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Revolution auf Rädern Was taugen Chinas E-Auto-Pioniere?

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Nio liefert exklusives Lebensgefühl gleich mit

Die chinesischen Autohersteller als Billigheimer abzustempeln, wird ihnen dennoch nicht gerecht. Ob Byton oder Thunder Power – die Hersteller sind experimentierfreudig. Und sie loten die bisherigen Grenzen der Branche aus. Das gilt selbst für das Marketing. Im Shanghai Tower, dem höchsten Gebäude der Stadt, kommen die Besucher nicht am Nio House vorbei. Im Showroom in der Lobby strahlen die Elektro-SUV hier um die Wette. Interessierte gruppieren sich um die Autos herum und halten sich die Hände neben die Augen, damit sie besser in den Innenraum blicken können. Wer seinen Barcode auf dem Handy an ein Display neben der Tür gegenüber hält, für den öffnet sich zudem das Tor in eine eigene Welt: den Nio Clubraum.

Wer Mitglied ist und sich die Nio-App heruntergeladen hat, kann sich hier an der Kaffeebar ein Getränk frisch brauen lassen, in Büchern schmökern und seine Kinder betreuen lassen. Man kann auch Freunde einladen, Kurzvorträge oder Kreativ-Workshops abhalten. Das Ambiente im Nio-Club erinnert an eine Art Apple Store 4.0: viel Holz und Pastellfarben. Weiter weg vom deutschen Konzept des Autohauses am Rande der Stadt geht nicht. Die Idee hinter dem Ganzen: Die Kundinnen und Kunden erhalten nicht nur ein Auto, sondern ein ganzes Lebensgefühl mit auf den Weg, den urbanen Future-Schick. Vor einem Monat erst ist der Hersteller an die Börse gegangen. Der Kurs blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück.

Es stellt sich die Frage: Was taugen die E-Autos aus China? Und wie nachhaltig ist deren Geschäftsmodell? Wie fast überall in der Branche fressen die Hersteller derzeit jede Menge Geld. Unklar ist, ob sich deren Ambitionen jemals so skalieren lassen werden, dass sie damit auch eines Tages Gewinne einfahren. Besonders spektakulär ging etwa Faraday Future das Geld aus, nachdem sich das Unternehmen schon als Tesla-Killer ausgerufen hatte. Und zumindest im traditionellen Geschäft mit Benzinern haben es die chinesischen Hersteller trotz großer Anstrengungen und Subventionen nicht geschafft, mit der Konkurrenz aus dem Ausland mitzuhalten. Allen voran die deutschen Autobauer sind vor Ort seit zwei Jahrzehnten kaum zu schlagen und eilen von einem Verkaufsrekord zum nächsten.

Bei ihrem neuesten Innovations-Sprung in die Zukunft setzen die Chinesen auf die Froschtaktik: Statt sich ein aussichtsloses Duell mit deutschen Ingenieuren um die filigransten Motoren und Getriebe zu liefern, sind sie dabei, bei der die Entwicklung von E-Autos eine ganze Technologiestufe zu überspringen. Zum Teil pumpt der chinesische Staat selbst massiv Geld in diese neuen Unternehmen. An Byton etwa ist FAW (First Automotive Works) beteiligt, Chinas wichtigster Autobauer, der unmittelbar der chinesischen Zentralregierung unterstellt ist. Und auch die chinesischen Technologie-Riesen investieren kräftig: Byton weiß den IT-Giganten Tencent hinter sich sowie den Apple-Auftragsfertiger Foxconn aus Taiwan. Mit angetrieben wird der Angriff der Innovatoren aus China zudem von deutschen Veteranen der Industrie. Im Byton-Management sitzen ehemalige Top-Manager von BMW wie Byton-Präsident Carsten Breitfeld. Nio sieht sich als globales Unternehmen: Das Design findet in München statt, die Software kommt aus San José in Kalifornien.

Aufholjagd für deutsche Hersteller

Vor allem aber auf dem Markt für Batterien, der Schlüsseltechnologie der E-Mobilität, sind die Chinesen neben Südkorea längst zur treibenden Kraft in dem globalen Geschäft geworden. Nun rächt sich, dass die deutsche Automobilwirtschaft es lange Zeit für nicht nötig befunden hat, selbst allzu viel in die Brennstoffzellherstellung zu investieren. Das zeigt sich derzeit auch in Thüringen: Nachdem der chinesische Batterie-Hersteller Catl den chinesischen Markt aufgerollt hat, soll bei Erfurt bald der Bau einer der größten Batteriezellen-Fabriken Europas beginnen. Europäische Konkurrenz ist bislang nicht vorhanden. Und so bleibt selbst Autobauer BMW bislang nicht viel Auswahl, als ebenfalls auf chinesische Batteriehersteller zurückzugreifen.

Die deutschen Hersteller in China sind auf diesen Zug spät aufgesprungen. Ganz chancenlos sind sie wohl nicht. Derzeit beherrschen die Chinesen den E-Markt ihres Landes. Im Angebot haben die meisten von ihnen nach Ansicht des chinesischen Autoanalysten Jia Xinguang nur „mittelmäßige Technik“. Deutsche Hersteller würden seiner Einschätzung nach bald mit Modellen nachziehen, „die den heimischen Anbieter überlegen sind“. Zu unterschätzen sei auch nicht die Markenwirkung, die die Deutschen noch immer haben. „Ein Mercedes ist hier ein Statussymbol. Egal ob er mit Benzin oder Strom fährt.“

So soll Bytons Elektro-Limousine aussehen
Byton stellt seinem SUV ein zweites Conceptcar zur Seite: In Shanghai stellte das chinesische Start-up seine Limousine mit dem Namen K-Byte vor. Quelle: Byton
Die Limousine soll 2020 zunächst auf den chinesischen Markt kommen und kurz darauf auch im Rest der Welt auf den Straßen unterwegs sein können. Quelle: Byton
Charakteristisch für die K-Byte-Studie ist die lange Motorhaube und das steile Heck. Quelle: Byton
Sie misst knapp fünf Meter, soll rein elektrisch fahren und dank Sensoren auch die Möglichkeit zum autonomen Fahren mitbringen. Quelle: Byton
Das chinesische Start-up Byton bringt kommendes Jahr seine ersten Fahrzeuge auf den Markt. Quelle: Byton

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