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Finanzstabilitätsbericht Bundesbank warnt vor zu großer Sorglosigkeit

Die Bundesbank stellt ihren Finanzstabilitätsbericht vor und sagt Unternehmen wie Verbrauchern: Augen auf! Aufschwung und niedrige Zinsen seien nicht von unbegrenzter Dauer. Auch die Banken könnten Probleme bekommen.

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„Die Banken müssen sich vor allem für den Fall eines Zinsanstiegs rechtzeitig wappnen“, fordert das Vorstandsmitglied der Bundesbank. Quelle: dpa

Frankfurt Die Bundesbank warnt vor Sorglosigkeit angesichts der boomenden Konjunktur. Es bestehe die Gefahr, dass Risiken für die Finanzstabilität unterschätzt würden, schreibt die Notenbank in ihrem „Finanzstabilitätsbericht 2017“, der am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde.

Weil der Aufschwung schon seit Jahren andauere und die Zinsen anhaltend niedrig seien, könnten die Wirtschaftsakteure zunehmend davon ausgehen, dass sich die positive Entwicklung nahtlos in die Zukunft fortschreiben lasse. „In diesem vorteilhaften Umfeld sind die Marktteilnehmer anfällig gegenüber unerwarteten Entwicklungen“, erklärte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. „Risiken aus Neubewertungen, Zinsänderungen und Kreditausfällen können gleichzeitig eintreten und sich gegenseitig verstärken“.

Zudem treibt die Bundesbank-Experten die Sorge um, dass die Widerstandsfähigkeit etwa von Banken gegen mögliche Schocks überschätzt werden könnte – auch wenn die Institute seit der letzten Finanzkrise 2007/2008 deutlich dickere Kapitalpolster haben. Die Risikovorsorge etwa für mögliche Kreditausfälle sei derzeit auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Gerade kleinere und mittlere Banken könnten nach Einschätzung der Bundesbank Probleme bekommen, sollte sich das derzeit extrem niedrige Zinsniveau zu rasch ändern. „Die Banken müssen sich vor allem für den Fall eines Zinsanstiegs rechtzeitig wappnen“, forderte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.

Die EZB hält schon seit längerem ihre Geldschleusen weit offen. Im November beschloss sie zwar, ab Januar ihre monatlichen Anleihenkäufe auf 30 Milliarden Euro zu halbieren. Die Transaktionen wurden aber bis mindestens Ende September 2018 verlängert. Zudem bestätigt sie, dass ihre Schlüsselzinsen noch weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau liegen werden. Der Leitzins liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von Null Prozent - der Einlagensatz sogar bei minus 0,4 Prozent. Experten rechnen erst 2019 mit einer ersten Zinsanhebung der Euro-Hüter.

Der kräftige Anstieg der Immobilienpreise beschränkt sich nach Angaben der Bundesbank mittlerweile nicht mehr nur auf die deutschen Großstädte, sondern trifft auch immer mehr kleinere Städte und Gemeinden. „Der Preisanstieg nimmt auch in der Fläche zu“, sagte Buch. Nach wie vor ächzen jedoch in erster Linie Käufer von Eigentumswohnungen in den Metropolen unter teilweise massiven Preiserhöhungen. Modellrechnungen der Bundesbank kämen hier zu Übertreibungen von durchschnittlich bis zu 30 Prozent.

Im Schnitt stiegen die Preise für Wohnimmobilien nach Daten der deutschen Notenbank zuletzt um 6,1 Prozent. „Ein Großteil dieses Preisanstiegs ist durch Fundamentalfaktoren zu erklären wie die gute wirtschaftliche Lage oder eine erhöhte Nachfrage“, so Buch. 2016 hatte die Bundesbank noch Übertreibungen von bis zu 20 Prozent in den Großstädten berechnet. In einigen Orten - allen voran München - liegt der Anstieg in besonders gefragten Lagen deutlich darüber.

Am deutschen Immobilienmarkt sieht die Bundesbank trotz teils kräftig gestiegener Preise noch keine gefährlichen Übertreibungen. Es gebe nach wie vor keine Anzeichen für eine kreditgetriebene Preisblase bei Häusern und Wohnungen - auch wenn die Preise insbesondere in Städten teils um 15 bis 30 Prozent über einem angemessenen Niveau lägen.

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