Führungsstil Wenn der Boss schlechte Laune hat

Chefs sollte immer bewusst sein, dass sich ihre Stimmung auf die Mitarbeiter auswirkt. Eine Studie zeigt, wie Bosse die richtigen Signale setzen.

ührungskräfte sollten lernen, welche Kurzinterventionen ihnen dabei helfen, schnell (wieder) in eine neutral-positive Grundstimmung zu kommen. Quelle: Getty Images

BonnSo absurd es klingt: Videos von drolligen kleinen Kätzchen können ein Schlüssel zum Management-Erfolg sein. Denn ein gut gelaunter Mitarbeiter ist produktiver als einer, der ständig mies drauf ist. Was das mit Katzenvideos und Führungskräften zu tun hat, erklärte kürzlich der Diplom-Psychologe Nico Rose in einem Fachbeitrag zum Thema „Positive Psychologie“ für das Businessnetzwerk Leader.In geschrieben hat.

Nun kommen auch Experten aus der Wirtschaft in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Führungskräfte einen starken Einfluss auf die Leistung und den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter haben. Ihr Verhalten wirkt sich in der Regel unmittelbar auf den Erfolg eines Teams aus. Davon kann sicherlich jeder ein Lied singen, dessen Chef an der Arbeit permanent für dicke Luft sorgt. Dahinter steckt hauptsächlich das Phänomen der emotionalen Ansteckung, wobei Menschen Gefühle und Emotionen anderer übernehmen.

Vor allem im Berufsleben spielt dieser Effekt eine große Rolle, denn hier gibt der Boss häufig – in der Regel unbewusst – die Richtung vor. Schlechte Stimmung, die von ihm ausgeht, strahlt direkt auf die Angestellten aus. Hat der Vorturner üble Laune, kann die Belegschaft kaum heiter und motiviert sein.

Allerdings – jetzt kommt der gute Teil der Nachricht – funktioniert dieses Prinzip auch andersherum. „Wer jemals einem Gruppen-Lachflash erlegen ist, weiß um die Wucht dieses Phänomens“, erklärt Nico Rose. Und glaubt man der aktuellen Umfrage der Online-Plattform Stepstone und der Managementberatung Kienbaum, ist sich mehr als jeder zweite Chef dieser Wirkung auch bewusst.

So sehen sich die meisten der befragten 3.500 Führungskräfte regelrecht in der Rolle eines Taktgebers für die Zusammenarbeit: 58 Prozent der Vorgesetzten in Deutschland geben an, dass sie ihren Mitarbeitern eine klare Richtung vorgeben, damit keine Unsicherheiten entstehen.

Im besten Fall, also rein sozialpsychologisch betrachtet, verbreiten sie dabei natürlich positive Gefühle und nicht etwa Angst und Schrecken. Das ist übrigens auch deswegen so wichtig, weil die Stimmung in Organisationen wesentlich leichter nach unten kippt als in die andere Richtung. „Dies ist eine Nebenwirkung der hierarchischen Ordnung in Organisationen“, so Rose. „Führungskräfte tragen nicht nur Verantwortung für ihre eigenen Emotionen, sondern in Teilen auch für jene ihrer Mitarbeiter.“

Chefs wollen nicht überwachen

Den Studienergebnissen zufolge gehen die meisten Führungskräfte mit ihrer Rolle sehr selbstbewusst um. Sieben von zehn Befragten gehen davon aus, dass ihre Mitarbeiter sie als Symbol für Erfolg und Leistung ansehen. Dass sie eine Zukunftsvision haben, die die Mitarbeiter anspornt, meinen ebenso viele Führungskräfte. Nicht immer scheint diese Vision jedoch mit dem dominanten Zukunftsthema „Digitalisierung“ zu tun zu haben – selbst an der Entwicklung und Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie beteiligt zu sein, trifft nur auf knapp die Hälfte der Führungskräfte zu.

Eher zurückhaltend sind Vorgesetzte laut Studie auch in der Kommunikation von Benefits und positiven Botschaften. Etwa 43 Prozent informieren ihre Mitarbeiter darüber, was sie erhalten werden, wenn sie die Anforderungen des Arbeitgebers erfüllen. Das Vertrauen der Führungskräfte in ihre Teams scheint aber ohnehin groß zu sein.

Das zeigen gleich zwei Ergebnisse der Studie. Zum einen geht das Gros der Chefs davon aus, dass sich ihre Mitarbeiter auch eigenverantwortlich organisieren können (64 Prozent). Zum anderen hält es nur jeder zehnte Chef für nötig, ein Team sehr eng anzuleiten, damit Aufgaben auch wirklich bewältigt werden.

Die Studie verdeutlicht letztlich, dass es zu den Pflichten einer Führungspersönlichkeit gehört, das emotionale Klima der Mitarbeiter zielführend zu beeinflussen. Dieses wiederum fängt laut Experte Nico Rose schon mit der Beeinflussung der eigenen Emotionen an. Denn: „Es ist nachweislich nicht egal, in welcher emotionalen Verfassung Menschen an eine Aufgabe herangehen – gute Laune macht nämlich das Denken weit“, so Rose. Und jetzt kommen wir wieder zu den Katzenvideos vom Anfang.

Wer kreativ und zukunftsgerichtet agieren will (beispielsweise im Kontext von Brainstormings und Strategiemeetings) und Neues in die Welt bringen möchte, sollte sich rechtzeitig aktiv in eine positive Grundstimmung bringen. Und es gibt tatsächlich Forschungen zur Wirkung von Katzenvideos: So haben Wissenschaftler an der Indiana University rund 7000 Menschen zu ihrer Nutzung von Katzenvideos befragt. Das Ergebnis: Die Menschen fühlten sich nach der Betrachtung besser gelaunt und hatten mehr Energie. Gleichzeitig waren sie weniger gestresst, genervt oder traurig. Wer kann dazu nein sagen?

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