Geldanlage Wegen Inflation und Niedrigzins – Deutsche Sparer verlieren dieses Jahr 28 Milliarden Euro

Viele Deutsche meiden Aktien und legen ihr Geld lieber aufs Girokonto. So verlor der durchschnittliche Deutsche im ersten Quartal 86 Euro.

Inflation und Niedrigzins: Sparer verlieren 28 Milliarden Euro Quelle: dpa

FrankfurtDie Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die zuletzt wieder etwas höhere Inflation kosten deutsche Sparer Unsummen. Von Januar bis Ende März 2018 haben sie durch schlecht verzinste Einnahmen insgesamt 7,1 Milliarden Euro verloren, wie aus einer Studie der Beratungsgesellschaft Barkow hervorgeht. Auf das Jahr hochgerechnet würde der Wertverlust bei 28,4 Milliarden Euro liegen.

Der Grund für die Entwicklung: Der Leitzins der EZB liegt seit März 2016 bei null. Zudem verlangt die Notenbank von Banken Strafzinsen, wenn diese über Nacht Gelder bei ihr parken. In der Folge können Banken ihren Kunden kaum noch Guthabenzinsen bezahlen. Die durchschnittlichen Zinsen für Tagesgelder, Festgelder und Spareinlagen betrugen im ersten Quartal 0,2 Prozent.

Die Inflationsrate lag im dem Zeitraum jedoch bei 1,5 Prozent. Das führt zu einem Realzins von minus 1,3 Prozent. Wegen dieses negativen Realzinses hat jeder Deutsche im ersten Quartal im Schnitt 86 Euro verloren. Seit 2010 summieren sich die Verluste pro Bundesbürger auf 999 Euro.

„Die Deutschen gehören zu den eifrigsten Sparern weltweit, und trotzdem verlieren sie Jahr für Jahr viele Milliarden Euro – das ist paradox“, sagt Arno Walter, der Chef des Onlinebrokers Comdirect. Seine Bank hat die Barkow-Studie in Auftrag gegeben und großes Eigeninteresse, dass die Deutschen mehr Aktien, Fonds und andere Wertpapiere kaufen.

Aber auch andere Geldhäuser versuchen, ihre Kunden zu mehr Aktienkäufen zu bewegen. „Die Geldpolitik hat zur Folge, dass Spareinlagen als langfristige Vermögensanlage nicht mehr belohnt werden“, betont Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis.

Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zeigen, dass wegen der Niedrigzinsen zuletzt mehr Menschen Anteilsscheine an Unternehmen gekauft haben. 2017 stieg die Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds im Jahresdurchschnitt um zwölf Prozent auf rund zehn Millionen Bürger. Damit hat Deutschland wieder denselben Stand wie vor der Finanzkrise erreicht – jeder sechste Bürger investiert in Aktien. Im Vergleich zu anderen Industriestatten ist das allerdings immer noch eine niedrige Quote.

Und Zahlen von der Deutschen Bundesbank sowie Berechnungen von Barkow zeigen, dass die Deutschen parallel auch immer mehr Geld zu Null- oder Minizinsen bei ihrer Bank parken. Das Volumen an festverzinslichen Geldeinlagen ist laut Barkow in den vergangenen zwölf Monaten um 3,7 Prozent auf 2,2 Billionen Euro gestiegen.

„Wenn ein mit Wasser gefülltes Fass ein Leck hat, würde man versuchen, das Loch zu stopfen“, sagt Comdirect-Chef Walter. „Deutsche Sparer verhalten sich anders: Sie schütten immer mehr Wasser in das Fass in der Hoffnung, so den Pegel halten zu können.“

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