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Zertifikate Rettung für WestLB-Anleger in Sicht

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Kreditausfallprämie WestLB Quelle: Bloomberg

Dabei haben diese Papier eine Eigenschaft, mit der sie mitten in den Überlebenskampf der WestLB gerieten. „Stufenzinspapiere und andere strukturierte Anleihen sind für die Banken auch eine günstige Möglichkeit, sich zu refinanzieren“, sagt Grégoire Toublanc, Zertifikatechef der französischen BNP Paribas. Wie klassische Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) hilft der Erlös aus strukturierten Anleihen der Bank, ihr sonstiges Geschäft zu finanzieren – also etwa die Kreditvergabe an Unternehmen oder private Kunden. Bonuszertifikate, Discounts und andere, auf Selbstentscheider zugeschnittene Zertifikate eignen sich dazu weniger gut, da hier durch Optionsgeschäfte, die die Bank abschließen muss, Geld abfließt – und das widerspricht dem Grundgedanken der Refinanzierung.

Für WirtschaftsWoche-Leser Harald Köhler heißt das: Die 130 000 Euro, für die er Stufenzinsanleihen gekauft hat, sind direkt in die Bilanz der WestLB gewandert – mit vielen Milliarden anderer Spargelder. Unter dem Passiv-Posten „Verbriefte Verbindlichkeiten“ stehen in der zuletzt veröffentlichten Bilanz zum 30. September 2010 18,6 Milliarden Euro „Begebene Schuldverschreibungen“.

Natürlich muss die WestLB sich auch absichern, damit sie die Verpflichtungen aus diesen Schuldverschreibungen bedienen, also die Kupons bezahlen kann. Das kann sie etwa über Zinsderivate wie den Euro-Bund-Future bewerkstelligen, mit dem man an der Terminbörse Eurex auf die künftige Zinsentwicklung wetten kann. Entscheidend aber ist, dass sie den Nennwert der Zertifikate – meist 100 – zur Refinanzierung ihrer klassischen Geschäftstätigkeit einsetzen kann. Bei einer Bilanzsumme von 220 Milliarden Euro hat die WestLB 13 Milliarden Euro an strukturierten Anleihen wie Zuwachszertifikaten ausstehen. Hinzu kommen weitere Zertifikate für mehr als zwei Milliarden Euro. Das zeigt, wie wichtig Zertifikate für die Finanzierung der WestLB geworden sind. Die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen dürften enorm daran interessiert sein, als Eigentümer einer neuen, verkleinerten Verbundbank WestLB sich diese Art der Finanzierung zu sichern. Ein Geldfluss, an dem sie bisher schon gut verdient haben, bliebe ihnen erhalten.

100 Millionen für den Vertrieb

Das Geschäft mit Zertifikaten brummt. „Die WestLB sicherte sich mit einer -Ausweitung des Marktanteils auf 16 Prozent den dritten Platz unter allen Anbietern von Anlagezertifikaten“, stellte der Derivateverband DDV in seiner Statistik zum dritten Quartal 2010 fest – und das, obwohl die Unsicherheiten um die WestLB schon seit längerer Zeit im Markt bekannt sind.

Seit Jahresanfang dürfte der Absatz von Zertifikaten und Schuldverschreibungen der WestLB zwar etwas gelitten haben. Doch gemessen an der vorübergehend auf 3,7 Prozent hochgeschnellten Ausfallprämie, boten und bieten Zertifikate und Anleihen der WestLB keineswegs auffallend üppige Konditionen. „Mit dem starken Anstieg der Ausfallprämien spielt der Markt ein Negativszenario, das sich im täglichen Zertifikategeschäft der WestLB nicht widerspiegelt“, sagt ein Banker aus Düsseldorf.

Wie lohnend das Geschäft für die Sparkassen ist, zeigt eine Hochrechnung. In der Regel gehen bei der Neuemission eines Zertifikats je nach Ausstattung 0,5 bis 1,0 Prozent vom Nennwert an den Vertrieb. Von den 15,4 Milliarden Euro in den Zertifikaten der WestLB wurden 82 Prozent über die Tresen der Sparkassen verkauft. Bei angenommenen 0,75 Prozent Durchschnittsvergütung ergäbe das für den Vertrieb der Sparkassen Gesamteinnahmen von rund 100 Millionen Euro.

Neben der Bedeutung für die Refinanzierung ist das ein weiteres Argument dafür, dass die Sparkassen das Zertifikategeschäft der WestLB weiterführen wollen – zumindest für die von ihnen gegen üppige Provisionen verkauften Zeichnungsprodukte.

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