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Handelskrieg mit China Warum die USA den Kürzeren ziehen werden

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Handel mit den USA ist für China keine Überlebensfrage mehr

Neben den Unterschieden in der reinen Bevölkerungszahl gibt es zudem große Unterschiede in der Einkommensentwicklung zwischen Millennials in Asien und den USA, heißt es in einem Strategiereport der US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR). So verdient nur etwa die Hälfte der nach 1980 geborenen Einwohner in den USA heute inflationsbereinigt mehr als ihre Eltern. Ganz anders in Asien. Dort verdient nahezu jeder Millennial heute mehr als seine Eltern. Das beeinflusse Psychologie, Lebensweise und Konsumverhalten beträchtlich, so die KKR-Autoren. Dadurch veränderten sich die Konsumgewohnheiten chinesischer Millennials wesentlich dynamischer als im Westen. Der chinesische Fahrdienst Didi etwa brauchte nur drei Jahre um eine Marktdurchdringung von 50 Prozent zu erreichen. Das hat Uber in den USA nach sieben Jahren noch nicht erreicht. Vier Jahre brauchte der Bezahldienst Alipay für das Erreichen dieser Marke. In den USA liegt auch ApplePay noch unter dieser Marke.

Sicher, die chinesische Regierung forciert diese Dynamik, auch um nationale Champions zu schaffen. Letztlich sorgen aber beide Faktoren dafür, dass neue Technologien in China schneller eingeführt werden und sich schneller verbreiten kann. So gab es in China 2006 praktisch noch keinen Onlinehandel, während in den USA der Onlineanteil an den Einzelhandelsumsätzen bereits sechs Prozent erreichte. Gut zehn Jahre später werden in China fast 20 Prozent der Einzelhandelsumsätze online abgewickelt gegenüber 13 Prozent in den USA.

Einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zufolge trägt die Internetwirtschaft in China rund sieben Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, in den USA dagegen nur 5,4 Prozent. Dabei liegt die Internetdurchdringung in China erst bei 53 Prozent, in den USA aber schon bei 88 Prozent.

Der berühmte Schweizer Investor und Ökonom Marc Faber lebt seit vier Jahrzehnten in Asien und gilt als einer der renommiertesten Kenner der Region. Laut Faber sehe der Handel zwischen China und den USA so aus: Unternehmen A in China produziert Sneakers und verkauft ein Paar davon für zehn Dollar an Firma B. Firma B verkauft die Schuhe in die USA für 30 Dollar. In der chinesischen Export-Statistik wird das Paar für zehn Dollar gebucht, in der US-Import-Statistik taucht es mit 30 Dollar auf. Im Nike-Store in New York City werden die Sneaker dann für 130 Dollar verkauft.

Faber: „Bitte erklären Sie mir, wer hier den besten Deal macht und wo der Mehrwert entsteht? Ein unvoreingenommener Beobachter würde sagen, dass es unfair ist, dass die gesamte Arbeit in China gemacht wird, aber der meiste Profit vom US-Einkäufer und US-Einzelhändler gemacht wird.“ Wenn die USA sich dafür entschieden, sehr hohe Tarife einzuführen, werden chinesische Unternehmen Produkte zunehmend direkt an US-Verbraucher verkaufen, und zwar zu niedrigeren Endverbraucherpreisen als über traditionelle Kanäle, glaubt Faber. China könnte die gleichen Schuhe aber auch für 15 Dollar nach Indonesien verkaufen.

Umgekehrt ist das Reich der Mitte inzwischen für alle asiatischen Länder einschließlich Japan zum wichtigsten Exportmarkt aufgestiegen. Anders als früher sei der Handel mit den USA für die chinesische Wirtschaft heute keine Überlebensfrage mehr. „Fahren Sie in jedes Land in Asien und fragen, wer dort das größte Geschäft besitzt, und die Antwort wird unweigerlich „die Chinesen“ sein.“ In der gesamten asiatischen Region seien die Chinesen die dominierende lokale und internationale Wirtschaftskraft. Chinesen, darunter fasst Faber auch Bürger der Philippinen, Indonesiens, Malaysias oder Thailands mit chinesischen Wurzeln. Die seien im Herzen Chinesen geblieben wegen ihrer Vorfahren und Chinas reichem kulturellem Erbe.

Wenn Trump China also einen Handelskrieg erklärt, dann werde das als ein weiterer bösartiger imperialistischer Aggressionsakt der USA gegen alle Chinesen wahrgenommen, so Asienkenner Faber. Trump geht damit ein hohes Risiko ein.

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