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Wegen Wirtschaftskrise Irlands Banken geraten in Staatshand

Trotz des Hilfsversprechens der EU spitzt sich die Bankenkrise in Irland weiter dramatisch zu. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, muss die Regierung in Dublin endgültig große Teile des Finanzsystems verstaatlichen. Aller Voraussicht nach wird auch das bislang größte und stabilste Institut, die Bank of Ireland, seine Selbständigkeit verlieren.

Bank of Ireland: Durch weitere Staatshilfen könnte die Beteiligung der Regierung an dem Geldhaus auf über 50 Prozent steigen. Quelle: dapd

LONDON/BRÜSSEL. In den vergangenen Monaten zogen Großkunden massiv Mittel aus den maroden irischen Banken ab. Die Analysten der Citigroup schätzen, dass die Geldhäuser seit April 17,3 Mrd. Euro oder neun Prozent aller Einlagen verloren. Dieses Misstrauensvotum der Bankkunden sei der wichtigste Grund, warum Irland den Rettungsfonds von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) anzapfen müsse, hieß es in Brüssel.

Die Geldhäuser benötigten schnellstmöglich Kapitalspritzen des Staates. Mohammed El Erian, der Chef des weltgrößten Anleihefonds Pimco, warnt vor einem "größeren Ansturm auf die Banken", sollte die EU den finanziellen Tumult in Irland nicht schnell in den Griff bekommen. Einem Bericht des "Irish Independent" zufolge sollen die irischen Institute bereits am Wochenende Notgelder bekommen.

Volkswirte schätzen, dass Irland etwa 25 bis 35 Mrd. Euro des insgesamt 85 Mrd. Euro schweren Hilfspakets von EU und IWF in die Sanierung der Banken stecken muss. Die Regierung in Dublin plant offenbar, die harte Kernkapitalquote der Institute auf 10,5 bis zwölf Prozent aufzustocken. Die dafür nötigen Milliarden von der Regierung würden den Staatsanteil am zweitgrößten Institut des Landes, Allied Irish Banks, auf über 99 Prozent in die Höhe treiben.

Bei der Bank of Ireland würde durch weitere Staatshilfen die Beteiligung der Regierung wohl von 36 Prozent auf über 50 Prozent steigen, hieß es in Finanzkreisen. Das Skandalinstitut Anglo Irish Bank ist bereits voll verstaatlicht, das gleiche gilt für die beiden Bausparkassen Irish Nationwide Building Society und Educational Building Society. EU und IWF drängen Irland jetzt, den Bankensektor gesundzuschrumpen. Die Institute sollen sich von Geschäftsteilen trennen und umfangreiche Kreditpakete verkaufen.

Am Mittwoch sackte der Kurs der Bank of Ireland noch einmal 13 Prozent ab, nachdem das Geldhaus an den vergangen beiden Tagen bereits 38 Prozent an Wert verloren hatte. Die Risikoprämien für eine Versicherung gegen einen Zahlungsausfall signalisieren mittlerweile, dass das Institut mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent innerhalb der nächsten fünf Jahre seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann.

Die Banken stehen im Zentrum der Wirtschaftskrise, die Irland innerhalb von drei Jahren 13 Prozent der Wirtschaftskraft gekostet hat. Als die gigantische irische Immobilienblase 2008 platzte, rutschten die einseitig auf das Hypothekengeschäft ausgerichteten Banken in eine existenzbedrohende Schieflage. Um den Kollaps zu verhindern, mussten die Iren eine pauschale Bürgschaft für alle Einlagen abgeben. Die Garantien summieren sich auf insgesamt 483 Mrd. Euro, drei Mal so viel wie die jährliche Wirtschaftsleistung.

Bislang musste Irland bereits fast 50 Mrd. Euro in die Bankensanierung stecken. Trotz dieses Kraftaktes ist das Misstrauen an den Märkten stetig gewachsen. Die Ratingagentur Fitch warnt, die Geldhäuser seien inzwischen "fast vollständig abhängig" von der Notfinanzierung durch die Europäische Zentralbank.

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