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Zertifikate Rettung für WestLB-Anleger in Sicht

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Peter Mattil, Kapitalmarktrechtsexperte aus München, bleibt dennoch skeptisch. „Oberster Zweck dieser Sicherungssysteme ist es, die Sparkassen selbst zu schützen und nicht die Eigentümer von Zertifikaten“, sagt er. Dass Milliardenbeträge zur Absicherung geschädigter Anleger zur Verfügung stünden, müsse sich erst erweisen. Klagen gegen den Sicherungsverbund könnten Einzelanleger möglicherweise nicht. Die Rechtslage sei insofern nicht eindeutig. Und Richter könnten im Einzelfall darauf hinweisen, dass das Risiko, dass die WestLB ausfallen könnte, im Wertpapierprospekt genannt worden sei. Zu hohe Erwartungen sollten Anleger hier also nicht hegen.

Eines allerdings gibt Anleger-Anwalt Mattil zu denken: „Unserer Erfahrung nach haben Politiker weniger das Wohl einzelner Anleger im Sinn, die Vermeidung eines Vertrauensverlustes in das ganzen Finanzsystems aber schon.“ Und das wäre der Fall bei einem Ausfall der WestLB-Zertifikate. Die Investmentbank Lehman Brothers ging 2008 pleite – und wahrscheinlich scherte sich kaum jemand in den Vereinigten Staaten um die schätzungsweise 700 Millionen Euro, die deutsche Sparer mit Lehman-Zertifkaten verloren. In Zertifikaten der WestLB aber steckt 20-mal so viel Geld. „Ein völliger Ausfall dieser Papiere, ein solcher GAU, ist unvorstellbar“, sagt Anwalt Mattil.

Raus mit Schaden?

Derweil läuft die Emissionsmaschinerie der WestLB weiter. „Unsere Zertifikate werden weiter öffentlich zum Vertrieb angeboten, es werden ständig Kurse gestellt“, sagt Frank Haak, Derivatefachmann der Bank. Gerade gab die WestLB Bonuszertifikate auf Allianz, E.On und RWE aus. „Wegen der Unsicherheit um die Zukunft der WestLB wird sie vielleicht ein paar Zertifikate weniger verkaufen, aber sie bleibt als großer Spieler im Geschäft“, sagt ein Vertreter einer US-Derivatebank.

Der Börsenhandel mit den Papieren funktioniert. „An der Börse Stuttgart gibt es keine Unregelmäßigkeiten beim Handel mit Zertifikaten der WestLB“, sagt Ralph Danielski, Vizechef der Börse. In Stuttgart laufen zwei Drittel des Börsenhandels von Zertifikaten in Deutschland. Die letzte Handelseinschränkung von WestLB-Zertifikaten gab es am 10. Februar, aus technischen Gründen, nicht wegen Bonitätsproblemen.

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass die Sparkassen in NRW große Teil des Zertifikategeschäfts der WestLB übernehmen und auch für die Verpflichtungen daraus einstehen. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, weil er befürchtet, dass die Rettung durch die Sparkassen nicht wie erhofft läuft und an den Börsen gehandelte Discounts, Bonuspapiere und andere Zertifikate eines Tages rapide an Wert verlieren, kann verkaufen. Möglicherweise entgehen ihm dann Gewinne, oder seine Rendite würde, falls er in Papiere einer andern Bank wechselt, durch doppelte Transaktionskosten geschmälert.

Technisch ist das kein Problem – die WestLB bietet ständig Rückkaufskurse an.

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