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Finanzsektor Entlastung für die Geschäftsführung der KfW-Tochter Ipex vorerst aufgeschoben

Eine Untersuchung, ob die Ipex Bank bei einer Kreditvergabe an Wirecard sorgfältig gearbeitet hat, ist noch nicht abgeschlossen.

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Viele Banken hatten dem Zahlungsdienstleister einst Kredite gewährt – und dadurch viel Geld verloren. Wirecard hatte im Juni 2020 Insolvenz angemeldet. Quelle: dpa

Die Geschäftsleitung der KfW-Tochter Ipex Bank muss vorerst auf Entlastung und Boni für das vergangene Geschäftsjahr warten. Grund ist eine Untersuchung zur Kreditvergabe an die zusammengebrochene Wirecard AG, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen.

Die Entscheidung über die Entlastung der Geschäftsführung wird „aufgeschoben, bis dieses Ergebnis vorliegt“, bestätigte ein KfW-Sprecher am Mittwoch auf Nachfrage der Agentur Bloomberg. „Das Vorgehen befindet sich damit in Gleichlauf mit der von der Geschäftsführung angebotenen Verschiebung der Entscheidung über die variable Vergütung der Geschäftsführung für 2020 auf einen Zeitpunkt nach dem Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung.“

Dem Sprecher zufolge gebe es aus den Untersuchungen bisher keine Anzeichen dafür, dass die Ipex und ihre Geschäftsführung nicht hinreichend sorgfältig gehandelt hätten. Gleichzeitig entspreche es guter Governance, das Ergebnis der Untersuchung der vom Aufsichtsrat beauftragten Kanzlei abzuwarten.

Die Ipex Bank hatte Wirecard im September 2018 eine Kreditlinie in Höhe von 100 Millionen Euro gewährt. Die Finanzierung wurde 2019 verlängert und vollständig in Anspruch genommen. Später rutschte Wirecard in die Zahlungsunfähigkeit. Früheren Angaben zufolge gab es keine Absicherungsgeschäfte, um die Bank vor Verlusten zu schützen.

Viele Banken haben Verluste durch den Wirecard-Skandal erlitten

Der scheidende KfW-Chef Günther Bräunig hatte bereits im vergangenen Monat gesagt, die Ipex Bank habe bei der Kreditvergabe an Wirecard „nach allem, was wir heute wissen, sorgfältig gearbeitet“.

Die KfW ist nicht die einzige deutsche Bank mit Wirecard-Verlusten. Weitere Kreditgeber waren unter anderem ABN Amro Bank, Commerzbank und die ING Groep. LBBW-Chef Rainer Neske sprach von einem „gigantischen Betrug“ nachdem er eine Belastung von 160 Millionen Euro aus geplatzten Krediten an das Unternehmen verbuchen musste. „So ein Verlust geht nicht spurlos an einer Bank vorbei“, sagte er vergangene Woche.

Der Linken-Poltiker Fabio De Masi forderte unterdessen am Mittwoch Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Ipex-Aufsichtsratsmitglied, auf, sein Mandat in dem Gremium vorerst ruhen zu lassen - wegen seines angeblichen Engagements für eine Rettung von Wirecard.

Im Umfeld des Wirecard-Skandals hatte sich die KfW auch von ihrem Wirtschaftsprüfer Ernst & Young getrennt. Das Unternehmen steht als ehemaliger Prüfer von Wirecard seit Monaten unter Beschuss. Ab dem Jahr 2022 übernimmt Deloitte die Abschlussprüfung bei der KfW.

Wirecard galt einst als eines der erfolgreichsten aufstrebenden Unternehmen Deutschlands. Es musste allerdings Insolvenz anmelden, nachdem aufflog, dass 1,9 Milliarden Euro an angeblichen Mitteln gar nicht existierten.

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