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Vorstoß ins „Outernet“ Google startet erstmals Außenwerbung

Google setzt ab jetzt auch auf Außenwerbung, zunächst nur in China, doch weitere Länder sollen folgen Quelle: AP

Dank einer Kooperation mit einem chinesischen Werbekonzern gelingt dem Internetriesen der Einstieg in ein neues Medium: die Außenwerbung. Die will Google auch in Deutschland erobern. Doch Experten warnen.

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Vincent Lam, der Chef des chinesischen Außenwerbe-Konzerns Asiaray, griff neulich ganz tief in die Schublade mit den Euphorie-Vokabeln. „Bahnbrechend“ sei die neue digitale Webeplattform, gleich eine „neue Ära“ sah er heraufziehen. Sein Unternehmen, das Werbeflächen an fast 30 Flughäfen und an U-Bahnlinien in mehr als 30 chinesischen Großstädten vermarktet, werde nicht weniger als zum Pionier der ganzen Branche. Was war passiert?

Der Gefühlsausbruch des Werbemanagers markiert den Einstieg von Google in die Außenwerbung. Denn Lam freute sich über nicht weniger als die erste bekannte Kooperation zwischen einem Außenwerbe-Konzern und dem Suchmaschinen-Giganten aus Mountain View in Kalifornien. Vor wenigen Tagen verkündete Asiaray in Hong Kong die Nachricht der Verbindung.

Danach betreiben die beiden Geschäftspartner künftig die erste Einkaufsplattform für – und jetzt wird es kurz sperrig – programmatisch gebuchte digitale Außenwerbung. Der erste Werbekunde der jungen Verbindung flimmerte auch bereits über Reklamebildschirme in der Heimatstadt des chinesischen Konzerns: Wavemaker, eine Tochter des Londoner Kommunikationskonzerns WPP, warb haushoch für seine Dienste.

Mit dem Start in China dokumentiert Google, wie ernst es dem Internetriesen mit dem geplanten Einstieg in neue Medienkategorien ist. Denn auch in anderen Märkten gibt es klare Anzeichen für die Ambitionen des Milliardenkonzerns. So plant der Riese nach Informationen der WirtschaftsWoche weiterhin auch den Einstieg in die deutsche Außenwerbe-Landschaft.

Im Visier hat Google dabei nicht länger nur Reklame auf Computerbildschirmen und Smartphones, sondern auch in Einkaufszentren, Bahnhöfen, Autobahnraststätten, Friseursalons und Burgerbratereien. „Google bekäme so, was ihnen bisher noch fehlte: die unmittelbare Sichtbarkeit auf der Straße“, sagt Florian Weischer, Gesellschafter des Hamburger Vermarktungsunternehmens Weischer Media, „das hätte weitreichende Folgen nicht nur für die Werbebranche.“

Vor einigen Jahren noch war „Out of Home“, wie Experten die Außenwerbung mit ihren Plakaten, Haltestellen- und Straßenkreuzungswerbung nennen, so etwas wie das Schmuddelkind der Medienbranche. Lange war ihr Bild geprägt vom Plakatkleber, der von der Leiter aus Reklameposter mit breitem Pinsel und reichlich Kleister auf Holzwände und Hausfassaden pappt.

Tatsächlich sinkt die Zahl dieser Plakatflächen seit Jahren. Vielen Bürgermeistern waren sie zu ungepflegt. Ihr Verschwinden aber wird durch neue, digitale Formate mehr als ausgeglichen. Während klassische Medien wie Fernsehen und Zeitungen massiv unter der Konkurrenz im Internet leiden, steigt die Außenwerbung in der Gunst der Werbekunden. Der US-Marktforscher Magna Global rechnet 2021 für die Sparte mit weltweit 33 Milliarden Dollar Umsatz. 2017 waren es noch 28 Milliarden.

Geht es nach Google, kassiert der Konzern künftig nicht nur für Anzeigen im Umfeld seiner Suchmaschine, sondern auch für Werbung in der physischen Welt der Straßen, Einkaufszentren und Plätze. Ihm kommt entgegen, dass sich dank der Digitalisierung beide Welten ohnehin immer stärker nähern; Branchenvertreter sprechen bereits vom „Outernet“, der Symbiose von Internet und Außenwerbung.

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