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Wirtschaftsprüfer Bilanztricks bei Lehman: Ausrede Blackberry

Die Bilanztricks bei der US-Bank Lehman Brothers bringen jetzt die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young in Erklärungsnot. Der Fall erinnert an die Enron-Pleite 2001.

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Lehmans letzter Chef Richard Quelle: Reuters

Seine Macht hat Richard Fuld, der letzte Chef der US-Investmentbank Lehman Brothers, zwar verloren, seinen Einfallsreichtum aber nicht. Das zeigt der vor wenigen Tagen veröffentlichte Bericht des Rechtsanwalts Anton Valukas, der mit den Ermittlungen rund um die spektakuläre Pleite der Bank beauftragt ist. Darin bestreitet Fuld, von Geschäften gewusst zu haben, die bei Lehman als „Repo 105“ bekannt waren. Konfrontiert mit einer an eine E-Mail angehängte Präsentation, ließ Fuld seine Anwältin erklären, er habe keinen Computer genutzt, sondern nur ein Blackberry-Mobiltelefon. Und damit habe er Anhänge nicht öffnen können.

Mit den „Repo 105“-Geschäften peppte die Bank seit 2001 ihre Bilanz auf. 2008 etwa übertrug sie Vermögenswerte in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar kurzfristig an andere Banken und erhielt dafür bares Geld. In der Bilanz verbuchte sie den Deal als Verkauf. Von Anfang an war aber klar, dass Lehman die Papiere nach dem Stichtag ihres Quartalsberichts zurücknehmen muss. Das geborgte Geld benutzte sie, um Schulden zu tilgen. Die Bilanz sah so deutlich gesünder aus, als sie es tatsächlich war, die Verschuldungsquote sank kurzfristig von 13,9 auf 12,1. Nach dem Stichtag stieg sie wieder auf ihr altes Niveau.

London erlaubte fragwürdige Bilanztricks

Abgewickelt wurden die Geschäfte über London, weil Juristen sie in den USA als unzulässig ansahen. Die britische Kanzlei Linklaters hingegen hielt den Trick für erlaubt, auch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young beanstandeten nichts. Beide Unternehmen geben an, korrekt gehandelt zu haben. Die Wirtschaftsprüfer, die Valukas als potenzielles Ziel einer Schadensersatzklage sieht, weisen darauf hin, dass die Verschuldungsquote keine offizielle Kennzahl sei.

Der Fall erinnert jedoch an den US-Energieriesen Enron, der nach Bilanztricks in die Pleite rutschte. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson wurde damals in den USA angeklagt und verurteilt. Sie löste sich auf, die meisten Prüfer gingen zu Ernst & Young.

Bisher gibt es zwar keine Hinweise, dass auch andere Banken die Lehman-Strategie nutzen. Doch wirft etwa der Hamburger Anwalt Gerhard Strate der HSH Nordbank und der Hypo Real Estate in einer Strafanzeige vor, durch ein Überkreuzgeschäft Ende 2007 ihre wahre Verschuldung verschleiert zu haben. Auch die früher zur BayernLB gehörende Hypo Alpe Adria soll durch Kreditgeschäfte mit Töchtern ihre Lage jeweils zum Berichtsstichtag geschönt haben.

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