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Flugzeugfinanzierung Deutsche Banken vor Milliarden-Risiko wegen Flugzeugkrediten

Die Finanzierung von Flugzeugen gehört zum Geschäftsmodell von Groß- und Landesbanken. In Folge der Coronakrise kommt es dabei gleich zu zwei Problemen.

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Weil Käufer für Flugzeuge derzeit nur schwer zu finden sind, eignen sie sich nicht für Banken als Sicherheit. Quelle: dpa

Der erneute Anstieg der Corona-Fallzahlen weltweit setzt Airlines und damit auch die großen deutschen Regionalbanken unter Druck. Sie haben mindestens 15 Milliarden Euro für die Finanzierung von Flugzeugen verliehen, zeigen Bloomberg-Berechnungen. Die Aufsicht ist alarmiert.

Bei der DekaBank liegt der Anteil notleidender Kredite in der Flugzeugfinanzierung bei 7,7 Prozent. Die KfW Ipex-Bank verzeichnet einzelne Stundungen und Insolvenzverfahren. Und die NordLB, die vergangenes Jahr wegen fauler Schiffskredite gerettet werden musste, kommt auf ein Flugzeugportfolio von etwa 4 Milliarden Euro.

„Die Flugzeugfinanzierung gehört zum Geschäftsfeld der Großbanken und der Landesbanken, die damit stärker von diesen Risiken betroffen sind“, sagte Finanzmarkt-Experte Markus Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, gegenüber Bloomberg.

Seinen Worten zufolge ergeben sich wegen der Coronakrise und dem Einbruch des Reisemarktes für die Banken zwei Probleme in der sonst risikoarmen Finanzierung von Flugzeugen. Zum einen wurden die Risiken womöglich unterschätzt und die Kredite deshalb mit zu wenig Eigenkapital unterlegt. Da eine Pandemie dieses Ausmaßes sehr selten auftrete, sei sie in den Daten zur Berechnung der Kreditausfallrisiken oft nicht enthalten.

Zum anderen würden sich Flugzeuge bei Ausfällen derzeit nur noch schwer als Sicherheit verwenden lassen. Weil alle Airlines gleichermaßen von der Pandemie betroffen sind, seien Käufer für Flugzeuge schwer zu finden.

Die Bafin ist sich der Risiken bewusst. In einem Interview mit dem Handelsblatt, sagte Bafin-Chef Felix Hufeld Anfang des Monats, die BaFin nehme die Flugzeugfinanzierungen besonders bei großen Banken intensiv unter die Lupe. Darüber hinaus wollte sich die Behörde jedoch nicht äußern.

Exportgarantien

Die Banken verweisen darauf, dass die Flugzeugkredite teilweise durch Exportgarantien oder andere Mechanismen abgesichert seien und bereits Maßnahmen ergriffen wurden.

So erklärte NordLB-Chef Thomas Bürkle, dass die Hälfte des Flugzeug-Portfolios mittels Landesgarantien und Verbriefungen abgeschirmt sei. Dadurch belaufe sich das Netto-Exposure nur auf 1,9 Milliarden Euro. „Das ist nicht vergleichbar mit unserem früheren Schiffsportfolio“, sagte er. Zugleich gestand er ein, dass ein „beträchtlicher Anteil“ der Risikovorsorge dieses Jahr auf Flugzeuge entfallen werde.

Bei der Deka, deren Flugzeug-Portfolio Ende September rund 3,1 Milliarden Euro betrug, sind 340 Millionen Euro durch Exportgarantien abgedeckt. Die Summe der notleidenden Kredite beträgt 238 Millionen Euro. „Aktuell rechnen wir nicht mit weiteren Kreditausfällen oder einem signifikanten Anstieg der Kreditrisiken“, sagte ein Sprecher. „Aufgrund der umfangreichen Stützungsprogramme durch die nationalen Regierungen verfügen die von uns finanzierten Airlines über hohe Liquiditätsreserven für die nächsten sechs bis zwölf Monate.“

Von einer Sprecherin der KfW Ipex hieß es, die Quote der notleidenden Kredite sei „deutlich angestiegen“. Die schwierige Lage der Airline-Branche zeige sich im 5,4 Milliarden Euro schweren Portfolio der Bank. Man habe frühzeitig entsprechende Maßnahmen ergriffen und beispielsweise Wertberichtigungen gebildet, sagte sie.

Mehr Vorsorge

Ebenfalls aktiv in der Flugzeugfinanzierung sind die Helaba mit einem Portfolio von 2,9 Milliarden Euro, für das sie bislang eine Risikovorsorge in zweistelliger Millionenhöhe gebildet hat und die LBBW mit einem Portfolio von über 600 Millionen Euro. Die BayernLB, bei der dieses Geschäft im Zuge der EU-Beihilfegenehmigung komplett eingestellt worden ist, engagiert sich inzwischen wieder in diesem Bereich.

Neue Finanzierungen für Flugzeuge schließen die Banken wegen der schwachen Nachfrage im internationalen Reisegeschäft schon seit Monaten kaum noch ab. „Wir haben im ersten Quartal dieses Jahres das letzte Neugeschäft geschrieben“, sagte etwa NordLB-Chef Bürkle.

Experte Markus Demary rät den Banken sich stärker auf Ausfälle vorzubereiten: „Da sich zur Zeit die Flugzeuge nur schwer als Kreditsicherheiten verwerten lassen und die Pandemie noch nicht überwunden ist, sollte hier Risikovorsorge betrieben werden“.

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