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Finanzmärkte Geldpolitik darf laut EZB-Vize de Guindos nicht marktabhängig sein

Nicht nur die Beobachtung der Märkte, sondern auch die weiterer Informationen bestimmt die Geldpolitik der Zentralbank, so der EZB-Vize.

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Um eine robuste Geldpolitik zu garantieren, müsste die Zentralbank etliche Informationen heranziehen, sagt der EZB-Vize. Quelle: Reuters

Die Europäische Zentralbank (EZB) darf bei ihren Entscheidungen ihrem Vizechef Luis de Guindos zufolge nicht nur die Finanzmärkte im Blick haben. Die Erwartungen an den Börsen müssten mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden, sagte er diesen Dienstag auf einem Ökonomen-Kongress in Manchester.

Um sicherzustellen, dass die EZB eine robuste Geldpolitik betreibe, müssten auch andere Informationsquellen herangezogen werden. „Wie wir immer betonen, unsere Geldpolitik ist datenabhängig nicht marktabhängig.“ Hinweise aus den Erwartungen an den Finanzmärkten könnten keine geldpolitischen Urteile ersetzen.

„Wir sind uns dessen sehr bewusst, dass unsere Kommunikation genau die Erwartungen beeinflussen, die wir als Input für unsere Entscheidungen nutzen möchten,“ sagte de Guindos. Daher müsse die Notenbank sicherstellen, dass sie ihre Beschlüsse auf Grundlage einer Vielzahl von Informationen fälle.

Die Euro-Wächter hatten auf ihrer jüngsten Zinssitzung im Juli wegen der wachsenden Sorgen um die Konjunktur bereits wichtige Weichen für eine erneute Lockerung ihrer Geldpolitik gestellt. Sie verständigten sich darauf, eine Vielzahl von geldpolitischen Schritten auszuloten, darunter Zinssenkungen und erneute Anleihenkäufe. An den Finanzmärkten wird derzeit damit gerechnet, dass die Notenbank auf ihrer Sitzung am 12. September ihren Einlagensatz noch tiefer senkt. Er ist bereits seit 2014 negativ. Banken müssen somit seitdem Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken.

Auf der Veranstaltung wurde de Guindos auch danach gefragt, wie es mit den Negativzinsen weitergeht. „Mal sehen was künftig passiert,“ sagte er. Die EZB müssten nicht aggressiv handeln aber mit viel Entschlossenheit. „Der Punkt ist sehr, sehr, sehr, sehr klar. Wir werden niedrige Zinsen für eine längere Zeit haben.“

Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der Einlagensatz steht seitdem bei minus 0,4 Prozent. Die EZB hatte im Juli ihren geldpolitischen Ausblick verändert und fasst nun auch die Möglichkeit noch tieferer Zinsen ins Auge. Bislang wollte sie diese noch mindestens bis zur Jahresmitte 2020 stabil halten.

Mehr: Griechenland hat eine lange Periode der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit hinter sich. Der Finanzminister will nun das gesamte Steuersystem reformieren.

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