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Zoll Auf Schwarzgeldjagd

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Schwarzgeld-Suche Quelle: Christian Flierl für WirtschaftsWoche

Von der Garage geht es ins Durchsuchungszimmer. Schon im Flur riecht es nach Desinfektionsmittel. Im Schrank stehen sieben Vorratsboxen mit Einweghandschuhen. Daneben eine karge Holzbank, gegenüber die abgewetzte Holzablage. Viele mussten dort schon ihre Taschen leeren. Falls das nicht freiwillig geschieht, wartet der Wandring. Dort fixieren Zöllner Renitente mit Handschellen. Wer sich gar bis aufs letzte Hemd ausziehen muss, den schützt nur noch der knappe, schwarze Teppich vor dem kühlen, braunen PVC-Noppenboden.

Werden Votan und seine menschlichen Kollegen fündig, nehmen die Beamten den Fall im Vernehmungsraum auf. Wer bis dort kommt, ist "entweder den Tränen nah oder erstaunlich ruhig", sagt Dichter. Die meisten bleiben ruhig. "Die haben so dermaßen viel Geld, sie haben kein Problem, wenn sie zahlen müssen", sagt Dichter. Der Raum ist zweckmäßig eingerichtet: Zwei Stühle, ein Holztisch, ein Drucker – und die Geldzählmaschine, die in all den Jahren schon zig Millionen registrierte. Mit dem Laptop nimmt Dichter die Personalien auf. "Wenn die Leute feststellen, dass wir mit ihnen human umgehen, verabschieden sie sich oft mit Handschlag", erzählt der Zöllner.

Heute versuchen die Kollegen ihr Glück auch am Übergang Weil-Otterbach. Das Duo taucht plötzlich auf. "Wir entscheiden spontan, wann wir wohin fahren. Das ist nötig, denn wir hören, dass Schweizer Banker ihren Kunden raten, lieber die kleineren Übergänge zu nutzen", sagt Dichter.

Gold als Ordnungswidrigkeit

Die Strategie könnte aufgehen: Allein in Weil gibt es vier Grenzübergänge, nicht jeder ist ständig besetzt. Auch an Grenzen wie in Konstanz am Bodensee sind Kontrollen zuweilen lasch: "Ich gehe seit 25 Jahren jede Woche zum Einkaufen über die Grenze – und ich bin erst ein Mal kontrolliert worden", sagt die Konstanzer Bürgerin Brigitte Scheurich.

Gegen Goldfans helfen Kontrollen ohnehin kaum. Anlagegold wie Barren gilt als Ware. "Goldbarren müssen nicht schriftlich angemeldet werden", sagt Markus Ückert vom für Weil zuständigen Hauptzollamt Lörrach. Sie seien zoll- und steuerfrei. "Mündlich sollten Reisende Goldbarren ab 300 Euro Wert angeben", sagt Ückert. Wer mit Goldbarren erwischt wird, hinterzieht anders als bei Silberbarren keine Steuern, sondern begeht nur eine Ordnungswidrigkeit. Bußgeld? Bis zu 5000 Euro. Fänden Zöllner bei der Durchsuchung Gold, erfahre es das Finanzamt, so Ückert.

Ob das Steuerhinterzieher schreckt?

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