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Gastbeitrag zu Frauen in Führungspositionen Zeigt Mut: Warum es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen

Aus Komfortzonen werden keine Führungskräfte geboren – im digitalen Wandel erst recht nicht. Was jetzt zu tun ist, wenn Sie erfolgreich Ihre Karriere boosten wollen.

Sabine Mueller engagiert sich für die Förderung von Gender-Balance in der Führungsebene. (Credit: Privat)

BonnSabine Mueller, CEO von DHL Consulting, engagiert sich leidenschaftlich für die Förderung von Gender-Balance in der Führungsebene. Für unser Businessnetzwerk Leader.In hat die erfolgreiche Top-Managerin diesen Gastbeitrag geschrieben.

In Zeiten, in der digitale Transformation alle Branchen nicht nur beeinflusst, sondern auf den Kopf stellt, erweisen sich Komfortzonen als Problem. Mein Rat an alle Frauen mit Führungsambitionen gilt deshalb jetzt mehr denn je: Zeigt Euren Mut, verlasst die Komfortzonen!
Die Logistikbranche ist dynamisch und aufregend und ich nenne sie seit zwei Jahrzehnten mein Zuhause. Derzeit befinden wir uns allerdings in einem grundlegenden Wandel: Big Data, künstliche Intelligenz, Robotik, Drohnen und Game-Changer wie die Blockchain-Technologie treiben die Logistik an, sich konstant weiter zu entwickeln und immer wieder neu zu erfinden.

In diesem Umfeld flexibel zu bleiben und agil zu handeln ist wichtig für alle Marktakteure. Unternehmenslenker, das ist meine Meinung, dürfen sich deshalb nicht nur den neuen Begebenheiten anpassen, sondern müssen richtungsweisend agieren.

Doch engagiert und authentisch als digitales Vorbild voranzuschreiten ist leichter gesagt als getan. Zunächst bedeutet das, den von der Digitalisierung ausgelösten Paradigmenwechsel zu verstehen und anzunehmen, auch wenn das in vielen bestehenden Strukturen zu Beginn vielleicht schwerfällt. Meiner Erfahrung nach ist das jedoch genau der richtige Weg: Hätte ich mich nicht immer wieder selbst dazu angetrieben, meine Komfortzone zu verlassen und neue Perspektiven einzunehmen, wäre ich nicht die, die ich heute bin.

Zu viel Komfort, zu wenig weibliche Führungskräfte

Die Bereitschaft, gegebene Verhaltens- und Denkweisen in Frage zu stellen, hat also einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass ich heute ein Unternehmen leite – davon bin ich überzeugt. Ich befinde mich als eine führende Frau in Deutschland aber nach wie vor in der Minderheit.

Zwar hat sich in den letzten 20 Jahren die Diversität in den verschiedenen Bereichen, die ich durchlaufen habe, deutlich verbessert. In der Führungsebene sind Frauen aber immer noch stark unterrepräsentiert. Ich würde mich freuen, wenn mein Werdegang und Engagement mehr Frauen mit Leitungsmotivation dazu inspiriert, ihre Karriereentwicklung so selbstbewusst wie möglich zu gestalten.

Leider zeigen aber auch aktuelle Zahlen immer wieder: Weibliche Chefetagen selbstverständlich als gleichwertig zu etablieren, ist kein einfaches Unterfangen. In der Führungsriege ist das Geschlechterverhältnis nach wie vor nicht balanciert. Obwohl immer mehr Frauen in Vorständen börsennotierter deutscher Unternehmen sitzen – 47 weibliche Vorstände arbeiteten im Juli 2017 in den Unternehmen aus dem Dax, MDax, SDax und TecDax, vier Frauen mehr als noch einem halben Jahr zuvor und somit 6,9 Prozent – geht die Entwicklung hin zu mehr Gender-Balance schleppend voran. Im vergangenen Jahr waren noch immer 75 Prozent aller Vorstandsgremien der börsennotierten Unternehmen in Deutschland ausschließlich männlich besetzt. Diese Zahlen verdeutlichen das Missverhältnis auf ernüchternde Art und Weise.

Ich bin überzeugt, dass Diversität und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in Vorständen sich positiv auf die Geschäftsleistung, Innovationskraft und Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens auswirkt. Das gleiche gilt natürlich für die Aufsichtsräte. Vielfalt in jeder Hinsicht ist meiner Meinung nach eine fundamentale Voraussetzung für nachhaltigen Geschäftserfolg.

