Gasförderung USA - Das neue gelobte Land

Seitdem die USA die umstrittene Fracking-Methode zur Gasgewinnung einsetzen, ist das Land unabhängig von Importen. Andere Länder wollen nun nachziehen. Auf der Weltenergiekonferenz wird der Gasboom in den USA erörtert.

Arbeiter an einer Fracking-Anlage in den USA: Der Weltmarkt wird durcheinandergewirbelt. Quelle: ap

DaeguDie Prognosen, die auf der Weltenergiekonferenz im südkoreanischen Daegu präsentiert werden, sind düster: Asien hat Probleme, seinen gewaltigen Energiehunger zu stillen, Europa kämpft mit den Kosten des Ökostrom-Booms – und in Afrika wären Millionen Menschen froh, wenn sie überhaupt Strom hätten.

Ein Land kann sich der depressiven Stimmung aber entziehen: Die USA haben sich mit dem plötzlichen Gasboom von der weltweit schwierigen Entwicklung abgekoppelt. Europäer, Asiaten und Araber würden den Erfolg gerne kopieren - aber das wird schwierig.

„Was wir in den USA erleben, kommt wirklich einer Revolution gleich“, sagte Gérard Mestrallet, Chef des französischen Versorgers GDF Suez, auf der Weltenergiekonferenz. „Der Schiefergas-Boom in den USA ist schon jetzt zu einem ‚Game-Changer‘ geworden. Er beeinflusst auch Europa und Asien.“

Den USA war es vor wenigen Jahren gelungen, mit der Fördertechnologie Fracking bislang unzugängliche Lagerstätten, das Schiefergas, zu erschließen. Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in die Tiefe gepresst, um das im Gestein gebundene Gas aufzubrechen.

Das hat die USA in eine einzigartige Situation gebracht: Sie sind unabhängig von Importen. Die Gasreserven der USA werden jetzt auf 7,7 Billionen Kubikmeter geschätzt. Das ist das fünftgrößte Vorkommen weltweit – und reicht, um das Land 100 Jahre lang zu versorgen. Gas ist billig und damit auch der Strom aus Gaskraftwerken.


Andere Länder steigen ebenfalls ins Schiefergasgeschäft ein

Zum anderen wird der Weltmarkt durcheinandergewirbelt. In den USA verdrängt billiges Gas die heimische Kohle. Diese wird wiederum nach Europa exportiert - und hier lohnen sich Kohlekraftwerke dann mehr als Gaskraftwerke, die mit teurerem Pipelinegas befeuert werden. Und die US-Industrie hat einen enormen Wettbewerbsvorteil. In Europa ist Gas doppelt so teuer. „Europa wird diesen Nachteil in den nächsten 15 Jahren nicht kompensieren können“, meint Eon-Vorstand Leonhard Birnbaum.

Mestrallet glaubt, dass Schiefergas weltweit ein großes Potenzial hat. Bevor die Technologie ihren Durchbruch fand, wurde die Reichweite der weltweiten Reserven auf 60 Jahre geschätzt. Jetzt gehe man von „zwei Jahrhunderten“ aus.

Andere Länder steigen nun auch ins Geschäft mit Schiefergas ein. Algerien vermutet Schiefergas und -öl in einem Volumen, das die Reserven verzehnfachen könnte. Und der weltgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien plant das erste Kraftwerk, das mit Schiefergas betrieben wird.

Shell-Chef Peter Voser kann den „momentanen Hype“ nicht ganz nachvollziehen - und glaubt, dass die USA einen großen Wettbewerbsvorsprung haben: „In den USA ist die Förderung von Schiefergas sehr weit fortgeschritten“, sagte er in Daegu, "im Rest der Welt steht sie aber erst am Anfang."

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%