Geldpolitik-Ausblick 2018 Kommt der Ausstieg?

Der EZB-Präsident hält sich alles offen. Quelle: dpa

In diesem Jahr könnte die EZB ihre umstrittenen Anleihekäufe beenden. Ob dies tatsächlich gelingt, hängt jedoch von einigen Unwägbarkeiten ab. Weltweit zeichnet sich eine langsame Normalisierung der Geldpolitik ab.

Mario Draghi will sich noch nicht festlegen. Die große Mehrheit des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) wolle das Ende der umstrittenen Anleihekäufe der Notenbank offenhalten, sagte er zuletzt auf seiner Pressekonferenz im Dezember. Dennoch spricht einiges dafür, dass die EZB die Käufe in diesem Jahr beendet. Zum Jahresbeginn hat sie das Kaufvolumen bereits auf 30 Milliarden Euro pro Monat halbiert.

Einige Kollegen Draghis haben sich bereits klar für ein Ende im September ausgesprochen. Dies erwarten auch viele Ökonomen. Der wichtigste Grund dafür ist die gute Konjunktur. Im vergangenen Jahr hat das Wachstum der Euro-Zone sämtliche Prognosen von Ökonomen deutlich übertroffen und war höher als in den USA und Großbritannien. Auch für 2018 sind die wirtschaftlichen Aussichten günstig, nicht nur in der Euro-Zone, sondern weltweit. „Selten war der Ausblick auf das neue Jahr so gut wie jetzt“, schreibt der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die Weltwirtschaft 2018 um 3,7 Prozent wächst. Der Aufschwung dürfte sich auch auf die Geldpolitik niederschlagen und denjenigen Argumente liefern, die für einen strafferen Kurs eintreten. Schmieding erwartet, dass die Euro-Zone 2018 im Schnitt um 2 bis 2,5 Prozent wächst – und damit deutlich stärker als ihr langfristiges Potenzial. Daher sei eine Verlängerung der Anleihekäufe über den September hinaus unwahrscheinlich.

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Allerdings gibt es noch Unsicherheitsfaktoren. So ist die Inflation im Euro-Raum nach wie vor niedrig und bislang keine klare Trendwende nach oben absehbar. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer etwa erwartet, dass die um besonders schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel bereinigte Kerninflation für den Euro-Raum in diesem Jahr bei rund einem Prozent verharrt.

Die EZB dagegen strebt eine Inflation von knapp unter zwei Prozent an. Einen wichtigen Grund für die schwache Inflation sieht Krämer darin, dass die Löhne im gesamten Euro-Raum angesichts einer Arbeitslosigkeit von immer noch fast neun Prozent nur langsam steigen würden. Der Commerzbank-Chefökonom erwartet daher, dass die EZB ihre Käufe über September hinaus verlängert.

Wichtige Personalien in den USA und der Eurozone

Im Vergleich zu Europa sind die USA im Wirtschaftszyklus schon weiter. Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihre Anleihekäufe bereits beendet und damit begonnen, ihre Bilanz zu schrumpfen, indem sie immer weniger auslaufende Zinspapiere in ihrem Bestand durch Neukäufe ersetzt.

Auch in den USA hängt der weitere geldpolitische Kurs davon ab, wie sich die Inflation entwickelt. Außerdem sind Ökonomen und auch die Mitglieder der Fed noch unschlüssig, wie sich die dortige Steuerreform auf das Wachstum auswirkt. Die meisten Ökonomen erwarten einen leicht positiven Effekt. Je stärker die Reform das Wachstum anschiebt, desto wahrscheinlicher werden zusätzliche Zinserhöhungen. Mehrheitlich erwarten die Mitglieder der Fed drei Zinserhöhungen 2018.

Berenberg Chefvolkswirt Schmieding dagegen rechnet in den USA sogar mit vier Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte. Doch es gibt einige Unsicherheit über den weiteren Kurs nicht zuletzt deshalb, weil es bei der Fed in diesem Jahr einen größeren personellen Umbruch geben wird. Im Februar tritt Jerome Powell die Nachfolge von Janet Yellen als Chef der Fed an. Nach der Berufung von Powell müssen bei der US-Notenbank noch vier weitere Spitzenpositionen besetzt werden, was erheblichen Einfluss auf den weiteren Kurs haben kann.

Auch bei der EZB rückt das Ende der Ära des bisherigen Präsidenten Mario Draghi näher. In diesem und im nächsten Jahr werden mehrere Spitzenpositionen neu besetzt. Als erster wird Vizepräsident Vítor Constâncio im Juni 2018 aus dem Amt scheiden, Draghi selbst dann Ende Oktober 2019. Zu den Favoriten für die Draghi-Nachfolge zählen Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und sein französischer Amtskollege Francois Villeroy de Galhau. Auch in der Europa dürfte daher das Rennen um die Spitzenposten in diesem Jahr eine große Rolle spielen.

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