Franken-Kredite Polen will auf Zwangsumtausch verzichten

Die polnische Regierung will Insidern zufolge auf den Zwangsumtausch von Franken-Krediten verzichten – ein Gewinn für die angeschlagene Commerzbank, deren polnische Tochter jene Kredite vertrieben hat.

In den Jahren 2007 und 2008 hatten rund 500.000 Polen Hypotheken zu niedrigen Zinsen in Franken aufgenommen. Inzwischen ist der Franken zum Zloty aber um gut 80 Prozent gestiegen. Quelle: Reuters

WarschauPolen will einem Insider zufolge bei den Problemen mit Franken-Krediten auf einen zunächst geplanten Zwangsumtausch verzichten. Allerdings sähen die Pläne durchaus ein Druckmittel vor, um eine größere Kooperationsbereitschaft der Banken bei den Bedingungen für eine Umwandlung von Darlehen zu erreichen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Zentralbank-Chef Adam Glapinski werde dazu wohl einen Mechanismus vorschlagen, der unter anderem die Kapitalanforderungen betreffe. Als Reaktion auf den möglichen Verzicht auf einen Zwangsumtausch legten die Aktien der polnischen Banken deutlich zu. Das Präsidialamt will die Pläne noch am Dienstag vorstellen.

Für die Banken, die solche Kredite bereitstellten, sind das gute Nachrichten – allen voran für die gebeutelte Commerzbank, die am Dienstag ihre Gewinnziele kassierte. Ihre polnische Tochter, die M-Bank, gehört zu jenen Instituten, die in den vergangenen Jahren so genannte Frankenkredite an die polnischen Bürger gebracht hatte. Finanzchef der Commerzbank, Stephan Engels, sagte in einem Analystengespräch am Dienstag, dass die Bank „auf keinen Fall” die polnische Tochter verkaufen wolle.

Der Verzicht der polnischen Regierung auf Zwangsumtausch würde das Kreditinstitut entlasten. In den Jahren 2007 und 2008 hatten rund 500.000 Polen Hypotheken in der Schweizer Währung aufgenommen, da dafür deutlich geringere Zinsen fällig wurden. Inzwischen ist der Franken zum Zloty aber um gut 80 Prozent gestiegen - die Schuldenlast der Hausbauer stieg dadurch massiv an. Berater von Präsident Andrzej Duda hatten empfohlen, auf eine freiwillige Lösung zu setzen.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte Polen vor einem Zwangsumtausch. Dies könnte das Finanzsystem untergraben und die Wirtschaft ausbremsen. Stattdessen sollte der Staat fallweise unter Druck geratene Hypothekenschuldner unterstützen. Duda wollte ursprünglich die Bürger entlasten und die Banken zwingen, die Kredite in Zloty umzuschreiben. Gemeinsam mit anderen Eigentümern polnischer Kreditinstitute – darunter auch die Deutsche Bank und die österreichische Raiffeisen Bank – wehrte sich die Commerzbank dagegen.

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