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Weltwirtschaft Russland spaltet den Agrarmarkt

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Hungrige Schwellenländer

Ohnehin spüren die wohlhabenden Verbraucher in den Industrienationen die Schwankung der Getreidepreise kaum. Amerikaner oder Deutsche etwa geben nur einen sehr geringen Teil ihrer Haushaltsbudgets für Essen und Trinken aus. Fast schon skurril mutet daher die hohe Aufmerksamkeit an, die der Brötchenpreis in Deutschland erfährt. Dabei fallen die Ausgaben für Backwaren auf dem Einkaufszettel nicht mal besonders stark ins Gewicht. Ein Blick auf die Kosten der Herstellung von Brot und Brötchen zeigt zudem: Die darin enthaltenen Rohstoffpreise sind in entwickelten Volkswirtschaften relativ gering, zumindest verglichen mit dem finanziellen Aufwand für Personal, Energie oder den Transport der Ware.

Hälfte des Geldes für Verpflegung

Ganz anders sieht die Situation in Schwellen- und Entwicklungsländern aus. Dort lasten die Lebensmittelausgaben schwer auf den noch niedrigen Durchschnittseinkommen. Höhere Weizenpreise haben unter diesen Ausgangsbedingungen ein gefährlicheres Inflationspotenzial. Die Analysten der Bank UniCredit fürchten, dass steigende Lebensmittelkosten in den betroffenen Ländern die Nachfrage nach komplexeren Produkten verdrängen und damit den wirtschaftlichen Aufholprozess bremsen könnten. Inder etwa müssen im Durchschnitt knapp die Hälfte ihres Geldes für Verpflegung ausgeben. Die Deutschen machen dagegen weniger als zehn Prozent für ihre Nahrung locker – und gerade mal zwei Prozent für Zerealien.

Dass deutsche Discounter derzeit die Preise für Lebensmittel anheben, liegt nur scheinbar an steigenden Rohstoffkosten. Tatsächlich gibt es einen anderen Grund: Ermutigt durch die gute Konjunktur, traut sich der Lebensmitteleinzelhandel plötzlich wieder, mehr Geld von seinen Kunden zu fordern.

Aus Sicht der Anbieter ist das verständlich. Läden und Supermärkte mussten die krisengebeutelten Privathaushalte das gesamte zurückliegende Jahr hindurch sowie während der ersten Hälfte von 2010 mit ständigen Preissenkungen bei Laune halten. Das zeigt eine aktuelle Statistik des Marktforschungsunternehmens GfK. Im Juni jedoch zahlten Verbraucher erstmals seit Dezember 2008 wieder höhere Preise für Lebensmittel.

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