Fondspolicen im Vergleich Mehr Rente mit Spezial-Investments

Eine Rendite von 50 Prozent erzielte der beste Fonds für indische Aktien in den vergangenen zwölf Monaten. Elf Prozent schafften Top-Fonds für Schwellenländeranleihen. Wie Altersvorsorge-Sparer davon profitieren.

Junge Anleger sind kritisch - und wissen was sie wollen. Quelle: Getty Images

Kennen Sie das? Sie halten eigentlich nicht viel von Kürbissuppe, aber sie sind eingeladen und können nur noch verhindern, dass ihnen die Gastgeber noch eine zweite Kelle auffüllen. Sie nehmen also heldenhaft den ersten Löffel und sind überrascht: Die Suppe schmeckt ganz anders als erwartet. Sie ist ungewöhnlich fein und vor allem interessant gewürzt.

In der Geldanlage ist es ähnlich wie beim Kochen – eigentlich können sich Anleger zurücklehnen, die breit investierende Aktien- und Rentenfonds je nach Risikoneigung optimal gemischt haben. Denn sie haben ihr Portfolio fürs Erste fertig aufgebaut. Doch eine gute Beimischung kann wie das Salz in der Suppe sein: Anleger aller Risikoklassen können damit ihr Portfolio noch attraktiver machen.

Einerseits macht es Sinn, einen geringen Teil des Vermögens in chancenreiche Anlagen zu investieren und damit von Trends auf kleineren Märkten zu profitieren. Andererseits können sie in sogenannte alternative Anlagen investieren, deren Kurse sich relativ unabhängig von Aktien- und Anleihenmärkten entwickeln und damit Risiken noch breiter streuen.

Besonders hohe Renditen erzielte in den vergangenen zwölf Monaten etwa der Aberdeen Global Indian Equity Fund. Vor allem ein Regierungswechsel katapultierte die Börse auf dem Subkontinent in neue Höhen und der Fonds legte um 51 Prozent zu.

Auf Drei-Jahres-Sicht zählt der Franklin Biotechnology Fund mit durchschnittlich 46 Prozent Jahresplus zu den Besten. Besonders attraktiv für Sicherheitsorientierte war der Emerging-Markets-Bond-Fund von Aberdeen. Er erzielte auf Fünf-Jahres-Sicht elf Prozent Plus per annum. Alle drei wurden im Fondstacho der Ratingagentur Assekurata mit „sehr gut“ bewertet.


Mehr Rendite für Risikoorientierte

Denn egal ob chancen- oder sicherheitsorientiert: Dieser Fondsvergleich hilft, aussichtsreiche Produkte in Fondspolicen auszumachen. Die Experten haben dafür das Fondsangebot von 38 Tarifen fondsgebundener Rentenversicherungen für chancen- und sicherheitsorientierte Beimischungen untersucht. Neben diesem Fondsangebot haben sie in ihrer Analyse auch 30 von insgesamt 66 Fonds des Segments Aktien Emerging Markets mindestens mit „gut“ bewertet. Sie eignen sich als Beimischungen für ausgewogene und chancenorientierte Portfolios.

Für die Note „sehr gut“ benötigen die Fonds mindestens 76 von 100 Punkten, für „gut“ sind mindestens 61 zu holen. In die Bewertung jedes einzelnen Fonds flossen zu jeweils 30 Prozent Kennzahlen zur Rendite und Risikoentlohnung ein. Weitere jeweils 20 Prozent bestimmen Risiko und Reaktionsvermögen der Fonds.

Große Auswahl für Chancenorientierte

Unterm Strich bieten sich vor allem für Chancenorientierte interessante Möglichkeiten. Denn neben den Optionen für Emerging-Markets-Fonds können sie auch noch 72 Aktienfonds für Marktnischen wählen, die mit mindestens „gut“ bewertet wurden.

Die Palette reicht hier von Fonds, die vor allem auf Aktien einer Branche setzen, über Regionen-Fonds bis zu Fonds für einzelne Länder, wie etwa den deutschen Aktienmarkt. „Das Angebot der Branche überzeugt. Fast jeder Versicherer stellt hierzu geeignete Anlagemöglichkeiten bereit“, sagt Reiner Will, Gründer und Geschäftsführer von Assekurata.

Doch Achtung: Bei engen Märkten ist es wichtig, die Geschehnisse im Blick zu haben und Fonds regelmäßig auszutauschen. Einfach auf die Bestperformer des Vorjahres zu setzen, ist gefährlich. Das zeigt das Beispiel Japan. Dieser Markt gehörte 2013 zu den besten Performern. Denn Ministerpräsident Shinzo Abe hatte ein erfolgreiches Reformprogramm gestartet.

