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FMH-Kreditkarten-Vergleich Praktisch, nicht billig

Bei Reisen außerhalb Europas gelten Kreditkarten als gute Alternative, um Einkäufe zu bezahlen und Bargeld zu beschaffen. Allerdings droht hier die Kostenfalle: Manche Unternehmen verlangen hohe Gebühren. Ein Vergleich.

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Visa, Mastercard und Co: Kreditkarten im Vergleich Quelle: Getty Images

Köln Die Deutschen befinden sich im Dauer-Reisefieber. Nur knapp ein Viertel der Bundesbürger urlaubt in heimischen Gefilden zwischen Sylt und Allgäu, die meisten zieht es in die Ferne. Geschäftsreisen führen ebenfalls oft ins Ausland. In all diesen Fällen stellt sich die Frage: Wie komme ich vor Ort an Geld? Bargeldeinfuhren sind häufig nur begrenzt erlaubt und sinnvoll, Bankkarten funktionieren fern der Heimat lediglich eingeschränkt.

Kreditkarten gelten deshalb für Vielreisende als wichtigstes Zahlungsmittel weltweit. Allerdings unterscheiden sich die für die Nutzung im außereuropäischen Ausland erhobenen Gebühren deutlich, wie eine aktuelle Übersicht der FMH-Finanzberatung zeigt. „Es lohnt sich, bei den Gebühren genau hinzuschauen“, sagt FMH-Chefin Sigrid Herbst.

Die Experten von FMH haben die Grundpreise und Gebühren ausgewertet, die fällig werden, sobald mit der Kreditkarte in fremder Währung bezahlt oder Bargeld abhoben wird. Beim Abheben von Bargeld berechnen die Bankhäuser, die die Karten ausgeben, ein sogenanntes Auslandseinsatzentgelt (AEE) für die Umrechnung der Fremdwährung in Euro. Am Geldautomaten kommen je nach Anbieter weitere Kosten hinzu.

Zur besseren Vergleichbarkeit haben die Finanzexperten ein konkretes Fallbeispiel unterstellt, bei dem der Kreditkartennutzer dreimal ins außereuropäische Ausland reist, jeweils für umgerechnet 200 Euro Bargeld am Geldautomaten abhebt und zudem je einen Einkauf in Höhe von umgerechnet 800 Euro in der Fremdwährung mit seiner Kreditkarte bezahlt.

Die günstigste Karte in der FMH-Auswertung ist bei diesem Szenario die 1plus-Visa-Card der Santander Consumer Bank. Das Institut erhebt für die Kreditkarte weder einen Grundpreis, noch fallen im Ausland beim Bezahlen oder beim Geldabheben am Automaten irgendwelche Gebühren an. Beim Zweitplatzierten, der Mastercard Gold der Advanzia Bank, entstehen lediglich Kosten für das Geldabheben am Automaten, die sich in dem FMH-Szenario auf überschaubare 5,19 Euro summieren.

Bei allen anderen Karten müssen Kunden deutlich mehr berappen: Das Bezahlen im Geschäft mit der Goldcard der Hanseatic Bank kostet beispielsweise zwei Prozent der Einkaufssumme und würde für die drei Reisen allein mit 48 Euro zu Buche schlagen. Zudem lohnt die Karte sich nur, wenn der Kunde sie auch regelmäßig nutzt. Bleibt sein Jahresumsatz unter 3.000 Euro, bezahlt er ab dem zweiten Jahr zusätzlich einen Grundpreis von 45 Euro.

Einige Banken bieten verschiedene Kreditkartenvarianten an. In diesem Fall sollte der Verbraucher besonders genau hinschauen, wie die Untersuchung zeigt: Das Schlusslicht in der FMH-Tabelle der günstigsten Kreditkarten für Vielreisende stammt genauso wie der Vergleichssieger von der Santander Consumer Bank. Für deren Sunnycard würden in dem Beispielszenario 73,50 Euro fällig.


Vorsicht bei Fremdwährungen

Vor allem das Abheben von Fremdwährungen am Automaten führt hier zu erheblichen Kosten: 3,5 Prozent der abgehobenen Summe und mindestens 5,75 Euro stellt die Bank in Rechnung, zuzüglich weiterer 1,75 Prozent Auslandseinsatzentgelt. Solch eine Karte kann unter dem Strich dennoch günstiger als bei der Konkurrenz sein. Das ist dann der Fall, wenn der Kunde seine Kreditkarten-Außenstände nicht in einem Rutsch mit einer monatlichen Abrechnung begleicht, sondern in Raten zurückzahlt. Diese Möglichkeit bieten grundsätzlich sogenannte Revolving-Kreditkarten.

Bei der Sunnycard sind die ersten sechs Monate zinsfrei, danach zahlt der Kunde 10,39 Prozent Zinsen pro Jahr. Das klingt nicht gerade billig, ist im FMH-Vergleich mit den anderen Kreditkarten aber mit Abstand der niedrigste Zins. Zum Vergleich: Die bei den Auslandsgebühren vergleichsweise günstige Mastercard Gold der Advanzia Bank verlangt 18,36 Prozent Teilzahlungs-Sollzins.

Wer keine Geldprobleme hat, sollte auf solche Ratenzahlungen ganz verzichten und den Sollzins möglichst umgehen. „Die Zinssätze sind irrsinnig hoch. Eine solche Ratenzahlung in Anspruch zu nehmen sollte stets die letzte Alternative sein“, sagt Finanzexpertin Herbst. Schließlich sind andere Formen von Krediten deutlich günstiger. Banken verlangen derzeit Dispozinsen von um die neun Prozent. Ratenkredite kosten je nach Laufzeit etwa 4,0 bis 4,5 Prozent Zinsen.

In einem weiteren Vergleich haben die FMH-Experten Konditionen von Kreditkarten ausgewertet, die Banken in Kombination mit einem kostenlosen Girokonto anbieten. Bei diesen Karten sind Ratenzahlungen die Ausnahme, dafür sind die Gebühren für die Nutzung im Ausland im Durchschnitt niedriger. Extrakosten für Barabhebungen am Geldautomat fallen etwa bei keiner einzigen der ausgewerteten Kreditkarten an.

Bei der erstplatzierten Visa-Card der DKB Bank sind im Ausland auch sonst keinerlei Kosten zu erwarten. Voraussetzung ist allerdings, dass auf dem zugehörigen Girokonto monatlich mindestens 700 Euro eingehen. Andernfalls zahlt der Kunde bei Transaktionen in Fremdwährungen ein Auslandseinsatzentgelt von 1,75 Prozent.

Bei der zweiplatzierten Visa Classic der Wüstenrot Direct zahlen Kunden pauschal 1,5 Prozent pro Bezahlvorgang. Das ergibt für die drei beispielhaften Reisen Gesamtkosten von 36 Euro. Wer die Karte nur sporadisch nutzt, muss noch höhere Kosten einkalkulieren: Ab dem zweiten Jahr verlangt die Direktbank einen jährlichen Grundpreis von 19 Euro, wenn die Karte nicht mindestens 2.000 Euro Jahresumsatz verbucht.

Den dritten Platz im Banken-Kartenvergleich teilen sich die Mastercard der Norisbank, die Visa Card Classic des 1822-Mobile-Girokontos und die Visa-Karte der Comdirect Bank. Sie alle verlangen 1,75 Prozent Gebühr pro Fremdwährungseinkauf und kommen damit im FMH-Szenario auf Gesamtkosten von 42 Euro.

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