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Wohn-Riester Wo der Bausparvertrag günstig ist

Trotz hoher Gebühren und niedrigen Sparzinsen sind Bausparverträge bei deutschen Sparern beliebt wie eh und je. Ein exklusives Ranking zeigt die Angebote mit den niedrigsten Darlehenszinsen.

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Bausparverträge im Ranking Quelle: imago images

Betongold boomt. Die eigene Immobilie ist die derzeit beliebteste Geldanlage der Deutschen. Dafür sorgen nicht zuletzt die günstigen Finanzierungsbedingungen. Niedrige Zinsen verhelfen sogar teuren Produkten wie Bausparverträgen zu einer Art Renaissance.

Schuld daran ist die Europäische Zentralbank (EZB). Die sorgt mit ihrer Niedrigzinspolitik dafür, dass auch die Darlehenszinsen beim Bausparen immer weiter sinken, Baufinanzierung wird erschwinglicher. Mittlerweile finden sich immer mehr Bauspar-Angebote mit Darlehenszinsen deutlich unter zwei Prozent.

"Nie war Bausparen so attraktiv wie heute", schlussfolgern daher die Tester von "Finanztest". Die niedrigen Zinsen für das Darlehen seien garantiert, diese Sicherheit böte kein anderes Finanzprodukt.

Riester-Bausparverträge mit günstigen Darlehenszinsen

Was der Branche besonderen Aufschwung verleiht, ist die mögliche Riester-Förderung. Die Zulage in Höhe von 154 Euro im Jahr lassen viele in den Bausparvertrag fließen. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums gab es beim Wohn-Riester im ersten Halbjahr 2014 einen Zuwachs von 111.000 auf jetzt 1,27 Millionen Verträge. Damit ist die Eigenheimvariante mittlerweile deutlich beliebter als normale Riester-Verträge in Versicherungsform: Die sind im gleichen Zeitraum um rund 45.000 Verträge geschrumpft.

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    Unzählige Riester-Tarifvarianten

    Wer sich für Riester-Bausparen entscheidet, hat die Qual der Wahl. Denn mehr als 20 Bausparkassen, private und öffentliche, werben um die Gunst der Kunden. Über 600 Tarifvarianten sollen die Kunden vom "Sicherheitspaket" fürs Eigenheim überzeugen. Angesichts der Vielfalt sollten Anleger also genau filtern, und dabei nicht nur den Darlehenszins, sondern auch den Sparzins im Blick haben.

    Deshalb hat die FMH Finanzberatung aus Frankfurt für WirtschaftsWoche Online die derzeit attraktivsten Angebote herausgefiltert - wo sind die Kreditzinsen niedrig, wo sind nennenswerte Sparzinsen zu holen?

    Geht es nach den Darlehenszinsen, schneidet die Bausparkasse Wüstenrot am besten ab. Hier liegt der niedrigste Darlehenszins nur bei 1,35 Prozent. Allerdings bedeuten ein niedrig gewählter Kreditzins und vielleicht eine niedrige Rückzahlungsrate sehr lange Ansparzeiten, was die Finanzierungsplanung nicht leichter macht. Man muss sich bei Wüstenrot bereits bei Vertragsabschluss für eine bestimmte Tilgungshöhe entscheiden.

    "Die niedrigen Zinsen bei den meisten Bauspartarifen muss man sich auch leisten können", sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Viele Anleger ließen sich zu leicht von den günstigen Angeboten blenden. Dabei müssen gerade günstige Darlehen oft sehr schnell, innerhalb von fünf bis acht Jahren, zurückbezahlt werden. Diese Verpflichtung kann das Riester-Bausparen gerade für junge Familien unattraktiver machen, da es die Flexibilität einschränkt.

    Wie lange tilgen?

    Herbst rät daher zu Tilgungsraten von maximal rund sechs Promille der Bausparsumme. Es heißt zwar, Immobilienbesitzer sollten die niedrigen Zinsen für die Tilgung nutzen. Das gelte aber nicht für Bausparverträge, so der Finanzexperte. Weil beim Bausparen, der Zinssatz immer für die gesamte Laufzeit garantiert ist, sollte dieser Vertrag langsam getilgt werden und das vermutlich zusätzliche teurere Bankdarlehen schneller. Eine entsprechende Tilgungsrate, wie tariflich vorgegeben und ausgewählt, kann nicht verringert werden, aber problemlos erhöht werden. Hartmut Schwarz, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, rät dazu, den Tilgungszeitraum bei Tilgungssummen bis 100.000 Euro nicht länger als 15 Jahre anzusetzen.

    Bausparer sollten also abwägen zwischen einem ultra-niedrigen Zins und der Tilgungsdauer. "Nur wer wirtschaftlich gut dasteht und die hohen Tilgungsbeträge schultern kann, sollte die Lockangebote mit niedrigen Darlehenszinsen nutzen", sagt Verbraucherschützer Schwarz.