In diesem Jahr musste er jedoch die Steuern erhöhen. Während der Leitindex Nikkei 2013 von 10.600 auf fast 16.300 Punkte stieg, legte er in diesem Jahr nur noch nach der Ankündigung von Neuwahlen im Oktober um etwa 1.000 Punkte zu. Gerade bei engen Märkten hält die Euphorie also oft nicht sehr lange an.

Gute Chancen auch für 2015

Es ist natürlich schwierig, Kursraketen von morgen schon heute zu entdecken. Aber auch im nächsten Jahr könnte es auf einigen Märkten spannend werden: So stehen etwa wichtige Wahlen an in Japan, Nigeria, Ägypten, der Türkei, in Großbritannien, Spanien und Portugal. China hat zudem kürzlich seinen Aktienmarkt für ausländische Investoren geöffnet und US-Investmentfirmen wollen 40 neue Fonds für chinesische Aktien und Anleihen auf den Markt bringen.


Die besten Aktien-Beimischungen

Ein hoher Kapitalzufluss könnte der Börse Schanghai ebenso Impulse verleihen wie das solide Wachstum der US-amerikanischen Volkswirtschaft. Denn die USA zählen zu den größten Nachfragern für chinesische Exportgüter.

Aber auch deutsche Aktien haben Potenzial, finden etwa Experten der Deutschen Bank. Sie verweisen auf solide Bewertungen von sogenannten zyklischen Aktien, deren Kurse mit der Besserung der Konjunktur steigen. Es gibt derzeit also einige Strategien, auf die Chancenorientierte setzen können. Dazu können Vorsorge-Sparer aus interessanten Fonds wählen:

Bei chinesischen Aktienfonds steigt die Rendite

So setzt der Newton Asian Income Fund auf dividendenstarke Aktien der Region. Er ist über Condor erhältlich und erzielte in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 17 Prozent plus per annum. Der beste China-Fonds im Ranking kommt von Fidelity und schaffte im selben Zeitraum „nur“ ein durchschnittliches Jahresplus von 6,2 Prozent.

Dass die Chancen steigen, deutet die Performance im laufenden Jahr an, die bereits jetzt bei 15 Prozent liegt. Der MFS European Small Cap Fund ist der Spitzenreiter im Rating für kleine und mittelgroße Aktien, die in einem Börsenzyklus meist etwas später durchstarten. Er ist über Policen von Axa und der DBV erhältlich und schaffte im selben Zeitraum durchschnittlich 18,4 Prozent Performance.

Für ausgewogene Portfolios ist es zudem interessant, Schwellenländeraktien beizumischen. Denn diese Volkswirtschaften wachsen erheblich schneller als die Ökonomien der etablierten Märkte. Daher ist das Umfeld für Unternehmen besser, um Gewinne zu erzielen. Das Potenzial für die Aktienkurse ist damit höher. Doch die Kurse schwanken auch stärker als in den etablierten Märkten. Viele Anleger, die einen weltweiten Aktienfonds halten, sind bereits investiert.

Null Prozent Anteil fahren jedoch alle, die lediglich europäische und amerikanische Aktienfonds halten. Bei weltweiten Fonds sind indexnahe Produkte oft ebenfalls nicht in diese Länder investiert. Denn trotz der hohen Wirtschaftsleistung beträgt der Anteil von Schwellenländeraktien am weit verbreiteten Index MSCI World weniger als zwei Prozent.

Breit investierende Emerging-Markets-Fonds sind die erste Wahl

Für den Aufbau ausgewogener Portfolios bevorzugen Anleger breit investierende Varianten, bei denen Manager das Geld auf viele verschiedene Märkte aufteilen können. Knapp 14 Prozent per annum schaffte etwa der mit „sehr gut“ bewertete First State Emerging Markets Leader Fund, der auch im kurz- und mittelfristigen Zeitraum seinen Vergleichsindex hinter sich ließ. Spitze sind auch die Emerging Markets Fonds von Vontobel, Comgest und Aberdeen sowie der seit 1994 von Vincent Strauss verantwortete Magellan.


Die besten Emerging-Marktes-Fonds

Hingegen sind Fonds mit dem Zusatz „Frontier Markets“ deutlich riskanter. Sie setzen einen Schwerpunkt auf Aktien des Mittleren Ostens und Afrikas. Das war zwar in den vergangenen drei Jahren sehr lukrativ, zeigt beispielsweise der Schroder ISF Frontier Markets, der in dieser Zeit jährlich 25,7 Prozent verdient hat.

