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Fünf Fakten über David Solomon DJ, Weinsammler, Mentor – so tickt der neue Goldman-Sachs-Chef

David Solomon ist nicht der typische Wall-Street-Banker. Im Büro erscheint er schon Mal in Sporthose. Und wenn es Nacht wird, wird er zum DJ D-Sol. Fünf Fakten über den neuen Goldman-Chef.

So tickt der neue Goldman-Sachs-Chef David Solomon

DüsseldorfMit dem Rückzug des Managers Harvey Schwartz – der bisherigen Nummer zwei der Investmentbank – steht nun fest: Der nächste Goldman-Chef heißt David Solomon. Dieser soll den jetzigen Chef der Investmentbank, Lloyd Blankfein, ablösen. Wann es soweit ist, steht allerdings noch nicht fest. Doch Blankfein sei dabei, seine Nachfolge zu regeln. Wer ist der Mann, der in dessen Fußstapfen tritt? Eine Annäherung in fünf Schritten:

1) Solomon hat keine klassische Goldman-Banker-Ausbildung

Für die konservative Bankenbranche ist Solomon ein Quereinsteiger: Denn weder hat er Wirtschafts- noch Finanzwissenschaften studiert, noch war er auf einer der US-Eliteuniversitäten aus deren Absolventen-Pool sich die Bank bedient.

Stattdessen studierte der heute 56-Jährige Politikwissenschaften auf dem kleinen Hamilton College im US-Bundesstaat New York, das eher dafür bekannt ist, Dichter und Schauspieler hervorzubringen (zum Beispiel den US-Dichter Ezra Pound).

Trotz der eher sozialwissenschaftlichen Ausrichtung seiner Ausbildung, hätte ihn die Finanzwelt schon immer fasziniert, sagte Solomon auf einer Veranstaltung seiner Alma Mater 2015. Finanzen würden widerspiegeln, wie die Welt sich insgesamt verändere und wie die Menschen mit diesen Veränderungen umgehen. Auch habe ihm sein allgemeinbildendes Studium bei seiner Finanzkarriere geholfen, weil der dort gelernt hätte, mit unterschiedlichen Menschen zu kommunizieren, beharrlich zu sein und auch Mal Dinge zu hinterfragen.

2) Sein Steckenpferd sind Junk Bonds

Bevor er 1999 zu Goldman wechselte, arbeitete Solomon bei Bear Stearns und zuvor bei der kleinen Wall-Street-Bank Solomon Brothers, die auch als der erste Arbeitgeber vom Bestseller-Autor Michael Lewis („The Big Short“) bekannt ist. In beiden Häusern war Solomon für Anleihen mit schlechter Bonität, so genannten Junk Bonds, zuständig. Unter anderem half er dabei, Geld für die Expansion einer Kinokette nach Mexico sowie für das Venetian Hotel – ein mehr als 4000 Zimmer umfassender Palast im italienischen Baustil in Las Vegas – einzusammeln.

Auch bei Goldman war Solomon zunächst für Kapitalbeschaffung mittels Hochzinsanleihen zuständig, bevor er 2006 in die Investmentbanking-Sparte der Bank wechselte. Da zeigte er sich unkonventionell: So soll er bei einem Pitch für den Börsengang des Sportkleidungsherstellers Lululemon Athletica in einer braunen Jogginghose erschienen sein, während alle anderen im Raum maßgeschneiderte Anzüge trugen, schreibt die New York Times. Das IPO ging an seinen Arbeitgeber Goldman.

3) Er ist gegen hohe Banker-Boni

Auch seine Ansichten zu Managervergütung mögen für einen Banker seines Kalibers ungewöhnlich erscheinen. So äußerte er sich gegenüber Studenten des Hamilton College kritisch zum Vergütungssystem für Banker. Das Anreizsystem für die Wall-Street-Bosse sei aus dem Gleichgewicht geraten. Es belohne kurzfristiges Denken, sei nicht produktiv für das Finanzsystem insgesamt und müsse überarbeitet werden.

Kollegen beschreiben Solomon als „bescheiden“ , zugleich aber auch als jemanden, der hart arbeitet und hartnäckig seine Ziele verfolgt. Natürlich bekommt Solomon – auch wenn Gefährten ihn als bescheiden beschreiben – eine stattliche Goldman-Vergütung. Für das Jahr 2016 stand ihm eine Festvergütung von 1,85 Millionen Dollar zu, zeigt ein Meldeformular für die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC. Hinzu kommt noch die variable Vergütung.

Ein guter Teil des Geldes dürfte im übrigen in Solomons Weinkonsum fließen. Darauf lässt zumindest eine Gerichtsauseinandersetzung mit seinem früheren persönlichen Assistenzen Nicolas De-Meyer schließen. Dieser soll seltene Weinflaschen im Wert von 1,2 Millionen Dollar aus dem Depot seines Bosses entwendet haben.

4) In seiner Freizeit verfolgt er eine zweite Karriere – als DJ

Von der Gerichtsauseinandersetzung wegen des Wein-Diebstahls abgesehen, scheint Solomon das Leben recht locker zu nehmen. Ist sein Tagesjob als Goldman-Banker erledigt, legt Solomon im Schimanski-Club im hippen New Yorker Stadtteil Williamsburg in Brooklyn auf. Pseudonym: DJ D-Sol. Inzwischen legt er nicht nur in New York auf, sondern auch auf den Bahamas.

Seine Auftritte dokumentiert der Banker im Übrigen auch auf Instagram:

5) Er setzt sich für die jungen Goldmänner ein

Nicht nur Solomons DJ-Hobby verbindet ihn mit der jungen Generation. Auch im Berufsalltag setz sich Solomon für junge Leute ein. So leitete er eine Studie über die Arbeitsbedingungen junger Banker bei Goldman Sachs. Diese mündete dann in der „Samstagsregel“ für Junior-Banker.

Diese besagt, dass alle Junioren zwischen neun Uhr abends am Samstag und neun Uhr morgens am Sonntag nicht die Büros der Investmentbank betreten dürfen. In der Bank wolle er eine Atmosphäre schaffen, die es jungen Leuten ermöglicht auch neben ihrem Job als Banker ein Leben zu haben. Er selbst habe erfahren müssen, dass sich durch die Anforderungen im Job der Freundeskreis verkleinere. Das wolle er für die jungen Kollegen ändern.

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