WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

ASEM-Gipfel China ist kein Ersatz für Trump

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Premier Shinzo Abe beim ASEM-Gipfel in Brüssel Quelle: imago

Der ASEM-Gipfel von EU und asiatischen Staaten wird kaum verdeckt als Signal gegen Trumps Amerika inszeniert. Das könnte am Ende China mehr nutzen als Deutschland und Europa.

„Wir organisieren keine Treffen gegen irgendjemanden“, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zum Auftakt des ASEM-Gipfels in Brüssel. Aber natürlich war er eben doch vor allem dies: Ein Signal gegen Donald Trumps America-First-Politik. Oder in Angela Merkels Worten: „Wir können ein Zeichen setzen, dass es in der Welt darum geht, Win-win-Situationen zu schaffen.“ Man kann dann selbst ergänzen: ...statt um einen Trump'schen Verdrängungskampf. Der Gipfel zeige, so Merkel, „ dass sich hier Länder versammeln aus Europa und Asien, die alle einen regelbasierten Welthandel wollen, sich zum Multilateralismus bekennen.“ Man ergänze: ...was Trump nicht tut.

Eine Infografik auf der Website der Europäischen Kommission zum ASEM-Gipfel verkündet jedenfalls unmissverständlich eine trotzige Anti-US-Botschaft. Die Handelsströme zwischen der EU und den asiatischen ASEM-Staaten (unter anderem China, Japan, Südkorea, aber auch Australien, Russland, Indien und südostasiatische Staaten) ist deutlich umfangreicher, als der zwischen der EU und Nordamerika oder zwischen Asien und Nordamerika. Wir können zur Not auch ohne Trump, soll das zweifellos heißen.

Alles richtig. Auch gegen den Fokus auf „Konnektivität“, also der institutionellen, technischen und informellen Verbesserung der Handelswege ist nichts einzuwenden. Die EU hat ein Interesse daran, dass Chinas „neue Seidenstraße“, alias Belt and Road Initiative in die multilaterale Weltordnung verankert wird. Harmonisierung von Transportwegen, Grenzübergängen, Zollabfertigung, von Häfen, Telekommunikation, all das ist in beiderseitigem ökonomischem Interesse.

Allein: Die über das Ökonomische hinausreichende, moralisierende Aufwertung dieser Aktivitäten, zu der man in Europa und vor allem in Berlin neigt, ist nicht nur unrealistisch und fehl am Platz. Sie ist gefährlich. Mit China kann man munter Handel treiben, aber ein Ersatz für die transatlantische Wertegemeinschaft ist in Ostasien nicht zu finden (allenfalls in Japan und Südkorea). Die Vorstellung der Herrschenden in Peking von Multilateralismus ist eben nicht in gleicher Weise postnational und frei von nationalen Interessen wie die der Kanzlerin in Berlin. Deutschland und Europa dürfen nicht vergessen, mit was für einem Regime sie es zu tun haben. Wer China und andere asiatische Diktaturen allzu sehr in die Arme schließt, um die Trumpisierung der USA zu kompensieren, stärkt nicht unbedingt Europa und den Multilateralismus, sondern die Weltmachtambitionen der Herrscher in Peking.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%