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China KI für Xi

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China: Triumph der Maschine

KI ist in China deshalb Chefsache. Präsident Xi Jinping hat sie in einer Grundsatzrede zu den wichtigsten Pfeilern seiner Wirtschaftspolitik erklärt. „Es gilt, die tief greifende Integration von Internet, Big Data, künstlicher Intelligenz und der Realwirtschaft  zu fördern“, sagte er auf einer programmatischen Parteitagsrede im vergangenen Jahr. Fördermilliarden fließen nicht nur an Gründerinnen und Gründer. Provinzen und selbst benachbarte Stadtteile wetteifern um Subventionen, überbieten sich in der Ansiedlung von KI-Firmen. 

Die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers spricht von einem „KI-Rüstungswettlauf“ zwischen China und den USA. Viel wichtiger als der Handelskrieg sei der laufende Krieg um „Forschung, Investitionen und fähige Köpfe“. 

Der chinesische Planungsapparat verfolgt dabei einen langfristigen Ansatz – und investiert kräftig vor allem in die Ausbildung. Künstliche Intelligenz ist landesweit zum Pflicht-Thema im Informatikunterricht auserkoren worden. Eine erste Einführung gibt es schon in der Unterstufe. Zunächst 40 ausgewählte Schulen bieten KI-Unterricht auch für die Oberstufe an – auf einem Niveau, das anderswo eher an der Uni zu erwarten ist. Das Bildungsministerium stellt seit April dafür ein eigenes Schulbuch zur Verfügung, berichtet die Zeitung „South China Morning Post“. Chinas Hochschulen wiederum bieten verstärkt Lehrveranstaltungen an und ermutigen ihre Studenten zu Ausgründungen eigener Firmen. 

Die Initiative knüpft an beachtliche Erfolge und  vorhandenes Wissen an. Allein im Pekinger Technik-Viertel Zhongguancun zählt die Pekinger Stadtverwaltung 400 KI-Firmen. Viele davon sind Ausgründungen der umliegenden Universitäten, die wiederum den Unternehmergeist nach Kräften fördern. So wie Horizon Robotics. Die Firma ist erst drei Jahre alt, gilt aber bereits als eine der aussichtsreichsten KI-Firmen der Welt. „Unsere Mission ist es, eine weltweit führende Plattform für Künstliche Intelligenz zu schaffen“, gibt Firmengründer Yu Kai die Richtung vor. 

Yu hat vor der Gründung das Institut für Neuronale Netze des IT-Konzerns Baidu geleitet, bevor er sich hier mit Gleichgesinnten selbständig gemacht hat. Die von Horizon entwickelten KI-Chips können in zahlreichen Branchen wie Automobilwirtschaft, Luftfahrt, Sicherheit, Robotik und Militär eingesetzt werden. Audi kooperiert bereits mit der Pekinger Firma, um seine Ambitionen vom selbst fahrenden Auto zu verwirklichen. 

Auch Chinas Onlineshopping-Gigant Alibaba treibt mit Verve die KI-Forschung voran. In teilnehmenden Offline-Geschäften identifizieren Kameras die Online-Kunden des Unternehmens per Gesichtserkennung und fügen die Artikel, die sie ansehen, in die Liste der für sie interessanten Produkte hinzu. Die Software berechnet zudem laufend Kaufempfehlungen – und zwar überraschend treffsicher auf den Geschmack der Kunden fokussiert. Sie sagt auch voraus, welche Ware wann besonders nachgefragt sein wird, und fordert Händler auf, rechtzeitig für Nachschub zu sorgen.

Für China einzigartig ist zudem, dass der Staat begonnen hat, KI zur Totalüberwachung der Bevölkerung einzusetzen. Das Social Credit System, eine Art übergreifendes Schufa-Programm für alle Chinesen, das ab 2020 landesweit gestartet werden soll, wäre ohne Fortschritte in der KI nicht möglich.

Inzwischen gibt es auch eine chinesische KI, die extrem gut Go spielen kann: Sie heißt „Golaxy“ und hat Ke Jie ebenfalls geschlagen. Über den Triumph der Maschine berichteten diesmal auch die Staatsmedien. Es war ja heimische Technologie, die gewann.

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