliarden Dollar für Singapurs Staat. Der Kurs des Singapur-Dollar ist zwar an einen Korb von bilateralen Wechselkursen gekoppelt, dessen Zusammenstellung sich nach der Gewichtung der Handelspartner des Landes orientiert. Seit Januar gewann er gegenüber dem Euro dennoch 17 Prozent.

„Bei stark schwankenden und marktengen Währungen aus Asien sollte man lieber nicht direkt über Anleihen oder den Geldmarkt gehen“, sagt Währungsexperte Büscher. Als Beimischung eignen sich Fonds, die vor allem in Anleihen lokaler Währungen investieren (siehe Tabelle). Sie kosten zwar im Durchschnitt 1,5 Prozent Managementgebühr pro Jahr; dafür können Fondsmanager aber in Ländern investieren, die Privaten kaum Zugang bieten – und in die Trickkiste greifen.

Sichern sie etwa das Wechselkursrisiko am Terminmarkt ab, profitieren Anleger zwar nur von den Zinsen und nicht von einer möglichen Aufwertung, müssen aber auch keine Währungsverluste fürchten. So kann ein Fonds in Indien derzeit bei zwei Jahren Laufzeit mehr als sechs Prozent Zinsen mitnehmen, die indische Rupie aber gegen mögliche Verluste absichern. Fonds wie der Pictet-Asian Local Currency Debt oder der Templeton Asian Bond wetten auch auf fallende Kurse. Templeton-Manager Michael Hasenstab etwa shortete zuletzt den Yen, sein Kollege von Pictet den thailändischen Baht.

Alternativen zur Lokalwährungsanleihe sind Dollar- oder Euro-Anleihen des gleichen Lands – oder der Kauf von Währungen über den Terminmarkt. „Neben geringeren regulatorischen Vorschriften bietet das den Vorteil von höherer Liquidität“, sagt Werner Eppacher, der als Leiter des Währungsteams der Deutsche-Bank-Tochter DWS 400 Millionen Euro managt. Wichtig für Anleger ist auch die Fondswährung. Kaufen Anleger einen in US-Dollar notierten Fonds, tragen sie zusätzlich ein Dollar-Risiko. Pictet oder Templeton verkaufen ihre Produkte daher in Euro und US-Dollar.

Asien-Anleihen für 3690 Milliarden US-Dollar kamen 2009 auf den Markt – 41 Prozent mehr als im Vorjahr. „Der nächste Finanzboom dürfte bei der Kreditvergabe an Schwellenländer entstehen“, warnt deshalb Simon Johnson, Exchefvolkswirt des IWF. Risiken bergen auch politische Unruhen in Thailand oder Säbelrasseln zwischen Süd- und Nordkorea. In Krisenzeiten ziehen Anleger Kapital genauso schnell ab, wie sie es in ein Land hineingeschaufelt haben.

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