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Hastor-Ausstieg „Ein echter Segen für Grammer“

Produktion bei Grammer. Quelle: dpa

Als die Investorenfamilie Hastor bei Grammer ausstieg und ihre Anteile an den Autozulieferer Jifeng verkaufte, gab es mächtig Wirbel. Nun erklärt Grammer-Aufsichtsratschef Probst klar: Die Geschäfte laufen besser, seit Hastor weg ist.

Herr Probst, nachdem das chinesische Unternehmen Ningbo Jifeng 84 Prozent der Grammer AG übernommen hatte, hat der gesamte Vorstand seinen Rückzug angekündigt. Was war der Grund?
Über den Abgang von unserem Finanzvorstand Herrn Cordonnier und unserem Technikvorstand Herrn Pretscher war ich nicht überrascht. Herr Cordonnier hat schon vor eineinhalb Jahren, als wir den neuen Drei-Jahres-Vertrag gemacht haben, angedeutet, dass er danach aufhören möchte. Herr Pretscher ist jetzt 61 Jahre alt und auch er hatte gesagt, dass er nach seinem Dreijahresvertrag nicht weitermacht. Deshalb hatten wir auch schon vor längerer Zeit über mögliche interne Nachfolger gesprochen.

Und der Vorstandschef, Hartmut Müller?
Die Entscheidung von Herrn Müller hat mich überrascht. Er hat ja noch einen laufenden Fünfjahresvertrag. Er hat wohl damit gerechnet, dass Ningbo Jifeng am Ende um die 50 Prozent halten wird. Dass es gut 84 Prozent werden würden, hat ihn überrascht und das hat seine Entscheidung maßgeblich beeinflusst. Denn bei einem so hohen Anteil ist natürlich eine stärkere Einflussnahme des Großaktionärs zu erwarten. Er sagte, eine derartige Dominanz eines Einzelaktionärs wäre für ihn Anlass gewesen, seine bisherige Positionierung aufzugeben.

Haben Sie schon Nachfolger im Blick?
In der nächsten Woche werden wir ein Beratungsunternehmen bestimmen, das sich um die Nachfolge auf den drei Posten kümmert. Ich gehe davon aus, dass Herr Pretschers Posten intern besetzt wird. Beim Finanzvorstand ist eine interne Lösung denkbar, wir werden aber auch mit externen Kandidaten sprechen. Beim Posten des Vorstandschefs wird es sicher auf einen externen Kandidaten hinauslaufen, da gibt es intern niemand mit dem entsprechenden Profil. Rund um den Jahreswechsel sind wir hoffentlich in der Lage, die drei neuen Vorstände benennen zu können.

Zur Person

Wird es unter der neuen Führung einen Richtungswechsel geben?
Ich kann mit großer Sicherheit sagen, dass es keinen größeren strategischen Kurswechsel geben wird. Ningbo Jifeng-Chef Jimin Wang hat mir signalisiert, dass er derzeit die zwei Aufsichtsratsposten, die er besetzen könnte, nicht neu besetzen will. Er sagte, der Aufsichtsrat habe gute Arbeit geleistet und er strebe dort Kontinuität an. Er will die Strategie des bisherigen Vorstands fortsetzen.

Ningbo Jifeng hält jetzt gut 84 Prozent. Hat Herr Wang weitere Zukäufe vor?
Herr Jimin Wang ist mit 84 Prozent zufrieden, er will derzeit nicht weiter erhöhen. Es hat ihn sicherlich auch ein bisschen überrascht, dass der Anteil am Ende nun so hoch ist, weil die Familie Hastor ihren Anteil verkauft. Ich glaube deshalb nicht, dass er in den nächsten zwei Jahren weitere Anteile kaufen wird, aber das ist meine persönliche Einschätzung.  

Die Hastors sind aufgrund ihres aggressiven Auftretens ein rotes Tuch für viele Autohersteller. Hat Grammer darunter gelitten? Und ist die Situation besser, seit die Hastors weg sind? 
Solange die Hastors bei uns Anteile hatte, haben sich viele Kunden mit Auftragsvergaben zurückgehalten. Das haben wir nun überwunden, was ein echter Segen ist für Grammer. Nachdem bekannt wurde, dass Hastor seinen Anteil verkauft hat, haben wir schon am nächsten Tag extrem positive Rückmeldungen von praktisch allen großen deutschen Herstellern bekommen. Sie haben gesagt: Das habt ihr super gemacht, jetzt seid ihr wieder A-Lieferanten. Seither hat sich der Auftragseingang erkennbar verbessert. Die ersten Aufträge von bisher zurückhaltenden Kunden sind schon da und wir gehen davon aus, dass das sukzessive so weiter geht.

Die Hastor wollten sich mit den deutschen Autokonzernen anlegen und ihnen bessere Preise abtrotzen. Aber ihr Unternehmen Prevent hat gerade keinen sehr guten Lauf in Deutschland. Meinen Sie, die Hastors erreichen ihre Ziele noch in Deutschland?
Als Marktbeobachter würde ich sagen, dass Prevent wird wohl seine Ziele in Deutschland nicht erreichen wird. Dass ist auch die Einschätzung, die ich höre, wenn ich mit großen Kunden von Grammer spreche.

Wie sehen ihre persönlichen Pläne nach diesen gravierenden Veränderungen bei Grammer aus? Bleiben sie an Bord?
Herr Wang legt großen Wert, darauf dass ich an Bord bleibe. Die Amtsperiode des gesamten Aufsichtsrats geht bis Mai 2020. So lange möchte auch ich bleiben und wir werden alle in bewährter Konstellation zusammenarbeiten können. Was danach kommt, ist später zu entscheiden.

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