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Finanzexperte Bonham Carter „Ein gewisses Risiko muss man akzeptieren“

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"Unser Fokus liegt auf langfristigem Erfolg"

Wie haben Ihre Fondsmanager auf die Kursverluste reagiert?
Unser Fokus liegt auf langfristigem Erfolg. Wir versuchen nicht vorherzusagen, wohin sich die Märkte oder die Wirtschaft entwickeln werden. Darin liegen nicht unsere Wettbewerbsvorteile. Für unsere aktiven Stock-Picker können die volatilen Märkte paradoxerweise auch Investmentchancen bieten, interessante Unternehmen zu einem günstigeren Preis zu kaufen. Die Hälfte unseres Portfolios besteht aus Titeln, die wir schon seit mehr als zwei Jahren halten. Der Vorteil: Die Trading-Kosten bleiben gering.

Welche Themen sollten Investoren in den kommenden Monaten im Blick behalten?
Spannend bleiben natürlich die weiteren Schritte der Notenbanken und die Frage, wie schnell sie die Zinsen anheben. Auch das weltweite Wirtschaftswachstum muss im Blick behalten werden, aber dabei sollte man nicht nur auf die bloßen Zahlen schauen, sondern auch hinterfragen, warum es zu einer Verlangsamung kommt. Gründe sind etwa die hohen Verschuldungsraten, die demographische Entwicklung und die Digitalisierung. Es wird einige Branchen geben, in denen Menschen durch Technologie ersetzt werden.

Auch die Fondsmanager?
Absolut. Einige wurden ja schon in Folge der Verbreitung von Indexfonds ersetzt. Aktive Strategien hatten zuletzt eine längere Schwächeperiode, deshalb ist viel Geld in passive Fonds geflossen.

Fürchten Sie sich auch vor Fintechs, speziell vor Robo-Advisors?
Nein, überhaupt nicht. Sie befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium, die Computer muss noch immer jemand mit Daten füttern. Außerdem setzen sie in der Regel auf passive Produkte wie ETFs und sind deshalb keine Gefahr für uns. Ich bin davon überzeugt, dass wir durch unseren Benchmark-unabhängigen Ansatz und aktives Fondsmanagement eine Rendite oberhalb der Referenzwerte erzielen können.

Das klappt nicht bei allen Ihren Fonds, aber zum Beispiel mit einer Ihrer European Equity Strategien.
Ja, im Jupiter European Growth investiert der reine Stock-Picker Alexander Darwall in europäische Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren. Dabei hält er maximal 40 Titel in seinem Portfolio und lässt jegliche makroökonomischen Entwicklungen völlig außer Acht. Mit dem etwa 2,6 Milliarden Euro schweren Fonds hat er auf Sicht von fünf Jahren seine Referenz-Benchmark um mehr als 40 Prozent geschlagen.

Wie sieht denn Ihre private Anlagestrategie aus, käme Ihnen ein ETF ins Depot?
Ich kann verstehen, warum Menschen auf ETFs setzen. Sie eignen sich für jene, die nicht viel Zeit mit ihrer Geldanlage verbringen und nicht nach überdurchschnittlich guten Angeboten suchen wollen. Der Großteil meines Geldes ist aber in Aktien von Jupiter investiert – also recht aktiv. Dann habe ich ein Haus in London, einige Jupiter-Fonds und Bargeld. Eigentlich keine besonders raffinierte Taktik (lacht).


„Fitness steigert die Leistung bei der Arbeit“

Jupiter ist ein eher kleiner Fondsanbieter, ist es schwierig neue Kunden zu finden?
Auf dem Markt herrscht ein starker Wettbewerb. Aber gerade in Deutschland entwickeln sich etliche kleine Investment-Boutiquen und das Angebot wird stärker fragmentiert. Die Kunden vertrauen ihr Geld längst nicht mehr nur den großen Playern an. Außerdem kann Größe auch ein Nachteil sein, wenn ein Fonds zu groß ist, finden sich keine Investments mehr.

Wie kann man die breite Masse der Deutschen für Aktien und Fonds begeistern?
Unglücklicherweise müsste es einen großen Knall am Anleihemarkt geben. Doch natürlich sollte das besser nicht geschehen. Ich denke, die Begeisterung kann nur langfristig geweckt werden. Die Abneigung gegen hohe Anlagerisiken ist zu tief verwurzelt, als dass sich dies schnell ändern könnte. Kulturelle Veränderungen brauchen Zeit.

Lassen Sie uns nochmal auf Ihr Hobby zurückkommen, haben Sie gute Investmentideen, wenn Sie Rad fahren?
Das Radfahren gibt mir Zeit, über Ideen nachzudenken und darüber, was an den Märkten geschieht. Der Weg zur Arbeit ist mein Moment des Friedens zwischen dem Lärm zu Hause und dem Lärm auf der Arbeit (lacht). Zwei meiner Kinder wohnen schon auswärts, aber mein Elfjähriger ist noch da – und ein Hund.

In Arbeit
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Hätten Sie sich vorstellen können, mal Radsportprofi zu werden?
Realistisch betrachtet, wäre das für mich nicht möglich gewesen, aber es ist eine großartige Methode, um zur Arbeit zu kommen und sich zugleich fit zu halten. Daneben mache ich auch noch Yoga, das ergänzt sich sehr gut. Körperliche Fitness steigert auch die Leistung bei der Arbeit. Bei Jupiter haben wir auch schon einige Dienstwagen durch Dienstfahrräder ersetzt.

Mr Bonham Carter, vielen Dank für das Interview.

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