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Zinsverluste Verbraucherzentrale warnt vor Wechsel des Bausparvertrags

Laut des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) werden derzeit massiv Kunden zum Wechsel ihres Bausparvertrags gedrängt. Doch das ist für die Kunden ein Verlustgeschäft, warnt vzbv-Chef Gerd Billen.

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Gerd Billen Quelle: dpa

Die Verbraucherzentralen warnen vor Vertragswechseln bei Bausparkassen. Derzeit würden viele Institute gezielt Kunden ansprechen, denen sie relativ hohe Guthabenzinsen zahlten, sagte der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen, am Dienstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

"Nun sehen wir seit einiger Zeit, dass eine Reihe von Bausparkassen im großen Stil beginnen, ihre Kunden zu beraten und sie zu einem Vertragswechsel drängen." Geworben werde damit, dass durch den Vertragswechsel die Zinsen für ein Darlehen niedriger würden. Verschwiegen werde aber, dass damit in erheblicher Höhe Guthabenzinsen verloren gingen. "Unter dem Strich machen die meisten Bausparkassenkunden bei einen Vertragswechsel ein Verlustgeschäft", sagte Billen.

"Es gibt kaum einen Sektor, der so intransparent bei Kosten arbeitet wie der Finanzvertrieb", erklärte der Verbraucherschutz-Präsident. Bei der Aufsicht müsse nachgebessert werden. So gebe es großen Handlungsbedarf im sogenannten grauen Kapitalmarkt, wo selbstständige Vermittler Finanzprodukte an den Kunden bringen wollten: Die Kontrolle der Vermittler sei bei der Gewerbeaufsicht angesiedelt.

So funktioniert Bausparen

"Die sind schlicht weder personell noch von ihrer Ausrichtung her in der Lage, eine wirksame Kontrolle vorzunehmen." Billen forderte, alle Finanzvermittler sollten durch die staatliche Finanzaufsicht BaFin beaufsichtigt werden. Bislang werden von der Behörde die fest angestellten Mitarbeiter von Banken und Sparkassen erfasst.

vzbv fordert Provisionsverbot

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Verfallene Häuser Quelle: dapd
Neubau Quelle: obs

"Ich fordere ein Provisionsverbot im Vertrieb von Finanzprodukten", sagte der oberste Verbraucherschützer. Nur dann seien Beratungen unabhängig vom Interesse des Beraters, eine möglichst große hohe Prämie zu bekommen. "Als erstes brauchen wir ein echtes Honorarberatergesetz." Der von der Bundesregierung vorgelegte Gesetzentwurf gehe an der Grundlogik der Honorarberatung vorbei, Verbraucher unabhängig von bestimmten Produkten zu beraten.

Als ein Beispiel für Intransparenz im Finanzmarkt nannte Billen die Dispozinsen. Die Banken weigerten sich, die Überziehungszinsen im Internet zu veröffentlichen. "Die Banken hüten ihre Geheimnisse und versuchen, die Vergleichbarkeit zu umgehen. Der Wettbewerb um gute Konditionen wird so verhindert."

Was Verkäufer in der Finanzbranche verdienen

Hier müsse per Gesetz oder über die Bankenaufsicht eingeschritten werden. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) befürwortet bislang freiwillige Lösungen.

Vorsorge



"Die Finanzaufsicht ist in Deutschland - anders als in anderen Ländern - nicht auch auf das Ziel verpflichtet, sich um die Belange der Verbraucher zu kümmern", sagte Billen weiter. Deswegen schlügen die Verbraucherschützer vor, sogenannte Finanzmarktwächter bei den Verbraucherzentralen einzuführen.

"Dieser Finanzmarktwächter hat die Aufgabe, aus Verbrauchersicht die Fehlentwicklungen aufzugreifen und an Politik, Öffentlichkeit, Unternehmen und Aufsicht zu melden."

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