WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Zoll Auf Schwarzgeldjagd

Seite 2/3

Grenzeinnahmen Quelle: Hauptzollämter Lörrach, Singen, Ulm

Sodies liest die Nummernschilder, viele Autos brausen mit einem Affenzahn heran. Er hält die Hand raus, macht eine kleine Handbewegung auf und ab, sie sollen langsamer fahren. LÖ, das steht für Lörrach. "Die kommen um die Zeit von der Arbeit", sagt er und winkt den Wagen durch. AI, ein Leihwagen aus dem Kanton Appenzell-Innerrhoden. Den Wagen hält er an: "Haben Sie was gekauft – Kleidung, Uhren, Schmuck?" Der Fahrer fasst sich an den Kopf: "Eingekauft, in der Schweiz?", fragt er. Da muss Sodies lachen: "Stimmt, bei dem Wechselkurs. Haben Sie mehr als 10 000 Euro dabei?" Der Fahrer lacht wieder: "So viel hätte ich gern."

Da verstehen die Zöllner keinen Spaß – und kontrollieren den Wagen. Die Handtasche der Beifahrerin, den Koffer, das Handschuhfach. "Die Leute haben große Geldbeträge gerne in ihrer Nähe", sagt Dichter. Der Mann muss es wissen: Er ist seit 36 Jahren für den Zoll im Einsatz. Oft finden die Beamten eine Bankquittung oder gar Kontoauszüge im Wagen. Der Leihwagen allerdings ist sauber. Trotzdem: Es wäre nicht das erste Mal, dass sich vermeintliche Spaßvögel als Schwarzgeldschieber entpuppen.

Die Tricks der Schwarzgeldschmuggler

Was zähle, sagt Dichter, seien Glück, Zufall und Erfahrung. All das kann er brauchen: Schwarzgeldschmuggler schöpfen aus einer vollen Trickkiste. Da ist der Mann im Maßanzug, der mit dem Golf seiner Tochter über die Grenze rollt. Will er sich so tarnen und hat seinen Porsche für diese Fahrt in der Garage gelassen? "Ich habe mal 450 000 Euro in einem Kleinwagen gefunden, mein größter Fang", sagt Sodies. Und was ist mit der Nonne oder dem Pfarrer – haben sie sich verkleidet, um nicht kontrolliert zu werden?

Viele verstecken Schwarzgeld in der schmutzigen Wäsche, der Brotdose, dem CD-Wechsler, BH oder der Inkontinenzwindel. Selbst im Schuh unter verschwitzten Socken fanden Zöllner schon Bares. "Die Leute wollen mit uns und unseren Gefühlen spielen", sagt Sodies – und stülpt die türkisen Einmalhandschuhe über. Leicht kommt keiner davon. Wenn es sein muss, stellen die Zöllner in einer Garage mitten auf der Autobahn den Wagen von Verdächtigen auf den Kopf. Reisende räumen ihr Gepäck auf die beiden vier Meter langen Tische. Falls einer seine Koffer nicht öffnet, weil ihm angeblich der Code für das Schloss nicht mehr einfällt, helfen die Zöllner seinem Gedächtnis gerne mit dem Bolzenschneider auf die Sprünge.

Um verdächtige Autos von unten zu inspizieren, fahren sie den Wagen über eine Werkstattgrube im Boden. Mit dem Falzbeil hebelt Sodies Verkleidungen unter der Motorhaube ab, besonders jene mit frischen Fingerabdrücken. Falls nötig schauen die Zöllner mit Hohlraumsonden, an deren Schlauchanfang eine Kamera installiert ist, in jedes Loch am Fahrzeug. Sie haben eine Kfz-Aus- oder -Fortbildung und kennen die Verstecke. Wenn nichts hilft, kommt der schwarz-braune Bargeldschnüffler Votan. Der dreijährige Schäferhund ist frisch ausgebildet. Er schnuppert, dann kratzt er wie wild mit den Pfoten und beißt in die Stelle, unter der er Geld vermutet. "Er sucht sein Spielzeug, sprich: das Bargeld", erklärt Dichter. Votan ist oft dabei: Der blaue Kombi der Zöllner müffelt nach Hund.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%