    Auf dem zweiten Platz im Ranking landet die Deutsche Bausparkasse Badenia mit ihrem Niedrigzins-Tarif. Mit 1,4 Prozent ist der Kreditzins nicht viel höher als bei Wüstenrot. Allerdings ist die Tilgungsrate mit sieben Promille monatlich fest vorgegeben.

    Noch niedriger sind die geforderten Tilgungsraten bei der drittplatzierten Deutsche Bank Bauspar, die eng mit der Deutsche Bank-Tochter BHW zusammenarbeitet. Hier ergibt sich für den Sparer allerdings ein anderes Problem: die Gebühren. Im Fall der Deutsche Bank Bauspar fällt die Abschlussgebühr mit drei Prozent der Bausparsumme überdurchschnittlich hoch aus. Die anderen Kassen des Rankings verlangen 1,0 oder 1,6 Prozent.

    Wie hoch sind die Sparzinsen?

    Grundsätzlich erhält der Anleger auf den Teil seiner Bausparsumme, die er anspart, auch Guthabenzinsen. Als reiner Sparvertrag taugt der Wohn-Riester allerdings wenig. Denn während der Häuslebauer von den niedrigen Darlehenszinsen profitiert, sieht es auf der Sparseite verständlicherweise ebenso mager aus.

    Zudem fallen die Gebühren oft höher aus, als bei reinen Sparanlagen.

    Riester-Bausparverträge mit hohen Guthabenzinsen

    Wie das Ranking von WirtschaftsWoche Online und der FMH Finanzberatung zeigt, bietet die Bausparkasse Mainz mit ihrem Tarif WohnriesterPlus derzeit mit zwei Prozent den attraktivsten Guthabenzins. Auf dem zweiten Platz landete die Alte Leipziger Bauspar, die die Sparguthaben ihrer Kunden immerhin noch mit 1,4 Prozent verzinst.

    Zahlreiche andere Bausparkassen wie die BHW oder die LBS zahlen einen niedrigeren Guthabenzins, bieten allerdings zusätzlich einen Bonus. Den gibt es normalerweise, wenn Anleger ihren Vertrag schon mindestens sieben Jahre bespart haben und dann auf die Darlehensphase verzichten. Zuletzt hatten allerdings viele solcher Renditesparer Ärger mit ihren Bausparkassen. Einige Bausparkassen kündigten, weil die Verträge "überspart" wurden, Guthaben- und Bonuszins überstiegen die Bausparsumme.

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      Das Dilemma der Finanzinstitute: es sind noch viele lukrative Altverträge im Umlauf, bei denen Sparer hohe Guthabenzinsen kassieren. Für die Bausparkassen ist es angesichts der niedrigen Zinsen umso schwerer, die Zinsen zu erwirtschaften, deswegen versuchen sie, die wenig lukrativen Altverträge loszuwerden.

      Wer seinen Bausparvertrag erst vor Kurzem abgeschlossen hat, dürfte das Problem nicht haben. Wie auch das FMH Ranking zeigt, zahlen die meisten Bausparkassen nur noch einen sehr geringen Sparzins. Schon bei der drittplatzierten LBS sind es nur noch 1,0 Prozent. Viele Institute zahlen lediglich 0,5 Prozent oder noch weniger.

      Für wen sind die Verträge geeignet?

      Wer nur sparen will, ist bei einem Bausparvertrag daher falsch aufgehoben. "Wer tatsächlich den Traum vom Eigenheim verwirklichen möchte, für den macht es Sinn, die staatliche Förderung mitzunehmen und Wohn-Riester zu nutzen", sagt Herbst.

      Alle anderen seien mit guten Banksparplänen vermutlich besser bedient. Da seien die Zinsen zwar auch nicht überragend, dafür sind die Gebühren deutlich niedriger als beim Bausparen.

      Vorsorge



      Wer in fünf bis sieben Jahren bauen beziehungsweise kaufen möchte, kann also wohn-riestern. "Wenn Kapital zur sofortigen Finanzierung des Eigenheims benötigt wird, raten wir von einem Bausparvertrag aber ab", warnt Verbraucherschützer Schwarz. Dann sei es besser, bei der Bank einen Kredit aufzunehmen und den in die Finanzierung zu stecken. Dafür brauche es die Bausparkasse nicht.

      Ein weiterer Fehler, den Anleger machen: "Oft werden die Bausparsummen zu hoch gewählt", sagt Schwarz. Häufig seien niedrigere Summen von beispielsweise 50.000 Euro sinnvoller. Das gilt insbesondere, wenn das Geld für die Modernisierung einer Immobilie genutzt werden soll. Zusammen mit einem entsprechenden KfW-Darlehen lohnt sich der Bausparvertrag dann.

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