Zunehmende Unwetterschäden Worauf es beim Versicherungsschutz gegen Sturm und Hochwasser ankommt

Allmählich wird das ganze Ausmaß der Unwetterschäden der vergangenen Tage sichtbar. Viele Betroffene hoffen nun auf die schnelle Hilfe ihrer Versicherung - manchmal vergeblich.

Nach den schweren Unwettern im Südwesten und in Nordrhein-Westfalen rechnet die Versicherungsbranche mit hohen Schäden. Quelle: dpa

Die heftigen Unwetter im Südwesten Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen haben auch die Versicherungsbranche hart erwischt. Bei der Sparkassenversicherung (SV) dürften Schäden im mindestens zweistelligen Millionen-Euro-Bereich anfallen, hieß es in Stuttgart. Konkrete Zahlen könne man aber erst nennen, wenn mehr Schadensmeldungen gekommen sind. Die Versicherung deckt als ehemaliger Monopolist immer noch etwa 70 Prozent der Gebäude in Baden-Württemberg ab.

Auch die Württembergische Versicherung rechnet mit deutlich spürbaren finanziellen Folgen. Man erwarte ein „beträchtliches Schadensaufkommen“, sagte ein Sprecher. Dabei verwies er auf zahlreiche vollgelaufene Keller, Zerstörungen auf Straßen und defekte Abwassersysteme. Allein am Montagvormittag habe es 450 Anrufe wegen Schadensmeldungen gegeben. Eine Prognose zur Gesamtschadenshöhe sei noch nicht möglich.

Den Betroffenen kann man nur wünschen, dass sie die richtige Versicherungspolice haben. Denn gerade die Gebäude- und Hausratversicherungen unterscheiden sich teils deutlich – abhängig vom gewählten Tarif und teilweise auch abhängig davon, wann der Versicherungsvertrag abgeschlossen wurde.

Früher war es weit weniger als heute üblich, zur Standardpolice auch gleich eine Erweiterung des Versicherungsschutzes um Elementarschäden anzubieten. Das hat Folgen: Wohngebäudeversicherungen zum Schutz der Immobilie sichern nämlich standardmäßig nur Schäden durch Sturm, Blitz und Hagel ab.

Nur wer den Elementarschadenzusatz hat, ist auch bei Schäden durch Überschwemmungen gewappnet.

Diese Versicherungen helfen bei Regen und Sturm
Wenn sich ein heftiges Gewitter zusammenbraut, hat der Glück, der versichert ist. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einige Tipps im Umgang mit Naturgewalten veröffentlicht. Grundsätzlich gilt: Für Sturmschäden haften Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Wer sie in Anspruch nehmen möchte, sollte jedoch auf die Beaufort-Skala schauen. Die Versicherungen übernehmen die Schäden nur für Regionen, in denen das Unwetter mit einer Windstärke von acht Beaufort wütet - also mit einer Windgeschwindigkeit von 61 Stundenkilometern pro Stunde. Praktisch: Hat der Sturm Ziegel und Dachpappe mitgehen lassen, muss man den Schaden nicht einzeln nachweisen. Die Versicherungen lassen eine offizielle Sturmwarnung gelten oder wenn die Häuser in der Nachbarschaft ebenfalls beschädigt sind. Wichtig ist, dass der Schaden der Versicherung sofort gemeldet werde, warnen die Verbraucherschützer. Und: Kaputte Gegenstände sollten erst nach der Rücksprache mit der Versicherungsgesellschaft entfernt werden, sonst könnte das die Feststellung des Schadens behindern. Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Quelle: dpa
Für den Hausrat haftet die Versicherung nur, wenn er während der Böen in einem Gebäude untergebracht war. Ausnahme bilden Antennen und Markisen, die einem Mieter gehören und ausschließlich durch diesen genutzt werden. Manche Hausratspolicen enthalten sogar Zusatzklauseln, die den Verderb von gefrorenen Lebensmitteln abdecken. Quelle: dpa
Hat der Sturm Dachziegel auf ein parkendes Auto geschleudert, muss die Teilkasko des Autohalters zahlen. Wichtig: Versichert ist der Wert des Autos zum Zeitpunkt der Schadensmeldung, nicht sein Neuwert. Oft hat der Versicherte außerdem eine Selbstbeteiligung zu leisten, die von der Entschädigungssumme abgezogen wird. Quelle: AP
Wenn ein Auto auf einen umgestürzten Baum fährt, haftet die Vollkaskoversicherung. Ist Baum nachweislich morsch, umgestürzt und hat das Haus oder Auto beschädigt, muss der Baumbesitzer oder seine Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommen. Ist ein gesunder Baum umgefallen, gilt dies als „höhere Gewalt”, und der Eigentümer haftet nicht für den Schaden. Quelle: dpa
Wenn durch das Unwetter Keller überflutet und Wände und Inventar beschädigt worden sind, dann ist es besser, wenn man eine „Elementarschaden-Versicherung” abgeschlossen hat. Gebäudeversicherungen haften nicht für Schäden durch eindringendes Wasser. Quelle: dpa
Schäden durch Überschwemmungen sind bei der Kfz-Teilkasko mitversichert. Hier gibt es keine Schadensfreiheitsrabatte, Fahrzeughalter brauchen also keine Rückstufung zu befürchten. Auch hier gilt: Bei einer Selbstbeteiligung wird der vereinbarte Betrag von der Entschädigungssumme abgezogen. Ob Kindersitze, Warndreieck und Verbandskasten ebenfalls versichert sind, hängt von der Versicherungsfirma ab. Quelle: dpa
Ist der Blitz direkt in ein Haus eingeschlagen, kommt der Gebäudeversicherer für die Schäden am Haus auf. Was durch die Überspannung kaputt geht, ersetzt die Versicherung nur, wenn der Blitz direkt in das versicherte Grundstück oder Gebäude eingeschlagen ist. Sonstige Schäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss sind nur dann über die Gebäudeversicherung abgedeckt, wenn eine Überspannungsklausel vereinbart wurde. Das gilt auch für die Hausratversicherung. Quelle: dpa

Ähnlich verhält es sich mit Hausratversicherungen zum Schutz des Gebäudeinventars. Auch hier sind Schäden infolge von Sturm und Hagel sowie durch undichte Wasserleitungen versichert. Ist das Wasser jedoch von außen eingedrungen und hat Möbel, Elektrogeräte oder anderen Hausrat beschädigt, braucht der Geschädigte den Elementarschutz. Außerdem müssen Überspannungsschäden explizit mitversichert sein, damit die Versicherung auch nach Blitzschlag den Schaden ersetzt. Überspannungsschäden sollten bis zur Höhe der gesamten Versicherungssumme abgedeckt sein.

Bei Fahrzeugen verhält es sich etwas anders. Gewöhnlich deckt hier die Teilkaskoversicherung den Schaden ab, sofern er unmittelbar durch das Unwetter entstanden ist. Einzige Einschränkung: Der Fahrer darf nicht fahrlässig handelt. Wer mit voller Absicht eine überschwemmte Straße befährt und dabei das Fahrzeug versenkt oder beschädigt, braucht schon eine Vollkaskoversicherung, damit der Schaden reguliert wird.

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