Aber die Risiken sind in diesen Märkten enorm. Daher sollten nur chancenorientierte Anleger zugreifen. Auch bei sogenannten Bric-Fonds ist Vorsicht geboten. Denn ihre Manager kaufen ausschließlich Aktien aus Brasilien, Russland, Indien und China, die nach einer Studie von Goldman Sachs als jene Volkswirtschaften gelten, die durch ihr hohes Wachstum etablierte Märkte wie Japan, Deutschland und die USA rasch überholen werden. Selbst wenn diese These stimmt, ist eine Beschränkung im Portfolio wenig sinnvoll.

Etwas weniger Auswahl haben Sicherheitsorientierte. 56 Rentenfonds, die sich als Beimischung eignen, stehen bei den 38 untersuchten Fondspolicen zur Auswahl. 23 davon wurden mindestens mit „gut“ bewertet. Sie sind bei insgesamt 20 Anbietern erhältlich.

Auch bei Anleihen punkten derzeit Schwellenländer

Aber auch Sicherheitsorientierte können ihre Performance mit ausgewählten Beimischungen verbessern. Zu den Klassikern zählen hier Emerging-Markets-Bond-Funds. Der einzige mit „sehr gut“ bewertete Fonds unter den Beimischungen für Konservative ist ein solches Produkt. Es wird von der Fondsgesellschaft Aberdeen verwaltet und ist über Cosmos erhältlich.

Das Portfolio schaffte hier innerhalb von fünf Jahren 11,4 Prozent plus. Im laufenden Jahr liegt die Performance bereits bei 17,5 Prozent. Gute Produkte dieser Anlageklasse sind auch in den Policen der Bayern Versicherung, Vorsorge, Standard Life, Targo und Aachen Münchener enthalten.


Die besten Beimischungen für Konservative

Ein anderer Klassiker sind Corporate-Bond-Funds, die ausschließlich auf Anleihen setzen, die von Unternehmen emittiert werden. Spitzenreiter im Ranking ist hier ein Fonds aus dem Hause Henderson, der durchschnittlich neun Prozent plus per annum im Fünf-Jahres-Vergleich schaffte und über die Nürnberger erhältlich ist.

Auch Bayern-Versicherung, Nürnberger, Targo, R+V, Generali , Ergo und PB Leben bieten gute Produkte an. Durchschnittlich zehn Prozent über denselben Zeitraum schaffte der beste High-Yield-Fonds im Ranking. Diese Fonds investieren vor allem in Unternehmensanleihen mit einer Bonität, die unter Investment-Grade liegt. Diese Fonds sind daher riskanter, können aber stärker von einer Höherstufung der Bonität profitieren.

Last, but not least können alle Investoren ihr Risiko im Portfolio durch die Beimischung von alternativen Investments stärker streuen. Als Klassiker gelten hier Hedgefonds, Immobilien (Real Estate), Rohstoffe und Investments in die Infrastruktur. Entsprechende Produkte finden sich in der Liste der Beimischungen für Chancenorientierte.

Nur wenige alternative Investments für Sicherheitsorientierte

Aus diesem Bereich eignen sich hingegen nur drei Produkte: Der offene Immobilienfonds Hausinvest (ISIN DE0009807016), der über die Barmenia bezogen werden kann und im Rating 72 Punkte erreicht hat. Anleger müssen allerdings wissen, dass dieser Fonds in den vergangenen Jahren nur zwischen zwei und drei Prozent Rendite pro Jahr erzielt hat und dass es schwierig ist, aus diesem Fonds auszusteigen.

Wer Anteile kauft, muss sie nach einer Gesetzesänderung für Fonds dieser Klasse mindestens zwei Jahre halten und Verkaufsabsichten monatelang vorher ankündigen. Die ebenfalls mit „gut“ bewerteten Hansawerte (DE000A0RHG59) und LBBW Rohstoffe (DE000A0NAUG6) sind Fonds, die direkt auf den Anstieg von Rohstoffpreisen setzen. Sie sind über die Barmenia, Condor, Cosmos und Iduna zu beziehen.

Auch wenn unterm Strich Prognosen für Anlagestrategien schwierig bleiben: Astrologisch gesehen steht das Jahr 2015 offenbar unter einem guten Stern. Denn im chinesischen Kalender ist es das Jahr der Holz-Ziege. Und damit dürfen wir uns auf harmonische Zeiten freuen. Denn die Ziege steht für Sanftmut, Frieden und Kooperation, das Holz für Kreativität und Produktivität. Gute Aussichten also für die vielen politischen Konflikte unserer Zeit, die nicht nur die Märkte immer wieder erschüttern.


Tabelle I: Die besten Renten-Beimischungen


Tabelle II: Die besten Aktien-Beimischungen


Tabelle III: Die besten Schwellenländer-Beimischungen


Alle Teile der Serie zu den Fondspolicen

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