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Hier funktioniert es schon Was Deutschland bei der Mobilität von China lernen kann

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Schneller ans Ziel mit Baidu, Didi und Meituan

Taxi rufen ohne Warterei: Didi Chuxing, Meituan und Co.
Früher war das Warten auf ein Taxi in China wie das Einkaufen beim Sommerschlussverkauf. Vor allem wenn es regnete, drängten sich die Leute am Straßenrand und schubsten um die Wette, um eines der vorbeirauschenden Taxis zu stoppen. Heute läuft alles über Apps wie WeChat, Didi Chuxing und Meituan Dache. Größter Anbieter ist Didi Chuxing mit einer Bewertung von rund 56 Milliarden Dollar, das 2016 den amerikanischen Rivalen Uber China geschluckt hat. Das Start-up bietet neben eigenen Didi-Fahrern, die ihre Privatautos nutzen, auch die Vermittlung von Taxis, Chauffeurdiensten, Mietautos und Reisebussen an.

Ein Blick auf die App Didi Chuxing. Quelle: Screenshot

Allein Marktführer Didi Chuxing vermittelt 25 Millionen Fahrten pro Tag in China. Bezahlt wird automatisch per App, die die Kunden entweder mit ihrer Bankkarte oder mit ihrem mobilen Bezahldienst verknüpfen können. Verlässt der Kunde das Auto, wird die Summe automatisch abgebucht. Durch die Apps ist das Heranwinken von Taxis in Chinas Großstädten zur Ausnahme geworden, weil auch die Taxifahrer die Buchungen per Handy bevorzugen. Ist die Nachfrage beispielsweise zu hoch, sehen die Kunden, wie viele Menschen vor ihnen in der digitalen Warteschlange warten. Wer nicht warten will, kann dem Fahrer vorab Trinkgeld zahlen. Dieses schlagen sie dann direkt auf die Rechnung und ziehen den Zahlungswilligen in der Schlange vor.

Sich leicht zurechtfinden: Der Kartendienst Baidu Ditu
Google hat mit 90 Prozent Marktanteil eine führende Position unter den Suchmaschinen weltweit. Die chinesische Suchmaschine Baidu kommt zwar nur auf zwei Prozent weltweit, ist dafür aber mit über 70 Prozent Marktanteil die unangefochtene Nummer eins im chinesischen Netz. Der Kartendienst Baidu Ditu des Anbieters funktioniert ähnlich wie Google Maps, hat aber in vielen Bereichen sehr viel nützlichere Funktionen: Lässt sich ein Nutzer den Weg von seinem Büro nach Hause zeigen, kann er je nach Bedarf das entsprechende Transportmittel auswählen.

Navigation auf allen Ebenen: Ein Gebäude mit allen seinen Stockwerken in der App Baidu Ditu. Quelle: Screenshot

Neben Routen für Autos und den Öffentlichen Nahverkehr wie Bus und U-Bahn gibt es auch Routen für Fußgänger, Radfahrer sowie Motor- und E-Roller, die je nach Verkehrsvorschriften deutlich voneinander abweichen. Zudem kann sich der Nutzer das Verkehrsaufkommen je nach Uhrzeit anzeigen lassen. Teil der Navigation ist bei U-Bahnen auch der Hinweis, welcher der Ein- und Ausgänge der Stationen am nächsten liegt, so dass der Nutzer nicht etwa auf der falschen Straßenseite aus der Station läuft. Das funktioniert auch bei einer Strecke, in der zwischen Bus und Bahn gewechselt wird, so dass man weiß, wo die Bushaltestelle ist und nach Verlassen der U-Bahn direkt dorthin gelotst wird. Auch innerhalb der Baidu-Ditu-App können Taxis gerufen, Tickets gekauft, Fahrräder ausgeliehen sowie Tankstellenrechnungen bezahlt werden.

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Standort erkennen
    Schneller den richtigen Ausgang finden: Nummerierung in chinesischen U-Bahn-Stationen. Quelle: Screenshot

    Die eingezeichneten Gebäude sind zudem dreidimensional dargestellt und enthalten auch die einzelnen Stockwerke mit deren Raumplanung. In Einkaufszentren können Kunden so beispielsweise sofort sehen, in welchem Stockwerk das Geschäft liegt, das sie suchen. Die U-Bahnstationen zeigen die Nummern der Eingänge an, die Bushaltestellen die Fahrtrichtung sowie die entsprechenden Buslinien, die dort halten.

    Keine Zettel im Briefkasten: Onlinehandel und Lieferdienste
    Kaum etwas ist nerviger, als in Deutschland an seine Paketlieferung zu kommen. Sie wird beim Nachbarn abgegeben, der sie in seinem Flur unter einem Berg Schuhe vergräbt. Oder schlimmer, man muss zur Post um die Ecke, wo schon ein Dutzend anderer Menschen kurz vor Ladenschluss nach ihren Lieferungen sucht. Häufig werfen die Postboten einfach einen Zettel ein, selbst wenn man zu Hause war. Einfach, weil ihr vollgestopfter Routenplan nichts anderes zulässt. Nicht so in China. Dort kann man beispielsweise eine Lieferung beim chinesischen Onlinehändler Taobao von Alibaba kaufen und dann das Paket in Echtzeit verfolgen.

    Hat der Händler schon verschickt? Pakete lassen sich live verfolgen. Quelle: Screenshot

    Hat der Händler es schon verschickt? Welches Unternehmen transportiert das Paket, hat es die Stadt schon verlassen, ist es schon in meiner Stadt angekommen, liegt es dort im Logistikzentrum oder kommt es heute an? Jede Station wird minutengenau dokumentiert, indem die Lieferung immer wieder gescannt wird. Dazu wird auf einer Karte angezeigt, wo der Lkw gerade entlangfährt – und das landesweit. So kommt der Lieferbote nicht wie der Kasper aus der Kiste und der Kunde kann frühzeitig mit dem Lieferboten absprechen, wie die Übergabe ablaufen soll. Entweder im Büro, zu Hause oder in einem der zahllosen Kioske, die die Lieferungen kostenfrei annehmen - und 24 Stunden am Tag geöffnet haben.

    Zusätzlich können Bote und Kunde sich gegenseitig per Telefon oder Messenger kontaktieren. Lebensmittellieferungen werden inzwischen häufig in speziellen Packstationen in Wohnsiedlungen deponiert, die Online-Lebensmittelhändler betreiben. Dort werden die Einkäufe in gekühlten und ungekühlten Boxen aufbewahrt und lassen sich per Mobiltelefon und QR-Code öffnen.

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