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Zertifikate Rettung für WestLB-Anleger in Sicht

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Zertifikate WestLB

Was aber passiert mit den Zertifikaten für rund 2,8 Milliarden Euro, die nicht als Neuemissionen am Schalter verkauft wurden, sondern die über die Börsen abgesetzt wurden oder direkt an professionelle Anleger gingen, etwa an Vermögensverwalter?

Wie bei den über Sparkassen verkauften Papieren gibt es bisher noch keine offizielle Lösung. Zunächst bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder die Zertifikate werden – wie die als Neuemissionen verkauften – ebenfalls von der neuen Verbundbank betreut. Dann stehen letztlich die Sparkassen mit ihrer Einlagensicherung hinter den Papieren. Oder diese Zertifikate werden in die EAA verschoben, die Erste Abwicklungsanstalt.

Die EAA ist die Bad Bank der WestLB. Sie wurde im Dezember 2009 von der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet und soll Risikopositionen und nicht notwendige Geschäftsbereiche der WestLB übernehmen und abwickeln. Bisher stecken 77 Milliarden Euro an maroden Vermögenswerten der alten WestLB in den Büchern der EAA. 90 Milliarden Euro sollen im Zuge der neuen Sanierungspläne dazukommen. Es ist gut möglich, dass hier auch WestLB-Zertifikate dabei sein werden – eben die Papiere, die nicht als Neuemissionen über die Sparkassen verkauft wurden.

Sparkassen-Sicherungsnetz

Ob die Besitzer dieser Zertifikate dann – wenn es so kommt – ihren Einsatz komplett wiedersehen, ist allerdings offen. Sowohl der Aufbau der neuen, kleinen Verbundbank wie auch die Abwicklung der EAA-Bestände werden sich hinziehen. „Wenn es gut läuft, dann ist es etwas, was über viele Jahre verteilt wird“, warnt der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans kryptisch. Und wenn es schlecht läuft? „Dann ist es eben etwas, was uns alle ereilen kann“, so der Minister. Niemand könne sich aus der Verantwortung stehlen, „das wird am Ende für alle Beteiligten teuer“. Im Klartext heißt das: Wenn die Bad Bank EAA-Gläubiger der WestLB nicht zu 100 Prozent auszahlt, könnten auch Inhaber von Zertifikaten der WestLB nicht ungeschoren davonkommen.

Dieser pessimistischen Sichtweise steht entgegen, dass sich heute schon jeder Besitzer eines WestLB-Zertifikats auf das Auffangnetz der Sparkassen berufen kann. „WestLB-Zertifikate – komplett gesichert“, warben die Landesbanker in einer zweiseitigen Veröffentlichung, die sie ihren Zertifikatekunden erstmals in der akuten Phase der Finanzkrise zu lesen gaben und die sie nun neu auflegten.

Für Anleger, die Zertifikate und Anleihen der WestLB kaufen, gebe es einen umfangreichen Sicherungsmechanismus. Die WestLB, so heißt es in der aktuell verfassten Erklärung, sei Mitglied der Sicherungsreserve der Landesbanken und Girozentralen und zudem in das Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe eingebunden. Die Sparkassen schützten damit „zugleich die Ansprüche der Institutsgläubiger ohne betragliche Begrenzung, einschließlich der Ansprüche der Inhaber der von der WestLB begebenen Zertifikate und Anleihen, darunter auch Zuwachsanleihen, sowie der Zinsen aus diesen Verbindlichkeiten“. Selbst wenn die WestLB bei einem Eigentümerwechsel aus diesem Verbund ausscheide, seien die Schuldverschreibungen, die innerhalb eines Monats nach einer solchen Bekanntgabe herausgegeben wurden, von der Sicherungsreserve geschützt.

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