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Digitalisierung der Arbeit In diesen Regionen drohen Jobverluste

Ein Service-Roboter der Firma Ubtech auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin. Quelle: imago

Die Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung trifft bestimmte Branchen sehr viel härter als andere. Bundesländer mit hohem Industrie-Anteil haben besonderen Anpassungsbedarf.

Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt betrifft die deutschen Bundesländer in sehr unterschiedlicher Weise. Dies ist vor allem auf die unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen in den Regionen zurückzuführen, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt.

Katharina Dengler, Britta Matthes und Gabriele Wydra-Somaggio vom IAB haben für alle Bundesländer untersucht, wie hoch der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist, die in einem Beruf arbeiten, in dem mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten bereits heute von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden könnten. Die höchste Ersetzbarkeit droht der Studie zufolge Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe (53,7 Prozent), die geringste im Gastgewerbe (3,3 Prozent) und in Erziehung und Unterricht (4,4 Prozent).

Je größer die Bedeutung beispielsweise des verarbeitenden Gewerbes in einem Bundesland ist, desto höher ist tendenziell dort der Anteil der möglicherweise ersetzbaren Beschäftigungsverhältnisse. Während der Anteil der Berufstätigen mit hoher Ersetzbarkeit im Bundesdurchschnitt bei 25 Prozent liegt, beträgt er im Saarland 30 und in Thüringen 29 Prozent. In den Dienstleistungsmetropolen Berlin und Hamburg mit einem geringeren Anteil an Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe ist dieses „Substituierbarkeitspotenzial“ mit 15 und 18 Prozent dagegen vergleichsweise niedrig.

Diese Jobs mischen Roboter auf
IndustrieSchon heute werden viele Arbeitsschritte von Maschinen übernommen - doch die vernetzte Produktion setzt auch in den Werkshallen eine weitere Automatisierungswelle in Gang. Das muss unterm Strich aber nicht zwangsläufig zu Jobverlusten führen, heißt es aus der Wirtschaft: Bereits Ende 2016 lag Deutschland bei der „Roboter-Dichte“ weltweit auf Platz drei hinter Südkorea und Japan - und trotzdem sei die Beschäftigung auf einem Rekordstand, erklärt der Maschinenbau-Verband VDMA. Auch der Präsident des Elektronik-Branchenverbandes ZVEI, Michael Ziesemer, sagt: „Es können auch mehr Jobs entstehen als wegfallen.“ Die Digitalisierung werde eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle und damit neue Stellen hervorbringen. „Wer kreativ ist, rangeht und sich Dinge überlegt, hat jede Menge Chancen.“ Quelle: dpa
Das vernetzte und automatisierte Fahren dürfte künftig viele Jobs überflüssig machen Quelle: dpa
BüroSchreibarbeiten, Auftragsabwicklung und Abrechnungen - Büro- und kaufmännische Fachkräfte erledigen nach Experteneinschätzungen Arbeiten, die heute schon zu einem hohen Grad automatisierbar sind. Dadurch könnten auch viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen: Mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind in solchen Berufen tätig. Quelle: dpa
Der Handel wurde als eine der ersten Branchen von der Digitalisierung erfasst - entsprechend laufen im Online-Handel viele Prozesse automatisiert ab Quelle: dpa
Sie melken die Kühe, füttern, misten aus und helfen beim Ernten - Roboter haben längst auch auf den Bauernhöfen Einzug gehalten Quelle: dpa
Roboter in der Pflege - was in Japan bereits zum Alltag gehört, bereitet vielen Menschen in Deutschland noch eher Unbehagen Quelle: dpa
Auch im Haushalt tun Roboter schon ihren Dienst Quelle: dpa

Die Branchenstruktur erklärt aber, wie die IAB-Forscherinnen zeigen, nur einen Teil der Unterschiede zwischen den Bundesländern. Hinzu kommen Abweichungen in der beruflichen Zusammensetzung innerhalb einer Branche. So sind im Saarland 64 Prozent der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial tätig, in Bayern 51 Prozent, in Hamburg 41 Prozent. Das liege, so die Studie, vor allem daran, dass das verarbeitende Gewerbe im Saarland maßgeblich von der Fertigung geprägt ist, während in anderen Bundesländern die Forschung und Entwicklung sowie die Produktionsplanung eine größere Bedeutung haben.
Im Vergleich zu einer im Jahr 2016 veröffentlichten Vorgängerstudie ist zwar ein Anstieg der möglichen Ersetzbarkeit von Beschäftigten durch Computer und Roboter zu verzeichnen. Allerdings haben sich seither kaum Verschiebungen zwischen den Bundesländern ergeben. Berlin und Hamburg haben nach wie vor die niedrigsten Anteile an möglicherweise bald ersetzbaren Beschäftigten, Thüringen und das Saarland die höchsten.

Die Autorinnen der Studie betonen, dass sie nur von „technologischen Möglichkeiten“ handeln. Ob und in welchem Umfang diese Möglichkeiten verwirklicht werden, hängt ihrer Ansicht nach von zahlreichen Faktoren ab: Es sei zum Beispiel durchaus möglich, dass menschliche Arbeit günstiger oder flexibler sei oder qualitativ bessere Ergebnisse bringe als Maschinen.

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