Wie kommen wir zum Ziel?

Dass eine Gender-Diversitäts-Agenda wertvoll ist, darüber besteht kein Zweifel. Entscheidend ist jedoch, die geplanten Maßnahmen für mehr Gender-Balance auch in die Praxis umzusetzen. Das benötigt Courage, eine klare Vision und eine Kultur, die Frauen durch alle Ebenen der Organisation hindurch bestärkt. Darin, ihre Meinung und Ziele zu äußern. Risiken einzugehen. Und: ihre Fähigkeiten und Erfolge proaktiv in Unternehmen und Netzwerken zu bewerben.

Führungskräfte müssen sich diesen Change-Prozess zu eigen machen und ihn nachdrücklich steuern. Unsere Bemühungen bei DHL Consulting ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis zu etablieren, haben bereits deutliche Erfolge erzielt. Um diesen Trend aufrecht zu erhalten und bestenfalls noch zu beschleunigen, ist aber eine starke, langfristige Strategie notwendig, bei der alle am selben Strang ziehen.


Networking als Karriere-Booster

Der erste offensichtliche Schritt in diese Richtung beginnt im Recruiting: Einen vielseitigen Pool an Talenten für die eigene Firma zu begeistern bildet die Grundlage für die richtige geschäftsfördernde Mischung.

Ein weiterer Schritt in Richtung Geschlechter-Balance ist das sogenannte Networking. Sich in Netzwerken zu engagieren und zu etablieren eröffnet Möglichkeiten, über den eigenen Tellerrand zu schauen und dadurch das eigene Führungspotenzial zu erschließen. Besonders Frauen empfehle ich, sich als gute Netzwerkerinnen zu etablieren. Gespräche und Veranstaltungen, die zum Networking dienen, kosten zwar viel Zeit und Mühe – ergeben am Ende aber in den meisten Fällen wertvolle strategische Kontakte für den weiteren Karriereweg.

Für die Frauen, die sich mit proaktivem Netzwerken bisher schwergetan haben oder denen sich nicht genug Chancen boten, eröffnen Social Media Plattformen und andere digitalen Kanäle heute weitere, neue Möglichkeiten, ihre eigene Visibilität zu erhöhen.

Interessanterweise legen Studien nahe, dass die digitale Welt an sich von Frauen als karrierefördernder Aspekt wahrgenommen wird und Frauen es als wahrscheinlich erachten, besonders in digital transformierten Firmen bessere Karriereunterstützung zu bekommen.

Unternehmen müssen positiven Effekt von mehr weiblichen Führungskräften anerkennen

Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind essenziell für jede Frau mit Führungsambitionen. Mein Ziel ist es, mehr Frauen dazu zu inspirieren, aus ihren Komfortzonen auszubrechen; ihre Ansprüche und Forderungen klar zu äußern und auch im professionellen Umfeld aktiv und stark zu netzwerken – online und offline.

Selbstverständlich braucht es mehr als nur motivierte Frauen, um das System grundsätzlich zu ändern: Unternehmen müssen den positiven Effekt von Gender-Balance und somit mehr weiblichen Führungskräften anerkennen. Für mich ist außerdem klar, dass Unternehmen Möglichkeiten der Karriereentwicklung für Frauen generell sichtbarer und zugänglicher gestalten müssten, um hier echte Veränderungen herbeizuführen. Die damit einhergehende Mentalität gilt es dann nachhaltig in der Unternehmenskultur- und Strategie einzuweben.

Wir als Unternehmenslenker müssen uns dem Thema Gender-Balance in der Führungsebene und der Unternehmenswelt an sich ernsthafter widmen, damit wir das kreative und innovative Potenzial einer vielfältigen Belegschaft in Zukunft voll ausschöpfen können. Das ist mein Appell.

Über die Autorin

Sabine Mueller ist CEO von DHL Consulting, eines unabhängigen strategischen Supply Chain und Management Beratungsunternehmen, Teil der Deutsche Post DHL Group. Sie engagiert sich für die Förderung von Gender-Balance in der Führungsebene. Folgen Sie Sabine Müller: Blog - Twitter - LinkedIn.

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