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Digitalisierung Mit Apple und Amazon wird der Mittelstand locker fertig

Wer dem deutschen Mittelstand vorwirft, Digitalisierung zu verschlafen, hat dessen Erfolgsprinzip nicht verstanden.

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Die 25 innovativsten deutschen Mittelständler
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Nichts ist einfacher, als dem deutschen Mittelstand seinen Rückstand in Sachen Digitalisierung vorzuhalten. Manche Firmen, so hört man immer wieder, sollen gar in Gewerbegebieten beheimatet sein, in die das Internet noch über ein piepsendes Modem in die Büros gelangt. Wie wollen solche Hinterwäldler die nächsten Umbrüche in der globalen Ökonomie überleben? Vorschnell wird oft geantwortet: Sie werden untergehen. Und mit ihnen die gesamte deutsche Wirtschaft.

Wer so argumentiert, unterstellt, dass die Digitalisierung alle Geschäftsbereiche im gleichen Tempo erfasst. Doch auch wenn jede Branche in irgendeiner Weise digitalisiert wird, heißt dies nicht für jeden Mittelständler, dass er an vorderster Front dabei sein müsste. Selbst wenn der Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens früher als seine Konkurrenten ahnt, dass sich das Geschäft in seiner Branche ändert, ist es nicht zwingend eine gute Idee, selbst den ersten Schritt zu machen.

Wenn es beispielsweise einen übermächtigen Marktführer gibt, wartet der womöglich die Entwicklungsarbeit des findigeren, aber kleineren Rivalen ab, kopiert sie – und drückt sie mit aller Macht selbst in den Markt. Dem eigentlichen Vorreiter fehlt dann genau das Geld, das er in die Entwicklung investiert hat, um noch mitzuhalten.

Nicht ohne Grund kommen die erfolgreichen Innovationen daher meist von neu gegründeten Unternehmen, die nichts zu verlieren haben. Und genau da liegt auch die originäre Stärke des deutschen Mittelstands. Wer dem vorwirft, die Innovation zu verschlafen, reduziert ihn auf die bereits etablierten Unternehmen. Seine Stärke aber liegt in dem Neuen, was sich aus dem untergehenden Alten entpuppt. Als die Uhrenindustrie im Schwarzwald zusammenbrach, gingen Abertausende Arbeitsplätze verloren. Zugleich entstanden neue Betriebe, die sich in der Präzisionstechnik die vorhandenen Kompetenzen zu eigen machten und heute als Autozulieferer oder in der Werkzeugtechnik erfolgreich sind. Aus der Raupe wurde ein Schmetterling. So wird es auch diesmal klappen.
Die Bedrohung des deutschen Mittelstands liegt deshalb heute wie gestern nicht im technischen Wandel, sondern im Aufkommen einzelner marktbeherrschender Unternehmen, die Innovationen verhindern. Das beweist das verheerende Agieren der alten Stahlbarone im Ruhrgebiet – und es droht derzeit am ehesten von der übermächtigen Autoindustrie. Mit Apple und Amazon aber wird der Mittelstand locker fertig.

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