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Digitalisierung Wie sich Banken gegen Finanz-Start-ups wehren

Überweisen und Geld anlegen per App: Die Finanzbranche muss gegen Eindringlinge aus der Start-up-Welt zurückschlagen. In ihrer Digitalfabrik arbeitet die Deutsche Bank an der Revolution von Geschäft und Kultur.

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Symbolbild Digitalisiierung Banken Quelle: Fotolia, Illustration Dmitri Broido

Ohne Papier läuft hier gar nichts. Bunte Zettel pappen an den Glasscheiben, farbige Ausdrucke säumen die Flure. Die Sitzgruppen sind bunt, überall stehen Flipcharts. An einer Wand hängt ein Bild des Raumschiffs Enterprise, nebst einem Versprechen: „Wir liefern in Warp-Geschwindigkeit.“ Niemand hier trägt Anzug, Kostüm oder gar Krawatte, die Arbeitskleidung ist betont leger – und per Du ist man sowieso.

Mit ihrer Digitalfabrik will die Deutsche Bank den Geist des Silicon Valley nach Sossenheim holen. In dem Frankfurter Vorort hat sie mehr als 400 Mitarbeiter von verschiedenen Standorten auf vier Stockwerken zusammengezogen, Ende kommenden Jahres sollen es 800 sein. Statt übers ganze Unternehmen verteilt, sollen die Programmierer, Designer und Finanzfachleute konzentriert und miteinander an der digitalen Zukunft des Instituts arbeiten.

Die Großraumbüros sind ein Klischee. Überall da, wo sich in Firmen Start-up-Flair breitmachen soll, sieht es heute ähnlich aus. Für eine Bank jedoch ist der Weg in diese neue Welt, in der es flexibler, vielfältiger und schneller zugehen soll, besonders weit.

Sammelstelle für alle finanziellen Fäden

Erst allmählich haben die Finanzinstitute realisiert, dass Digitalisierung für sie mehr heißt, als ein Onlineangebot einzurichten und den Beratern in der Filiale ein iPad in die Hand zu drücken. Mittlerweile machen ihnen innovative Start-ups Konkurrenz, erledigen Kunden immer mehr Geschäfte über Internet und Handy, rechnen Berater vor, dass bis zu 30 Prozent der Erträge an neue Wettbewerber verloren gehen könnten. Deshalb steuern die Institute nun gegen. Eine Milliarde Euro investiert die Deutsche Bank zwischen 2015 und 2018 in den digitalen Umbau, drei Viertel davon fließen ins Privatkundengeschäft.

So digitalisieren Banken ihr Geschäftsmodell

Dabei kommt der Umbruch für die Banken zu einem schwierigen Zeitpunkt. Niedrige Zinsen und aufwendige Regulierung drücken auf ihre Erträge. Die Deutsche Bank belasten zusätzlich Kosten für Gerichtsprozesse, vor allem in den USA.

Die Anspannung ist von Anfang an auch in Sossenheim spürbar. Als die Digitalfabrik Ende September 2016 erstmals ihre Türen öffnet, laufen gerade Meldungen über mögliche Staatshilfe für die Deutsche Bank über die Ticker, Milliardenforderungen aus den USA bedrohen die Existenz. Trotzdem formulieren die anwesenden Vorstände große Ambitionen. IT-Chefin Kim Hammonds erklärt die Digitalfabrik zur „Keimzelle, in der wir Produkte agil entwickeln und umsetzen.“ Und Privatkundenvorstand Christian Sewing sieht eine „weitere Etappe auf dem Weg hin zu einem Technologieunternehmen“. Beide machen klar, auf was es künftig ankommt. Nämlich auf Schnelligkeit.

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