Pro Sollen die Maschinen doch unsere Arbeit erledigen

Maschinen erleichtern uns die Arbeit – aber nur, wenn wir endlich die Angst vor ihnen ablegen.

Eine computergesteuerte Greifhand und ein Mensch schütteln sich die Hand. Quelle: dpa

Noch weiß niemand mit Sicherheit zu sagen, wie viele Berufe durch die voranschreitende Automatisierung aussterben werden. Doch allein die Aussicht, dass eine Maschine bald schon der billigere
und womöglich auch bessere Lkw-Fahrer oder Callcenter­Mitarbeiter ist, bereitet den Deutschen große Sorgen.

Dabei zeigt ein Blick zurück: Für Pessimismus gibt es wenig Anlass. In der Autoindustrie ­etwa, aber auch im Maschinenbau hat die Automatisierung
für enorme Effizienz gesorgt – und dafür, dass sich die hiesigen Hersteller im weltweiten Wettbewerb behaupten konnten.

Nun erobern die Maschinen den Dienstleistungssektor. Sie werden immer klüger. Als Assistenten in der Verwaltung oder im Krankenhaus durchforsten sie enorme Mengen an Wissen in viel kürzerer Zeit als Menschen – und leiten so die richtigen Antworten ab. Sie werden auch dort die Effizienz steigern.

Auf den ersten Blick scheint es absurd, dass Menschen protestieren, weil eine Maschine ihren kräftezehrenden oder langweiligen Job übernimmt. Auf den zweiten Blick aber wird das Dilemma deutlich: Die meisten Menschen definieren sich über ihren Job, so anstrengend und öde er auch sein mag. Und nicht jeder traut sich zu, jene Fähigkeiten zu erwerben, die in einer automatisierten Arbeitswelt noch gefragt sind. Zumal sich noch nicht ganz genau sagen lässt, welche Fähigkeiten das sein werden. Nicht jeder, so viel Ehrlichkeit muss sein, kann eine Umschulung zum Data Scientist machen.

Statt in Angststarre zu verharren, sollten wir aber akzeptieren, dass Maschinen manches besser machen – und uns auf unsere Stärken besinnen. Kreativität wird Menschen vorbehalten bleiben. Empathie ebenfalls. Gewiss, die Grenze zwischen einem kreativen und einem Routinejob ist fließend. Im Strategiespiel Go schlägt der Computer den Menschen bereits. Bald könnte es auch bei der Diagnose von Krankheiten so weit sein. Damit wird Bildung immer wichtiger – und zwar ein Leben lang.

Diese Jobs sind durch die Digitalisierung entstanden

Zur Besinnung auf die eigenen Stärken gehört aber auch dies: Lehrerinnen und Altenpfleger müssen besser bezahlt werden. Und als wertvolles Mitglied der Gesellschaft darf nicht länger nur gelten, wer einen
Job hat. Wir müssen stattdessen auch den Einsatz all jener Menschen anerkennen, die ehrenamtlich Nachhilfe geben, Zuwanderern beim Einleben helfen oder eine Kunstausstellung auf die Beine stellen.

Sollen die Maschinen doch unsere Arbeit erledigen. Für uns Menschen bleibt ganz gewiss noch genug zu tun.

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