WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Geldinstitut Minizinsen und schwächere Konjunktur setzen Deutscher Bank zu

Das Geldhaus erwartet in den kommenden Jahren weniger Erträge in zwei wichtigen Bereichen. Trotzdem bleibt Konzernchef Sewing bei einem ambitionierten Ziel.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
An der Börse notiert die Deutsche-Bank-Aktie zeitweise knapp ein Prozent im Plus. Quelle: AP

Die Deutsche Bank spürt schärferen Gegenwind durch die niedrigen Zinsen und die Eintrübung der Konjunktur. In den kommenden Jahren erwartet das größte deutsche Geldhaus weniger Erträge im Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung. Im Investmentbanking, das Vorstandschef Christian Sewing im Rahmen eines groß angelegten Konzernumbaus verkleinert, läuft es dagegen besser als gedacht.

Sewing bestätigte beim Investorentag an diesem Dienstag die Prognose, bis 2022 eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent zu erwirtschaften. Er räumte aber auch ein, dass dieses Ziel ambitionierter geworden sei. An der Börse gehörte die schwer gebeutelte Deutsche-Bank-Aktie mit einem Plus von knapp einem Prozent zeitweise zu den einzigen Gewinnern im Dax.

„Die Konjunktur hat sich eingetrübt, auch wenn es zuletzt wieder positivere Signale gab, und in der Eurozone sind die Zinsen jetzt noch niedriger als im Sommer erwartet“, schrieb Sewing in einem Brief an die rund 90.000 Mitarbeiter der Bank. „Das geht nicht spurlos an uns vorbei.“ Um das Renditeziel zu erreichen, will die Deutsche Bank unter anderem Negativzinsen an bestimmte Kunden weiterreichen und das Kreditvolumen erhöhen.

Den größten Umbau der fast 150-jährigen Firmengeschichte will Sewing ohne fremde Hilfe schaffen. „Wir werden für unsere Transformation ohne weiteres Kapital von unseren Aktionären auskommen“, bekräftigte er. Die Neuausrichtung der Bank komme schneller voran als gedacht.

„Wir liegen mit der Umsetzung unserer Strategie nicht nur im Plan, sondern sind in mehreren Bereichen sogar schneller vorangekommen als erwartet.“ So lägen etwa die Erträge in der Sparte Anleihe- und Devisenhandel im laufenden Quartal über dem vierten Quartal des vergangenen Jahres. Im Sommer hatte dieser Bereich, der ehemals das Aushängeschild der Bank war, noch Federn lassen müssen.

Einige der Anfang Juli vorgestellten Spartenziele musste die Bank allerdings zurücknehmen. Im Privatkundengeschäft werden die Erträge bis 2022 stagnieren. Bisher hatte Sewing mit einem Zuwachs von zwei Prozent pro Jahr gerechnet. Auch in der Vermögensverwaltung werden die Einnahmen weniger stark steigen als prognostiziert. Nur im Investmentbanking läuft es besser: Hier erwartet Sewing ein jährliches Ertragswachstum von zwei Prozent statt einer Stagnation. Für die gesamte Bank geht die Deutsche Bank bis 2022 von Erträgen von rund 24,5 Milliarden Euro aus. Das sind etwa 500 Millionen Euro weniger als im Juli vorhergesagt. Gleichzeitig sei die Bank im Plan bei ihren Kostensenkungen, sagte Sewing.

Das Institut hatte im Sommer nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Commerzbank eine neue Strategie verkündet. Weltweit fallen in den kommenden Jahren 18.000 Stellen weg. Der Aktienhandel wird dichtgemacht, der Anleihehandel verkleinert. Künftig stehen Privat- und Firmenkunden im Fokus der Bank. In einer eigens gegründeten Abbaueinheit, einer internen „Bad Bank“, parkt das Institut Vermögenswerte, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%